In Neumarkt wird es bald dunkler: Die Stadt dimmt ihre Beleuchtung auf bis zu 20 Prozent

Der Umwelt und dem Stadtsäckel zu Liebe soll die Straßenbeleuchtung in Neumarkt bald nicht mehr die ganze Nacht mit voller Kraft leuchten. Dafür werden alle Lampen mit dimmbaren LED-Leuchten ausgestattet. Ab wann wird es künftig um wie viel dunkler?
Rund 7700 Leuchten erhellen Neumarkt in der Nacht. Das sollen sie auch weiterhin tun, aber nicht mehr immer mit voller Kraft. Wenn nichts los ist, dimmen sich die Leuchten. Das soll langfristig viel Geld sparen. Zuvor aber muss die Stadt tief in die Tasche greifen und mehr als drei Millionen Euro auf den Tisch legen. Dem Konzept hat der Stadtrat am Donnerstagabend zugestimmt.
Volle Helligkeit bis 20 Uhr, danach wird gedimmt
Licht nur dann, wenn es gebraucht wird – das soll Energie sparen, Lichtverschmutzung vermindern und weniger Insekten anziehen, erklärte Benedikt Thier, Abteilungsleiter Stromnetz und Netzmanagement bei den Stadtwerken Neumarkt.
Das zentrale Element sind intelligente, dimmbare Straßenlaternen. Bis 20 Uhr sollen die Bürger davon allerdings erst einmal nichts merken, denn bis dahin brennen die Laternen wie bisher mit voller Stärke. Erst danach dimmen sie sich das erste Mal: auf 70 Prozent bis 23 Uhr sowie auf 30 Prozent bis 5 Uhr morgens. Denn dann herrscht äußerst wenig Verkehr. Ab 5 Uhr, wenn der Berufsverkehr langsam einsetzt, fahren die Leuchten wieder auf 100 Prozent hoch.
Speziallösung mit Bewegungsmeldern für Parkplätze
So soll das Licht an allen Straßen im ganzen Stadtgebiet reguliert werden. Damit das möglich ist, haben die Stadtwerke und ein Planungsbüro den Status Quo aufwendig erfasst. Teilweise müssen technisch überholte Masten, anderswo nur die Leuchtmittel, getauscht werden und durch LED samt Smart-Steuerung ersetzt werden. Wo bereits LED-Leuchten verbaut wurden, reicht die Nachrüstung der neuen Steuerung.
Auch wenn 30 Prozent Licht nach wenig klingen – stockfinster wird es in Neumarkts Straßen auch am frühen Morgen nicht. Noch eine Spur schummriger sollen Leuchten auf Parkplätzen nachts gedimmt werden: auf 20 Prozent ab 21 Uhr. Allerdings wird das System mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Nähert sich eine Person oder ein Fahrzeug, klettert die Helligkeit für 90 Sekunden auf volle 100 Prozent.
Ein weiterer Vorteil der neuen, intelligenten Steuerung ist, dass die Stadtwerke künftig jede Laterne einzeln ansteuern können. Bisher ging das nicht. Nach der Umrüstung soll es ganz einfach möglich sein, die Schaltzeiten oder Helligkeiten für einzelne Straßenzüge oder die ganze Stadt zu verändern. Außerdem bekommen die Stadtwerke durch die Vernetzung eine automatische Ausfallmeldung, etwa wenn das Leuchtmittel ausfällt oder ein Masten umgefahren wird. „Es braucht keiner mehr durch Neumarkt fahren und gucken, ob was ausgefallen ist“, erklärte Benedikt Thier.
Die Kosten für all diese Maßnahmen sind erst einmal enorm. 3,1 Millionen Euro hat das Straßenbauamt veranschlagt, allerdings auch zwei Möglichkeiten der Förderung aufgetan. Auf rund 500000 Euro hofft man aus einem Programm des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, das die Einsparung von CO2 belohnt. Auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gibt es ein ähnliches Programm für die Umstellung auf LED. Diese liege zwar gerade auf Eis, bald soll aber ein neuer Fonds genehmigt werden, gab sich Thier optimistisch. Läuft alles glatt, sollen 1,1 Millionen Euro Fördergelder zusammenkommen. Die Stadt müsste dann noch zwei Millionen Euro selbst übernehmen.
Wartungskosten für neue LED-Leuchten werden deutlich sinken
Diese Summe könnte sich die Stadt in den folgenden Jahren recht bald wieder über Ersparnisse bei Strom und Wartung zurückholen, wagte Thier auf Nachfrage von Martin Meier (UPW) eine vorsichtige Schätzung. Die Amortisierung liege bei sieben bis acht Jahren.
Wie Thier ausführte, sinke der Stromverbrauch von bisher rund 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr auf rund 600000 Kilowattstunden. Statt 630 Tonnen würden nur noch 230 Tonnen CO2 ausgestoßen.
Im übrigen seien schon jetzt 37 Prozent der Straßenleuchten mit sparsamen LED-Leuchtmitteln bestückt. Läuft bei der Ausschreibung und bei den Förderanträgen alles nach Plan, könnte das komplette Stadtgebiet bis Ende 2025 auf smarte Leuchten umgestellt sein.
„Es ist überfällig, dass wir hier jetzt starten“, lautete das Fazit von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, der damit eine regelrechte Serie von Lob aus allen Fraktionen eröffnete. Um möglicher Kritik gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, ging der OB auf die anvisierten Schalt- und Dimmzeiten der Leuchten ein: „Das sind Erfahrungswerte, das kann man noch ändern und anpassen.“
Breite Zustimmung aus allen Fraktionen
Martin Meier wollte wissen, was die Steuerung und Wartung der intelligenten Leuchten kosten wird. „Die gesamten Wartungskosten werden auf jeden Fall geringer, weil man keine Leuchtmittelwechsel mehr hat“, erklärte Thier. Eine LED-Leuchte habe nämlich eine Lebensdauer von rund 100000 Stunden. Die Software sei bei den meisten Herstellern kostenlos.
„Der billigste und umweltfreundlichste Strom für die Stadt ist der, den wir nicht verbrauchen. Wenn wir das machen können, ohne die Bevölkerung mit Abschaltungen zu belasten, ist das eine tolle Sache“, fand André Madeisky (SPD). Diese Umstellung sei etwas wirklich Nachhaltiges, das der Bürger auch erkenne.
Als wichtigen Beitrag zum Energiesparen lobte Peter Ehrensberger (CSU) das Projekt. Für „eine rundrum wunderbare Sache“ hielt es Pedra Wittmann (UPW). Und Dieter Ries (FLitZ) freute sich, dass „endlich Bewegung in diese Sache kommt“, die seine Fraktion schon vor Jahren angeregt habe, die aber immer abgelehnt worden sei. Der Beschluss fiel einstimmig aus.