Wolf streift nur durchs Internet: Pyrbaumer Förster erklärt, wie Gerüchte entstanden sein könnten

Streifen zwei Wölfe durch den Wald bei Pyrbaum (Landkreis Neumarkt)? Oder lebt dort gleich ein ganzes Rudel? Gerüchte wie diese kursieren seit Wochen im Netz und in der Bevölkerung. Beweise gibt es dafür nicht. Dafür hat Revierförster Hubert Weikhart eine Theorie, woher die Gerüchte kommen und wem sie nützen.
Langsam ist Hubert Weikhart genervt. Immer wieder wird er auf das Thema Wolf angesprochen. Der Förster der Bayerischen Staatsforsten im Revier Pyrbaum kann immer nur mantraartig wiederholen: „Wir haben keinerlei Hinweise auf den Wolf.“
Seit Wochen kursieren in den sozialen Medien Warnungen, wonach sich angeblich in den Wäldern rund um Pyrbaum Wölfe herumtreiben. Am Wochenende flammte die Diskussion online erneut auf. Ein Nutzer hatte beispielsweise ursprünglich gewarnt: „Achtung Hundebesitzer, Pyrbaum Richtung Rengersricht wurden im Wald laut Förster 2 Wölfe gesichtet“. Angebliche Sichtungen solle es außerdem ganz nach am Ort Pyrbaum gegeben haben.
Wolfsgerüchte als Abschreckung von Hundehaltern?
Förster Hubert Weikhart stellt erst einmal klar, dass er selbst bestimmt niemanden vor Wölfen in seinem Revier gewarnt habe. Dass ihm die Aussage in den Mund gelegt wurde, nimmt er aber gelassen: „Der Otto-Normal-Bürger unterscheidet nicht zwischen Jäger und Förster.“
Außer den Behauptungen online gebe es keine Hinweise darauf, dass sich rund um Pyrbaum ein oder gar mehrere Wölfe aufhalten – keine Spuren, keinen Kot, keine Fotos.
Er hat so seine Theorien, wie es zu dem Online-Gerücht gekommen sein könnte: „Es gibt Jagdpächter, die sich über Hundebesitzer ärgern, die ihre Tiere im Wald frei laufen lassen.“ Sie hätten vor allem Angst, dass die freilaufenden Hunde das Wild verschrecken. Möglicherweise wollte ein Jäger einfach einen solchen uneinsichtigen Hundebesitzer zur Raison bringen, damit der sein Tier an die Leine legt, und erzählte ihm deshalb die Geschichte von den Wölfen.
„Die Leute haben Angst, dass ihrem Hund was zustoßen könnte“, weiß der Revierförster, der übrigens selbst Hunde führt und betont, dass Hunde im Wald grundsätzlich an die Leine gehören. Eine Schleppleine leiste da gute Dienste, findet Weikhart.
Das Thema Wolf ist eines, das den engagierten Revierförster – unabhängig von den jetzt aufgeploppten Gerüchten – permanent begleitet. Deswegen weiß er auch, wie unterschiedlich die Interpretation angeblicher Sichtungen oft ausfällt: „Meine 15 Jäger sehen nie einen Wolf, wir haben nie einen auf den Wildkameras. Aber einige Jäger um das Revier außenrum erzählen mir, dass es mittlerweile Wolfswelpen gibt.“ Das wäre nur möglich, wenn es eine gefestigte Population gäbe, die schon länger hier leben würde. Das aber schließe sich aus, so Weikhart.
Förster konnte Foto schießen
Ganz unmöglich ist es allerdings nicht, dass man im Pyrbaumer Revier einem solch seltenen und scheuen Tier begegnet. Seit 2020 wacht Hubert Weikhart über die rund 2200 Hektar Staatswald zwischen Allersberg, Lindelburg und Postbauer-Heng. Und vor drei Jahre hatte er dort tatsächlich eine solche Begegnung. Er saß im Auto und ein offenbar junger, leicht irritierter Wolf zeigte sich ihm in größerer Entfernung. Sogar ein Foto konnte der Förster schießen. „Das war für mich ein beeindruckendes, tolles Erlebnis“, erinnert er sich.
Das Tier wurde danach noch ein paar weitere Male gesehen und fotografiert, zog dann aber offenbar weiter. Seitdem gebe es keine Nachweise mehr: „Es kann sein, dass da mal einer durchläuft, aber es ist äußerst unwahrscheinlich. Sesshafte Wölfe gibt es aber definitiv nicht bei uns im Revier.“ Die nächsten Wolfspopulationen leben übrigens im Veldensteiner Forst nahe Pegnitz und im Altmühltal.
Viele Fotos, aber oft falscher Verdacht
Trotzdem bekomme Weikhart ganz oft Bilder zugeschickt, auch von Jägern, auf denen Tiere zu sehen sind, die sie für Wölfe halten. Oft ist nur ein buschiger Schwanz erkennbar. Fast immer sind das Füchse oder freilaufende Hunde. Und letztere sind aus Weikharts Sicht das viel größere Problem im Wald: „Auch die fangen mal ein Reh. Oder Wild wird bei Verkehrsunfällen verletzt und stirbt erst später. Wenn sich dann Füchse oder Wildschweine darüber hermachen, dann entsteht daraus ganz schnell das Gerücht von einem Wolfsriss.“ Beweisen ließe sich das über eine DNA-Analyse, doch diese Mühe macht sich kaum jemand.
Einen Hund vermutet der Experte übrigens auch hinter einer angeblichen Wolfssichtung bei Haarlach im östlichen Landkreis Roth. Vergangene Woche war bekannt worden, dass bei einer Drückjagd Anfang Januar einem Jäger ein Vierbeiner entgegengelaufen ist, den er zunächst für einen Wolf gehalten habe.
Falscher Umgang mit Tierart
Hubert Weikhart war bei der Jagd dabei und weiß, dass sich der Jäger selbst gar nicht so sicher ist. Es könne auch einfach der Hund gewesen sein, der an der Jagd beteiligt war. Graue Tiere der Rasse Laika könne man leicht mit einem Wolf verwechseln. „Wenn dort ein Wolf gerannt wäre, hätte ihn wahrscheinlich nicht nur ein Jäger gesehen“, glaubt Weikhart. Doch auch hier gelte: Unmöglich sei es nicht.
So faszinierend und schützenswert Hubert Weikhart selbst den Wolf findet, hält er den aktuellen Umgang mit dieser Tierart doch für falsch. „Wir werden irgendwann an Abschüssen nicht vorbeikommen“, vermutet er. Von Kollegen aus Niedersachsen, wo es bereits deutlich mehr bestätigte Wolfsrudel und -Paare gibt, wie konfliktträchtig die räumliche Nähe zwischen dem Raubtier und heimischen Nutztieren ist.
Der Förster glaubt: „Der Wolf ist sehr intelligent und wird nur mit Abschüssen verstehen, dass der Mensch gefährlich ist.“ Im Wolfsmanagement habe der Mensch in den vergangenen Jahrzehnten viel versäumt.