Kindesmissbrauch in fast 800 Fällen – Mann (46) aus dem Raum Regensburg angeklagt

Von André Baumgarten · 2. Februar 2024 um 10:00

Jeden dritten Tag soll sich ein 46-Jähriger aus dem Raum Regensburg ab 2012 an seiner Stieftochter vergangenen haben. Im Juli vergangenen Jahres wurde der Mann verhaftet. Er soll für mindestens 793 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht.

Es ist ein nahezu beispielloser Fall: Über zig Jahre hinweg soll ein heute 46-Jähriger aus dem Raum Regensburg seine Stieftochter missbraucht haben. Ermittler sind davon überzeugt, dass das Kind in jener Zeit rein rechnerisch fast jeden dritten Tag zum Opfer wurde – in der Anklage der Regensburger Staatsanwaltschaft ist von mindestens 793 Fällen die Rede. Der Mann befindet sich seit mehr als sechs Monaten in U-Haft und dürfte bald vor Gericht stehen.

Die schweren Vorwürfe des Mädchens waren im Mai vergangenen Jahres aufgekommen. Die Kriminalpolizei übernahm umgehend die Ermittlungen. Das mutmaßliche Opfer schilderte den Polizisten, was ihm widerfahren sein soll: Demnach soll der Ehemann der Mutter das Mädchen seit ihrem achten Lebensjahr regelmäßig missbraucht haben. Im Jahr 2012 habe das Ganze angefangen. Der Missbrauch soll gut sechs Jahre lang weitergegangen sein, bis 2018, als es 14 Jahre dann alt wurde.

Mann im Juli festgenommen

Das mutmaßliche Opfer hatte sich nach MZ-Recherchen als Jugendliche mehreren Personen im näheren Umfeld anvertraut, zuletzt auch der Mutter. Zu einer Anzeige bei der Polizei soll sich das Mädchen allerdings erst 2023 durchgerungen haben, hieß es. Ende Juli bekam der 46-Jährige dann unangekündigten Besuch von der Kriminalpolizei. Er wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Zu den schweren Vorwürfen hat sich der Mann bei den Ermittlern seither nicht geäußert. Vertreten wird der Beschuldigte von dem Regensburger Strafverteidiger Philipp Janson. Zu Details wollte sich der Jurist auf Nachfrage aber vorerst nicht äußern. Demnach ist aktuell offen, ob das Mädchen im Prozess am Landgericht aussagen muss oder ihr das womöglich erspart bliebe, weil der Mann gesteht.

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Die Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 793 Fällen gegen den Mann wurde im Januar erhoben. Einen Prozesstermin gibt es jedoch noch nicht, zunächst muss die zuständige Große Jugendkammer über die Zulassung der Anklageschrift entscheiden. Wie in solchen Fällen durchaus üblich, ist ein aussagepsychologisches Gutachten Teil der umfangreichen Akten. Die Aussagen, mit denen das Mädchen den Stiefvater schwer belastet, wurden demnach von einer Sachverständigen eingeordnet und wohl für glaubhaft befunden.

Zwei Übergriffe pro Woche?

Der Beschuldigte ist Deutscher und hatte die Mutter des mutmaßlichen Opfers 2011 geheiratet. Im Jahr darauf sollen die Taten begonnen haben, während die Frau wohl im Schichtdienst arbeitete. Dann soll es im Haus der Familie und in einem Waldstück, in das der Mann mit dem Kind fuhr, zu Übergriffen gekommen sein. Etwa zweimal pro Woche soll sich der 46-Jährige demnach an dem Mädchen vergangen haben.

Wie häufig Minderjährige die Opfer von sexuellem Missbrauch werden, zeigen die jüngsten Zahlen von 2022: in Deutschland wurden demnach 17168 Kinder unter 14 Jahren missbraucht – seit 2018 ein Plus von gut 20 Prozent. Das zeigt das Bundeslagebild zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen, das im Oktober 2023 erstmals vom Bundeskriminalamt veröffentlicht wurde.

Laut dem Bericht, der von nun an jährlich erhoben und veröffentlicht werden soll, sind gut drei Viertel der Opfer weiblich, in mehr als der Hälfte der Fälle gehören die Täter zum nahen Umfeld oder – wie im aktuellen Fall in Regensburg – zur Familie.