Plan des Burschenvereins: Platzerstadl in Roding soll Ausstellungsraum für Kutschen werden

Von Bastian Schreiner · 30. Januar 2024 um 05:00

Seit Jahren ist der baufällige Platzerstadl ein Schandfleck. Seit Jahren verdeckt eine weiße Plane dessen Fassade. Und seit Jahren scheitern Versuche einer Wiederbelebung. Nun scheint endlich ein Ende in Sicht: Seit kurzem liegt der Bauantrag beim Landratsamt. Denn die Rodinger Burschen wollen das Gebäude als Ausstellungsfläche für ihre drei Kutschen nutzen.

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Mit der Umsetzung soll so schnell wie möglich begonnen werden, sind sich Stadt und Verein einig. Einen konkreten Zeitplan gibt es aber noch nicht. Als Bauherr tritt übrigens die Stadt, die gleichzeitig Gebäudeeigentümerin ist, auf. Diese werde als auch Antragsteller fungieren, um zielgerichtet Fördergelder beantragen zu können.

Vorfreude auf das Projekt

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Schandfleck mitten in Roding bald verschwindet“, sagt Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Die Stadt sei froh, dass der Burschenverein das Projekt anpacke. Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat bereits einstimmig beschlossen, dass die Kommune die Kosten für die Entsorgung der Altlasten tragen wird.

Burschenvorstand Sebastian Gabler blickt dem Projekt mit großer Vorfreude entgegen. In der Königspergerstraße soll nämlich eine Heimat für den Verein entstehen. Zum einen sei das wichtig für die Zukunft, zum anderen könne man den Burschenverein so „sichtbar wahrnahmen“. In erster Linie sieht das Konzept laut Gabler eine Lagermöglichkeit für die Kutschen sowie die weiteren Utensilien wie Fahne, Horn oder historische Humpen vor. Punktuell könnte man kleine Veranstaltungen abhalten, diese müssten aber dann extra beantragt werden. Er stellt klar, dass dort kein Wirtshaus geplant sei.

Ähnlich wie Sportvereine werden die Burschen einen Nutzungsvertrag mit der Stadt, der das Objekt gehört, eingehen. Eingespannt werden dann auch die Mitglieder, die sich mit Eigenleistung in Form von Material und Arbeitsstunden einbringen müssen. Der Vorsitzende ist überzeugt, dass der Verein das Projekt stemmen werde. Zwar habe es bei der Vorstellung der Pläne im Herbst 2022 auch kritische Stimmen gegeben, aber durch das erfolgreiche Jubiläumsfest seien die Burschen nun „neu beflügelt“, so Gabler. Vielleicht habe die Wartezeit – es gab Bedenken, Fest und Platzerstadl parallel anzupacken – auch gut getan, überlegt er.

Die Pläne für den künftigen Ausstellungsraum hat Florian Brunner vom Büro quadrat 45° entworfen. „Das ist ein super-spannendes Projekt“, sagt der Architekt , der sich schon öfter mit dem Objekt beschäftigt hat. „Das kann ein Schmuckstück mitten in der Stadt werden“, sagt er.

Ziel sei es, den Charakter des Stadls zu bewahren. Dies soll durch eine neue Giebelwand mit Holzlamellen umgesetzt werden. Mit einem angedachten Stadeltor soll die Zufahrt für die Kutschen realisiert werden. Für die Fassade sei ferner eine Verglasung vorgesehen, „damit man die Kutschen auch sehen kann“, so Brunner. Einarbeiten will der Architekt auch den Schriftzug und das Logo des Burschenvereins – jedoch etwas versteckt als dezenter Hingucker.

Mauerwerk und Holzboden

Die alte Substanz des Stadls, dessen Fassade zur Verbreiterung der Straße bei der Altstadtsanierung zum Teil abgebrochen wurde, soll generell erhalten bleiben. Im Gewölbekeller werden laut Brunner Technik und Sanitäranlagen untergebracht.

Die Lagerfläche im Erdgeschoss soll wieder als solche genutzt werden. Neben der Ausstellungsfläche sollen ein Raum für weitere Vereinsutensilien und eine Art Teeküche entstehen. Insgesamt soll künftig eine Nutzfläche mit rund 160 Quadratmetern zur Verfügung stehen.

Auch der Holzboden orientiere sich am historischen Vorbild. Außerdem sei geplant, überall dort, wo es möglich ist, das Bruchsteinmauerwerk zu erhalten. Da sich das Gebäude im Ensembleschutz befindet, werden alle Schritten auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt, so Brunner. Bei den Kosten rechnet er mit einem sechsstelligen Betrag.

Der Charakter des Platzerstadls soll mit einer Fassade aus Holzlamellen erhalten. Foto: Büro quadrat 45°