Demo für Erhalt der Klinik Donaustauf: Lungenkranke machen ihren Sorgen Luft

Von Christine Straßer · 25. Januar 2024 um 18:47

Es ist ein Überlebenskampf. Das drohende Aus der Lungenklinik in Donaustauf treibt ihre Patienten so sehr um, dass sie auf die Straße drängen. „Für mich ist das nicht irgendeine Klinik. Es ist meine zweite Heimat“, sagt Michelle Schindlmeier am Donnerstagnachmittag auf dem Neupfarrplatz. Wie viele andere Patienten ist sie zur Demo gekommen.

Dann bricht die Stimme. Sie kann nicht mehr. Der Schock über die Nachricht, dass der Ort, an dem ihr so sehr geholfen wird, schließen könnte, sitzt tief. Jetzt kullern einfach die Tränen bei der 27-Jährigen.

Lunge bedeutet Leben

Michelle Schindlmeier hat eine extrem seltene Lungenkrankheit. In der Klinik Donaustauf ist sie seit ihrem zwölften Lebensjahr in Behandlung. Die junge Frau aus Stallwang im Landkreis Straubing-Bogen sitzt im Rollstuhl und benötigt Sauerstoff. „Ich bin auf die Spezialisten in Donaustauf angewiesen“, sagt sie. Regelmäßig sei sie dort.

Lunge bedeutet Leben, sagen viele Demonstrationsteilnehmer. Wer gesund ist, vergisst das leicht. Zwölf bis zwanzig Mal atmet ein gesunder Mensch jede Minute ein und aus. Pro Tag werden so rund 10000 Liter Luft bewegt, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und Kohlenstoffdioxid auszuscheiden. Für eine gesunde Lunge ist das kein Problem. Würde man die für den Gasaustausch zuständigen Lungenbläschen (Alveolen) aneinanderreihen, könnte das die Fläche von drei Boxringen bedecken. Doch dass dieses voluminöse Organ seine essenzielle Arbeit still und zuverlässig verrichtet, ist nicht selbstverständlich.

Drei riesige Sauerstoffflaschen pro Woche

Christian Dönninger aus Lappersdorf erzählt, dass er jede Woche drei riesige Sauerstoffflaschen bekommt. Immer montags. „Manchmal reichen die mir nicht“, sagt er. Er habe eine Fibrose, sei austherapiert. Im Notfall fahre er nach Donaustauf. Er sei auch schon einmal an der Uniklinik behandlet worden – „wegen dem Herz“. Aber dort habe man Probleme mit seiner Beatmung gehabt. „Für mich ist Donaustauf lebensnotwendig“. Deshalb demonstriert der 80-Jährige. Zum ersten Mal in seinem Leben und mit umgehängter Sauerstoffflasche.

Eine Schließung der Fachklinik würde für etwa 3100 stationäre und rund 5300 ambulante Patienten den Wegfall ihrer medizinischen Versorgung bedeuten, für die es in dieser Region keinen Ersatz gibt. Hans Schopf etwa hat schweres Asthma. 32 Jahre lang habe er bundesweit Kliniken ausprobiert, schildert er. Er sei dort nicht schlecht behandelt worden, aber erst in Donaustauf sei er richtig eingestellt worden. Deshalb könne er jetzt ein einigermaßen gutes Leben führen. Schopf lebt im Landkreis Freyung-Grafenau. Die 150 Kilometer nach Donaustauf fährt er gern. Schließt die Klinik, weiß er nicht wohin. „Allein auf einen Termin beim Lungenfacharzt muss man derzeit sechs Monate warten“, sagt er.

Offenen Brief geschrieben

In einem offenen Brief schreiben Patienten der Lungenklinik: „Diese Fachklinik ist für uns überlebensnotwendig: Von der Kontrolle der Beatmungstherapie bis zur Akutbehandlung wie bei Atemnotzuständen zum Beispiel im Rahmen von Infekten oder Pneumothoraxen, der Versorgung mit Hilfsmitteln und Sauerstofflangzeittherapie, psychischer Unterstützung und individueller Schmerztherapie – In der Klinik Donaustauf können wir darauf vertrauen, in guten Händen zu sein.“ Er sei hier für alle, die zuhause im Bett liegen und an der Sauerstoffversorgung hängen, sagt Johann Götzfried, Vorsitzender der Lungensportgruppe „Donauschnaufer“. Die Klinik müsse bleiben, weil es nur hier diese Expertise gebe.

Die drohende Schließung der Klinik lastet schwer auf den Patienten. Alle blicken nun gebannt auf den kommenden Dienstag. Dann wird über die Zukunft der Klinik entschieden.

Drohende Schließung der Klinik Donaustauf

Fachzentrum: Die Klinik Donaustauf ist ein Zentrum für Pneumologie, psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Weaning. Hier finden sowohl invasiv als auch nicht-invasiv (langzeit-)beatmete Menschen die für sie so wichtige Versorgung. Nicht zuletzt während der Corona-Pandemie hat sich das Krankenhaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Als Lungenheilstätte geht die Geschichte der Klinik in Donaustauf zurück bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Volksmund wird die Klinik oft auch „Hustenburg“ genannt.

Trägersuche: Dem hochspezialisierten Krankenhaus droht das Aus. Der Träger, die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd, will sich zurückziehen. Der Betrieb gehört nicht zu den Kernaufgaben. Sollte kein Trägerwechsel zustande kommen, muss die Klinik geschlossen werden. Mehrere Betreiber hatten sich beworben. Zuletzt verblieben ist der Caritasverband der Diözese Regensburg. Eine Entscheidung war für 19. Januar angesetzt, wurde aber vertagt. Nun will die DRV Bayern Süd am 30. Januar erneut beraten.

„Die Hustenburg darf nicht schließen“, sagt Patientenbeauftragte Ingrid Lochmann.
Hans Schopf verdankt der Klinik Donaustauf nach eigenen Worten sein Leben.