Theater: „Ach du lieber Gott“ feierte am Miesberg in Schwarzenfeld seine Premiere

Von Edgar Pielmeier · 29. Januar 2024 um 17:00

„Is scho wieda so weit“, fragte eine anonyme Stimme aus dem Saal, die dann „den gefühlten Steven Spielberg von Schwarzenfeld“ ankündigte. Gemeint war Helmut Lindner, der Regisseur des neuen Stücks der Miesbergbühne Schwarzenfeld.

Dieser konnte das Publikum im vollen Saal des Miesberg Restaurants und die Gäste von den Fensterbacher und Inzendorfer Theatervereinen zur Premiere des neuen Stücks „Ach du lieber Gott“ begrüßen. Es sei ein tolles Gefühl, das erste Mal seit vier Jahren wieder auf der Bühne zu stehen, so Lindner.

Passend zum Ort spielt die Handlung in einem Kloster

Passend zum Ort spielt die Handlung in einem Kloster. Dort lebt Schwester Gloria als Novizin. In drei Wochen ist ihre Profess, dann wird sie in den Orden aufgenommen. Das will ihr Vater, der Sternekoch Andreas Reitmeier, unbedingt verhindern. Er möchte seine Tochter keinesfalls den „zölibatären Restposten“ überlassen. Daher hat er sich im Gästehaus des Klosters eingemietet.

Dort trifft er seine geschiedene Frau wieder, die die Klosterwirtschaft gepachtet hat. Nebenbei hat sie eine Liebelei mit „Pauli“ Thalhammer, dem „hochsensiblen Metzger aus Leidenschaft“, der im Mambo-Tanzen aber nicht mit dem Sternekoch mithalten kann. Die beiden Bewohnerinnen des Klosters, Schwester Maria und Schwester Scholastika, sind beide im Leben stehend und zupackend.

Maria als Brauerin eines Bieres, von dem nur sie in der Lage ist, eine Halbe auf Ex zu trinken – und Scholastika, die in Tansania selbst auf Großwildjagd ging, bis Grzimek kam, um die Serengeti zu retten. Wenn es den Schwestern nicht gelingt, Nachwuchs zu finden, wird das Kloster aufgelöst, zumal es rote Zahlen schreibt. Da trifft es sich gut, dass der Münchner Sternekoch Andreas die Möglichkeit hat, Markus Söder und seinen „inner circle“ im barocken Tonnengewölbe des Klosters im Schein von selbstgezogenen Altarkerzen mit den besten Speisen zu bewirten. Serviert von Nonnen in weißen Häubchen, die sogar freundlich bleiben, als Hubert Aiwanger nach Ketchup verlangt, aber immerhin die „Solotsoße“ lobte.

Dass „geballte coole Männlichkeit“ eine harte Prüfung der zölibatären Lebensweise im Kloster darstellt, wird durch die kräftigen, muskulösen Bodygards des Ministerpräsidenten deutlich, die auch Nonnenherzen höherschlagen lässt.

Publikum reagierte mit viel Sympathie

Durch eine Boygroup sollte das eigentlich noch gesteigert werden. Allerdings stellte sich heraus, dass diese „Oberpfälzer Schwengel Schnalzer“ schwul sind und in erster Linie bei Max, dem Assistenten des Sternekochs, besondere Gefühle hervorrufen.

Ob das Kloster gerettet werden konnte, ob Novizin Gloria bei ihrer Entscheidung blieb und ob Sternekoch Andreas zurück nach München in sein Schickimicki-Restaurant ging, wird erst nach verschiedenen überraschenden Wendungen deutlich. Von Schwester Gloria wird das mit dem titelgebenden Ausdruck „Ach du lieber Gott“ zusammengefasst.

Das Stück verlangte von den Mitwirkenden vollen Einsatz – so auch von der Souffleuse. Sie hatten gut zu tun, denn es gab einige Hänger im Text, die aber witzig und schlagfertig gemeistert und vom Publikum mit Sympathie quittiert wurden.

Viel Applaus erhielt auch die „Boygroup“ der Trachtenvereine D’Friedrichsbergler und D’Miesbergler für ihre Schuhplattler-Einlage, die musikalisch von Anton Reiger auf seinem Akkordeon begleitet wurden.