Happy Birthday, Facebook! So nutzen Promis aus Neumarkt die Plattform

20 Jahre und (k)ein bisschen müde: Facebook hat Geburtstag und viele Neumarkter Politiker, Firmen und Vereine feiern mit. Doch wie das soziale Netzwerk selbst, werden die Nutzer in der Region immer älter. Wir haben uns mit Neumarkter Promis über ihre Erfahrungen mit Facebook unterhalten. Diese Vorteile und Probleme sehen sie.
Es ist der „Opa“ unter den sozialen Netzwerken – zumindest wenn man in entsprechenden Kategorien denkt: Facebook. 20 Jahre wird die Plattform an diesem Sonntag. Auch in der Region Neumarkt sind viele Lokalpromis, Firmen und Vereine auf Facebook unterwegs. Zum 20. Geburtstag erzählen sie von ihren Erfahrungen mit der Plattform.
Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn ist seit 2009 auf Facebook aktiv. „Es war damals neu und interessant und dann will man es ausprobieren“, erinnert er sich. Er sieht durchaus Vorteile in der Plattform.
Neben klassischen Medien und dem persönlichen Gespräch sei es ein wichtiges Element der direkten Kommunikation. „Aber ein respektvoller Umgang wäre wünschenswert. Der Ton macht die Musik“, sagt Ochsenkühn. Er bescheinigt Facebook aber Alterserscheinungen. „Bei den Nutzern hat sich die Altersstruktur verschoben. Die Jüngeren sind auf anderen Plattformen unterwegs.“ Darum nutzt der Neumarkter OB auch Instagram.
Hass ist ein großes Problem
Wenn es darum geht, spontane Aufrufe zu verbreiten, ist Facebook immer noch eine große Hilfe – das konnte sich vor kurzem Marco Winkler zunutze machen, als er am vergangenen Wochenende die Demonstration gegen Hass und rechte Hetze organisierte. Dass Hass und Hetze indes auf Facebook selbst ein großes Problem sind, musste der Linken-Politiker selbst erfahren. „Es hat mich überrascht, wie krass und hart die Beleidigungen dort sind.“ Wie groß die Bedeutung von Facebook heute ist, hängt aus seiner Sicht von der Zielgruppe ab. „Facebook wird zunehmend älter.“
Und damit auch unbedeutender. „Gerade in Deutschland ist das so. In anderen Ländern hat Facebook noch mehr Einfluss“, weiß Volker Dietl, Medienfachberater für den Bezirk Oberpfalz. Facebook sei nicht mehr unbedingt die Social-Media-Plattform der nächsten Generation. „Und Fake News werden immer präsenter“, sagt Dietl.
„Es hat mich überrascht, wie krass und hart die Beleidigungen dort sind.“
Marco Winkler, Organisator der Demo gegen Rechts
Dieses Problem sieht auch der Velburger Bürgermeister Christian Schmid. Er ist seit gut 15 Jahren auf Facebook und informiert in Wochenrückblicken über den Politik-Alltag. „Die Leute schauen selten richtig nach, wie die Fakten sind“, sagt er. Trotzdem biete Facebook Spaß und Chancen. „Man ist nah an den Menschen.“ Das hat Schmid dazu bewegt, Wochenrückblicke über die Velburger Politik zu erstellen.
Als besonders nahbarer Bürgermeister bekommt er auch die eine oder andere kuriose Anfrage. Zum Beispiel hat die Stadt dank Facebook bereits einen Bauplatz verkauft. „Da hat ein Paar aus der Nähe von Nürnberg den Bauplatz auf Facebook gesehen und uns kontaktiert.“ Christian Schmid hat aber auch schon tierische Erfolge auf Facebook erlebt. „Posts zu vermissten Katzen gehen am besten. Da erreicht man schon mal 40000 Klicks.“
Viele Klicks in den sozialen Netzwerken sind auch für lokale Firmen ein Muss. „Soziale Medien haben einen neuen und zusätzlichen Kommunikationsweg eröffnet, den wir gerne nutzen“, sagt Stefan Göldner. Er ist Unternehmenssprecher der Neumarkter Holzwerkstoff-Firma Pfleiderer. Vorteile für Information und Dialog ergeben sich laut Göldner in unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel auf dem Stellenmarkt. „Wer nicht auf Social Media kommuniziert, ist in einzelnen Bevölkerungsgruppen weniger existent“, sagt er.
Auch Simon Thaler von Dehn SE aus Neumarkt sieht in Facebook viele Vorteile – zum Beispiel bei der Ansprache von Kunden. „Und wir finden dort nach wie vor eine Vielzahl unserer wichtigsten Follower.“
Vereine machen Eigenwerbung
Ein ansprechender Auftritt auf Facebook bietet aber auch für Vereine große Vorteile, zum Beispiel für die Feuerwehr Berching. „Wir können dort zeigen, was wir bei der Feuerwehr machen. Das hilft uns, Jugendliche anzuwerben“, sagt der Vorsitzende Stefan Schwarz.
Da junge Leute eher auf Instagram zu finden seien, ist der Verein auch dort präsent. Gleichzeitig nutzt die Feuerwehr Berching Facebook, um über Einsätze zu informieren. „Die Leute wollen ja wissen, was passiert ist.“ Oft postet die Feuerwehr gleich noch Tipps, wie manche Unglücke vermieden werden können.
„Das hilft uns, Jugendliche anzuwerben“
Stefan Schwarz, Vorsitzender der Feuerwehr Berching
Dass über Facebook die Bindung zum Verein gestärkt werden kann, merkt auch Sophie Biener. Sie ist „Social-Media-Managerin“ beim TSV Freystadt. „Wir posten von jeden Fußballspiel ein Foto und einen kleinen Spielbericht“, sagt sie. Das komme bei den Leuten gut an. „Dadurch werden wir nahbarer und bringen den einen oder anderen dazu, mal ein Spiel von uns anzuschauen“, freut sich Biener.
Pfarrer bekommt viel gutes Feedback
Das soziale Netzwerk eignet sich aber nicht nur für Eigenwerbung. Es kann sogar den Glauben nach außen tragen. Ein Pionier dabei ist Stefan Wingen, Pfarrer der Hofkirche. Er ist schon seit 2011 auf Facebook aktiv. „Am Anfang habe ich mich aber etwas gesträubt“, erinnert er sich. Nun nutzt er sowohl Facebook als auch Instagram, unter anderem um Gebete oder Einladungen zu besonderen Gottesdiensten zu teilen. „Aber auch über die Sanierung der Hofkirche haben wir dort berichtet.“
Er verfolgt damit vor allem ein Ziel: „Die Leute sollen hinter die Kulissen der Pfarrei schauen können und sehen, dass ein Pfarrer auch nur ein Mensch ist.“ Der Erfolg gibt Wingen Recht: „Die Menschen springen richtig drauf an. Ich bekomme erstaunlich viele positive Rückmeldungen.“


