Berührende Geschichte: Ein Burglengenfelder begibt sich auf die Spuren von Amazing Grace

Von Josef Schaller · 31. Januar 2024 um 12:00

„Amazing Grace – Das unglaubliche Leben des John Newton“ heißt das MusiTextical von Klaus Sauerbeck. Diesmal hat sich der Burglengenfelder den Gospel-Sänger Reiner Kowalski an seine Seite geholt. Die Premiere fand am Samstagabend in der St. Ägidius Kirche in Pottenstetten statt.

Die rund 120 Gäste konnten dabei viel über das Lied und seinen Macher erfahren. Die Veranstaltung begann mit einem Song von Udo Jürgens: „Ich werde es wieder tun!“ Ob der Autor von „Amazing Grace“ sein Leben ein zweites Mal genauso gestalten würde, ist eine spekulative Frage. Sein Double Klaus Sauerbeck aber ist überzeugt: Vieles würde er wieder so machen – vor allem das, was seine geliebte Mary betraf.

Eine einfühlsame Erzählung in der Kirche in Pottenstetten

Einfühlsam erzählte Sauerbeck die Lebensgeschichte des „Amazing Grace“-Autors, der am Ende seines Lebens zurückblickt auf das, was war: Vom Kind, das früh seine Mutter verliert, über den Gottesleugner und -lästerer zum Prediger und Priester, der spät auch noch seine große Liebe findet und sein Leben in die Hände Gottes legt.

Umrahmt wurde die Erzählung von Reiner Kowalski, der mit ausdrucksstarker Stimme Songs wie „Einmal sehen wir uns wieder“, „Can't help falling in love“, „You'll never walk alone“ oder „Peace in valley“ präsentierte.

John Newton ist ein alter Mann geworden. Er weiß, es wird mit ihm nicht mehr lange gehen. Zeit also, zurückzublicken auf ein liederliches und gotteslästerliches Leben, in dem er spät seine Erfüllung gefunden hat. Er ist noch sehr klein, als seine Mama krank wird und ihn für immer verlässt. Im tiefen Glauben, den ihn seine Mama gelehrt hatte, ist er sich sicher: Einmal sehen wir uns wieder.

Als John elf Jahre alt ist, schickt ihn sein Vater auf See. Es folgen harte, entbehrungsreiche und schlimme Jahre, die er auf dem Schiff erlebt. Er entfernt sich immer weiter von seinem Vater, aber auch von Gott. Sein tiefer Glaube weicht einer zunehmenden Gleichgültigkeit. Mehrfach ist er selbst als Sklave verkauft worden. John beginnt, an jeglichem Lebenssinn zu zweifeln. Den Glauben hat er längst verloren. Nur ein einziger Gedanke hält ihn am Leben: Der Gedanke an Mary, die er so unglaublich liebt.

Amazing Grace war der Text seines Lebens

Viele Jahre ist er unterwegs, als er mit dem Schiff in einen schweren Sturm gerät, wo er um sein Leben fürchtet. Im Angesicht des Todes wird ihm die Zügellosigkeit und die Sündhaftigkeit seines Lebens bewusst. So findet er plötzlich wieder seinen Weg zurück zu Gott.

Zurück in London wagt er es, seiner Mary per Brief seine Liebe zu gestehen. Erst den dritten Heiratsantrag nimmt sie schließlich an. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Zwei Jahre später wird Mary sehr krank. Es dauert zwei Jahre, bis es wieder aufwärts geht.

John Newton wird schließlich zum Prediger und beginnt, seine Lebensgeschichte in der Kirche zu erzählen. Aus seinen Gedanken, auf einem Weg zu Gott zu sein, der steinig und schwer sein kann, entsteht 1772 ein Text, der lange in ihm geschlummert hat.

Es ist das Wichtigste, das er in seinem Leben je zu Papier bringt, ein Text, der tief in seiner Seele wurzelt: Amazing Grace. John Newton hat 1788 gerade angefangen, sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen, als seine Mary an Brustkrebs erkrankt und stirbt. Im Bewusstsein, dass sein Einsatz gegen die Sklaverei auch ihr Wille war, setzt er den Kampf fort. Im März 1807 spürt er, dass auch ihn langsam die Kraft verlässt. Eine letzte Freude hält das Leben allerdings noch für ihn bereit. Das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei tritt endlich in Kraft.

Es sollte sein letztes beschriebenes Blatt eines ereignisreichen Lebens sein, in dem er Schurke war, Gotteslästerer, ein Sünder durch und durch. Und doch hat er ganz fest an die unfassbare Gnade Gottes geglaubt, an seine Amazing Grace. Und er freut sich auf seine letzte und beste Reise, um gemeinsam mit seiner Mary in der ewigen Liebe des barmherzigen Gottes weiterleben zu können.