Arthur Hofmann: Mehrfach klopfte er an die Himmelstür, jetzt feiert er sein 40. Bühnenjubiläum

Von Thomas Rieke · 21. Januar 2024 um 11:00

Im Städtedreieck scheint es überdurchschnittlich viele Zeitgenossen mit musikalischem Talent zu geben. Die Organisatoren von Bürgerfesten können sich jedenfalls Jahr für Jahr nicht über Anfragen von Bands, die ihr Können unter Beweis stellen wollen, beklagen. Zu den bekanntesten, vielleicht auch umstrittensten Musikern der lokalen Szene gehört Arthur (Art) Hofmann. Er feiert heuer sein 40. Jahr als Solokünstler.

Wir treffen Hofmann in gemütlicher Runde, bei Kaffee, Zigaretten und der obligatorischen Halbe Bier. Anlässlich seines Jubiläums möchte er ein bisschen aus seinem Leben plaudern. Die Anekdoten würden ein dickes Buch füllen – nicht jedes Kapitel wäre aber von Sonnenschein geprägt.

Der heute 61-Jährige beginnt 1975. Da bringen ihm Kameraden aus der Mittelschule, die er seinerzeit besucht, Schallplatten mit nach Hause, auf deren Covern Typen mit wilder Mähne und furchteinflößenden Gesichtern zu sehen sind. Der erste Kontakt mit der wuchtigen Musik von Deep Purple und Black Sabbath ist für den Jungen so elektrisierend, dass er nie mehr davon los kommt. Bis dahin hatten eher klassische deutsche Schlager seine Sammlung bestimmt.

Vom Konfirmationsgeld die erste Gitarre erworben

„Wenn du plötzlich solche Vorbilder hast, möchtest du zwangsläufig auch selbst gern in die Saiten hauen“, berichtet Hofmann. Von den Geldgeschenken zur Konfirmation leistet er sich für 250 Mark seine erste Gitarre, die er heute als China-Schrott bezeichnet, und einen Verstärker der Marke Marlboro, der fast doppelt so teuer war. Es sollte eben auch möglichst laut werden.

Ein anderer Arthur, nämlich Arthur Theisinger, plant für heuer in Schwandorf erneut ein Zelt- und Kulturfestival. Kürzlich präsentierte die MZ das komplette Programm.

Der junge Mann bringt sich die ersten Griffe und Riffs selbst bei und macht rasch Fortschritte. Musikunterricht gönnt er sich erst viele Jahre später, als er längst erfolgreich durch die Lande tingelt. Bei Begegnungen mit echten Profis ließ sich irgendwann nicht mehr leugnen, dass er manchen Anweisungen mangels Kenntnis der Fachbegriffe nicht folgen konnte.

Mit 20 die irischen Kneipen in Regensburg erobert

Diese Schwäche möchte sich Hofmann dann doch nicht mehr länger leisten – und schreibt sich an einer Münchner Akademie ein. „Jetzt weiß ich wenigstens, wovon ich rede“, rundet er dieses Kapitel ab. Weil Rockmusik ohne Band auf Dauer schwierig ist, orientiert sich Hofmann neu. Idol wird der Musiker und Songwriter Neil Young. Entsprechend werden eine Western-Gitarre und eine Blues Harp angeschafft.

Mit Anfang 20 dringt der Burglengenfelder in die Szene der irischen Pubs von Regensburg ein, wo es gute Tradition ist, dass talentierte Musiker bei freiem Eintritt für Unterhaltung sorgen. Die Gage zahlt der Wirt. Als der damals sehr populäre schottische Gitarrist John Kirkbridge eine Pause einlegt, wagt sich Hofmann nach vorn: „Darf ich auch einmal?“

„Sicher“, antwortet John cool. Dann aber muss Hofmann erkennen, dass Kirkbridge als Linkshänder eine spezielle Gitarre spielt. So hurtig wie Hofmann nach vorne geprescht war, so schnell zieht er sich wieder zurück. Der Lokalbetreiber sagt ihm trotzdem zu, bei Gelegenheit eine Pause füllen zu dürfen – „und schon war ich engagiert“. Nicht ohne Stolz vermerkt Hofmann, seinerzeit der einzige deutsche Musiker gewesen zu sein, der im Irish Harp in der Brückstraße regelmäßig aufgetreten ist.

