Trotz erfreulicher Besucherzahlen: Neumarkter Schlossbad fährt Millionen-Defizit ein – auch für 2023

Spaß und Entspannung − das verbanden die Stadträte gerade nicht mit dem Neumarkter Schlossbad, dessen Millionen-Defizit sie am Donnerstagabend zähneknirschend übernahmen. 2,57 Millionen Euro Verlust ergaben sich 2022 aus dem laufenden Betrieb. Wird das Defizit auch für 2023 wieder so hoch ausfallen?
Was die Kosten derart in die Höhe getrieben hat, erläuterte Stadtwerke-Geschäftsführer Dominique Kinzkofer. Ausgerechnet zu Beginn des ersten vollen Betriebsjahres brach der Ukraine-Krieg aus und vervielfachte die Preise für Strom und Erdgas zeitweise. „Wir sind mit einem Bad in einem sehr energieintensiven Tätigkeitsbereich. Tatsächlich entfiel fast eine Million Mehrkosten auf höhere Kosten für Energie“, sagte der Stadtwerke-Chef. Neben diesen 975000 Euro seien auch die Personalausgaben etwas gestiegen.
Mit Blick auf die Besucherzahlen sei das erste volle Betriebsjahr des Schlossbads aber sehr erfreulich gelaufen, so Kinzkofer. Sie lagen im Hallenbad und in der Sauna jeweils weit über den Erwartungen. Und dieser Trend setze sich auch 2023 und 2024 fort. Ohne Vereine und Schulen waren es 2022 143021 Gäste, 2023 bereits 182418 und in den ersten drei Wochen dieses Jahres sogar 20 Prozent mehr Besucher als in den ersten Wochen der Jahre davor.
2,5 Millionen Euro Erlöse aus Eintrittsgeldern
„Das Bad wird wirklich sehr gut angenommen“, betonte Kinzkofer. Das schlägt sich in den Einnahmen aus Eintrittsgeldern nieder. 2022 waren das mehr als 2,5 Millionen Euro, wenngleich damals Corona noch ein Thema war. Allein die Schüler kamen nicht so häufig wie prognostiziert, merkte der Stadtwerke-Geschäftsführer an.
Großes Lob vieler Besucher – trotz vereinzelter Kritik wegen der Öffnung erst ab 10 Uhr – gab Ferdinand Ernst (CSU) weiter. Er wollte wissen, wie denn das Planergebnis für 2022 gewesen wäre, um herauszufinden, ob es sich bei den fast 2,6 Millionen um einen Ausrutscher handelt. Tatsächlich liege die Differenz bei rund einer Million, so Kinzkofer, die aus den höheren Energiekosten resultiere.
Wie es in den kommenden Jahren weitergeht? Das abzuschätzen, sei wegen der schwankenden Energiepreise im Herbst 2022 schwierig gewesen, ließ Kinzkofer wissen. Nun aber bestehe Hoffnung: „Die Energiekosten werden sich rückentwickeln.“ Das wird das Defizit etwas drücken. Dafür werden wohl die Personalkosten wegen höherer Tarifabschlüsse steigen. Noch stehe das genaue Minus für 2023 nicht fest, es dürften aber wohl um die 2,2 Millionen Euro werden.
Alternativen: Zusperren oder Eintritt massiv erhöhen
„Uns war allen klar, dass das ein Defizitgeschäft ist“, stellte Peter Ehrensberger (CSU) fest. Man werde auch zukünftig mit steigenden Kosten arbeiten müssen. „Die Alternative ist, dass wir es zusperren oder die Eintritte erhöhen. Aber das will ja auch immer keiner“, sagte er, ehe der Stadtrat mit einer Gegenstimme der Übernahme des Defizits von 2022 zustimmte.
Warum die Dauerkarte für Familien weiterhin nur für drei Kinder gelte, wollte Gertrud Heßlinger (SPD) wissen. Das war laut OB Markus Ochsenkühn Thema im Aufsichtsrat, wurde aber abgelehnt. Es gebe kaum Beschwerden und sei ohnehin ein großzügiger Service.