Der „Teufelsgeiger“ und seine Band: Fünf Regensburger bringen ihr erstes Album heraus

Von Jonas Raab · 31. Januar 2024 um 10:00

Die Regensburger Liedermacher-Band Tigerbenzin veröffentlicht am 1. Februar ihr erstes Album: „/super plus“. Wie hört es sich an, wenn Klavier, Kontrabass, Gitarre, Cajon und Geige auf kabarettistische Texte treffen?

Ernst Friedl sitzt im Ribisl-Haus. Im März 2020 – die Räume im Minoritenweg dienten seinem Bruder Jakob gerade als „Malkampf“-Zentrale – spielte er hier das erste Konzert mit seiner Band Tigerbenzin. Ein paar Monate später saß Jakob Friedl im Stadtrat. Das Bandprojekt von Ernst, das nach 14 Jahren zum ersten Mal Fahrt aufgenommen hatte, lag hingegen auf Eis. Corona.

Jetzt, vier Jahre später, sitzt er also wieder hier. Seine Band gibt es immer noch. Bei einer Tasse Kaffee denkt Friedl darüber nach, wie man „/super plus“, das erste Album von Tigerbenzin, beschreiben könnte. Liedermacher, Blues, Folk und Kabarett sind die Begriffe, die ihm einfallen.

Papstlied als Startschuss für Tigerbenzin

Bis ins Jahr 2006 gehen die Wurzeln von Tigerbenzin zurück. Damals hatte Friedl – ein „Teufelsgeiger“, wie ihn sein Musiklehrer einst taufte – zusammen mit seinem Kumpel Ben Zorzi (Gitarre) ein Lied auf den deutschen Papst geschrieben. Als Friedl wegzog, um in Leipzig, Ulm und Halle Medizin zu studieren, ruhte das Bandprojekt. Statt Papstliedern schrieb er Gedichte über „teilmedizinische Inhalte“, beispielsweise das Legen eines intravenösen Zugangs. Nach dem Studium kehrte Friedl zurück in die Heimat. Heute arbeitet er als Kinder- und Jugendpsychiater.

In Sachen Musik knüpften Friedl und Zorzi 2019 da an, wo sie einst aufgehört hatten – und schrieben einen neuen Song. Nach und nach stießen Maximilian Ott (Kontrabass), Jakob Schneider (Klavier) und schließlich Moritz Oeding (Drums) zur Akustik-Band. „Das war das letzte instrumentale Puzzleteil, das gefehlt hat. Vorher sind wir ein bisschen in der Luft gehangen“, sagt Friedl.

Die Bandmitglieder sind allesamt Regensburger, Mittdreißiger und Teil eines Freundeskreises. „Wir kennen uns seit der Jugend“, sagt Friedl. Ende 2022 begannen die fünf, ihr erstes Album aufzunehmen. Fünf Lieder waren zunächst angedacht. „Aber ich hatte so Lust, dass es am Ende elf geworden sind“, sagt Friedl.

Zwei Singleauskopplungen sind bereits online zu hören, eine davon trägt den Titel „Frühling im November“. In dem Lied thematisiert Friedl mit subtilem Witz vom Klimawandel ausgelöste Veränderungen der Gesellschaft, etwa, wenn er reimt: „Alle gehen baden und lutschen Wassereis, Klimaleugner klagen, Mensch das ist zu heiß.“ Aufgefangen würden die Widersprüche im Wertesystem, die der Text offenlege, von einer „bluesrockmäßigen Rhythmik, die unbekümmert und lebensfroh nach vorne geht“, erklärt Friedl. Neben gesellschaftlichen Themen wollte er mit dem Album auch persönliche Themen ansprechen. So finden sich neben Songs über Bodybuilding oder eben den Klimawandel auch solche über Herzschmerz und Sehnsucht. „Die Texte sind ein Ventil für Dinge, die mir begegnen und mich beschäftigen“, sagt Friedl.

Auf Regensburger Festen live zu hören

Ab 1. Februar ist „/super plus“ in den gängigen Streaming-Diensten zu hören. Allein schon des Covers wegen – das Album ziert ein aufwendiges Ölgemälde – habe er überlegt, auch Platten pressen zu lassen. Am Ende habe jedoch die „große Entschlussfreudigkeit“ gefehlt, sagt Friedl. Live zu hören ist Tigerbenzin in diesem Jahr unter anderem auf dem Gassenfest und dem Jahninselfest.

Tigerbenzin an der Tanke: Maximilian Ott (v. li.), Jakob Schneider, Moritz Oeding, Ernst Friedl und Ben Zorzi Foto: Johanna Brunner