Sein Credo: Ich lasse mich nicht verbiegen

Der gebürtige Burglengenfelder, der heute mit seiner Lebensgefährtin in Teublitz lebt, hat auch gut bürgerliche Berufe erlernt. Nach einer Konditoren-Ausbildung lässt er sich zum Maschinenschlosser umschulen. Mit beiden Berufen kann er sich identifizieren, aber seine Leidenschaft gehört weiter der Musik. Mit ihr glaubt er, sich die Freiheit erkämpfen zu können, die für ein selbstbestimmtes Leben nötig ist. „Ich lasse mich nicht verbiegen“, lautet einer seiner Grundsätze.

Und so tourt Hofmann fast 20Jahre durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, absolviert oft an nur zehn Tagen mehrere Tausend Kilometer, um Auftritt nach Auftritt abzuliefern. Das Spielen vor Publikum, es mitzureißen und schließlich dankbaren Applaus zu ernten, ist sein Lebensinhalt, aber auch kräftezehrend, zumal Hofmann, wie er freimütig zugibt, dem Alkohol oft nicht widerstehen kann. Nur in den Wintermonaten kehrt er zurück in die Heimat, um im Korsett strenger Arbeitszeiten und unter Vorgesetzten brav Schaffen zu gehen.

2009 gründete er eine Band, die bis heute existiert

Die Beziehung zu einer Frau und die Geburt eines Sohnes sorgen für einen Bruch. Arthur ist damals 36 Jahre alt. Die Gitarre wird meist nur noch für den Privatgebrauch hervorgeholt. Es gibt Verpflichtungen. Die Rückkehr auf die Bühne folgt rund eineinhalb Jahrzehnte später – nach der Trennung von der einst Geliebten. Hofmann will es musikalisch noch mal wissen. Als Solokünstler, aber auch mit Gleichgesinnten. 2009 gründet er die Band Southwards, die bis heute existiert. Auf Anhieb haben sie 40 Auftritte im Jahr.

Bei allem oft zur Schau gestellten Selbstbewusstsein, ist Arthur Hofmann doch auch zu erstaunlicher Selbstkritik fähig. Um selbst aufsehenerregende Nummern zu komponieren, sei er nicht begabt genug, sagt er. Daran werde sich auch nicht mehr viel ändern. „Wenn ich so gut werden wollte, wie ich mit 20 glaubte, dass ich bin, müsste ich noch 100 Jahre üben, um nur halb so gut zu sein“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Mehrere Narben, die das Leben schlug

Neben der gescheiterten Ehe haben auch zwei Unfälle und ein Herzinfarkt tiefe Narben hinterlassen. „Ich habe in meinem Leben dreimal das Laufen lernen müssen“, sagt Hofmann, mindestens zweimal habe er an die Himmelstüre geklopft. Die Anspielung an einen Song von Bob Dylan ist kein Zufall.

Auch wenn sich die Pforten noch nicht öffnen wollten, die Endlichkeit des Daseins sei ihm schon deutlich geworden, sagt der Musiker. Jedes Jahr schreite schneller voran als das vorherige. Deshalb hat sich Arthur Hofmann vorgenommen, die restliche Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen und zu genießen.

Start ins Jubiläumsjahr in Peter’s Cottage

Im Jubiläumsjahr plant er zahlreiche Auftritte. Der erste steht für Samstag, 27. Januar, in Peter’s Cottage in Maxhütte-Haidhof fest. Das Publikum darf sich auf „gute alten Songs und Geschichten aus 40 Bühnenjahre“ freuen. Außerdem plant Hofmann eine Hommage an den Liedermacher Wolfgang Ambros. Der hat 1997 eine Ballade geschrieben, die auch Hofmann gern kreiert hätte. Eine Strophe daraus lautet: „So viele Jahre lieg’n schon hinter mir, und niemand weiß, wieviel’s no werden, doch selbst wann i heut’ noch sterben müsst, gäb’s für mi kan Grund zum Plärr’n. Denn i leb’ so, dass mir nix überbleibt, und wann i stirb is halt vorbei, i bin verwahrlost – und das werd’ i bleib’n, i bin verwahrlost, aber i bin frei...“ Als Hofmann das zum ersten Mal hörte, dachte er: „Der singt ja über mich.“

Weitere Infos unter: www.southwards.org

„Als wär’s gestern gewesen“, so fühlt sich Arthur Hofmann (61), als er für den MZ-Reporter noch einmal wie vor 30 Jahren posiert. Foto: Thomas Rieke