Der Ort zum Luftholen – Lungenpatientin bangt um Klinik in Donaustauf

„Ich habe keine so laute Stimme“, entschuldigt sich Saskia Stingl und holt Luft. Denn die 26-Jährige ist lungenkrank. Das Atmen fällt ihr schwer. Aber sie will ihre Stimme erheben, um zu verhindern, was für sie fatal wäre: die Schließung der Klinik in Donaustauf.
Saskia Stingl ist seit 2020 sauerstoffpflichtig. Seit der frühen Kindheit hat sich bei ihr eine seltene Lungenerkrankung schleichend entwickelt. „Meine Atemwege sind chronisch entzündet und gefüllt mit zähem Sekret, was zu wiederkehrenden Atemwegsinfektionen führt“, erklärt die junge Frau. Für sie als Patienten mit einer komplexen Grunderkrankung sei die Behandlung in Donaustauf so wirksam, weil dort individuell auf ihr Krankheitsbild eingegangen werde und passende Therapien gesucht, gefunden und ausprobiert werden können.
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Maßgeschneiderte Therapie
Stingl kommt aus dem Landkreis Eichstätt und fährt nach Donaustauf, weil dort die Behandlung für sie maßgeschneidert ist. In ihrem Fall könne man nicht nach „Diagnoseschublade“ therapieren, betont sie. Die Atmosphäre in der Klinik in Donaustauf sei im Vergleich zu anderen Kliniken familiär. Ein weitere Pluspunkt, der hier reinspielt: ein hoher Anteil an Stammpersonal. „Gerade für die vielen langjährigen Patienten hier ist diese Vertrautheit ein wichtiger Faktor und gibt Sicherheit inmitten schwieriger gesundheitlicher Situationen“, schreibt Stingl. Sie hat darum gebeten, die meisten unserer Fragen schriftlich beantworten zu können. Das sei am einfachsten „von der Luft her“.
Mindestens zweimal im Jahr sei sie stationär in der Klinik zur Kontrolle der Beatmung sowie bei Exacerbationen – also immer wenn sich ihr Krankheitsbild deutlich verschlechtert. Dazwischen wird Saskia Stingl in der Ambulanz des medizinischen Direktors Maximilian Malfertheiner betreut. „Ich habe trotz bereits erheblicher Einschränkungen meinen Schulabschluss geschafft, konnte aber keine Ausbildung beginnen oder klassisch ein Studium anfangen, von zu Hause ausziehen et cetera“, schildert die 26-Jährige. Im Jahr 2016, mit 19 Jahren, hatte Stingl eine Lungenfunktion von nur noch 20 Prozent, heute ist der Wert noch niedriger.
Viele Herausforderungen im Alltag
Ihr Alltag ist mit Herausforderungen verbunden. Zwei Mal pro Woche geht sie zur Atemphysiotherapie. An guten Tagen backt sie gerne und seit zwei Jahren studiert Stingl in Teilzeit Social Sciences an einer Fernuniversität. Außer Haus bewegt sie sich meistens im Rollstuhl vorwärts, auf kurzen Strecken mit ihrem E-Scooter. „Zum Auto schaffe ich es aber noch zu Fuß!“, betont sie.
Die Schließung der Klinik in Donaustauf würde für die 26-Jährige „sehr viel Ungewissheit“ bedeuten. „In jedem Fall müsste ich an einem anderen Standort wieder von Null anfangen und eine passende Behandlung erst erkämpfen müssen.“ In den vergangenen Jahren seien bei ihr in immer kürzeren Abständen intravenöse Antibiotikatherapien nötig, „um die Keimlast in meiner Lunge zu reduzieren.“ Diese mehrwöchigen IV-Therapien könne sie dank der Klinik Donaustauf ambulant durchführen und sich selbstständig an die Infusionen an- und abhängen. Eine speziell beauftragte Apotheke liefert die Medikamente dafür zu ihr. „Dies bedeutet eine große Freiheit und die Möglichkeit, auch im verschlechterten Zustand Zuhause bleiben zu können“ macht Stingl deutlich.
Petition gegen Schließung
Zwischenzeitlich haben sich zahlreiche Menschen mit den Ärzten und Pflegekräften im Klinikum Donaustauf solidarisiert. Im Internet formierte sich eine Protestbewegung gegen eine Schließung. „Verhindern Sie die drohende Schließung der Klinik Donaustauf“, ist die Petition überschrieben. Der Initiator der Petition, die innerhalb kurzer Zeit bereits von mehr als 5000 Menschen gezeichnet wurde, schreibt über seine Motivation: „Jeder, der das Donautal durchfährt, kennt seit vielen Jahrzehnten die Hustenburg Donaustauf, wie sie im Volksmund genannt wird.“
In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Klinik zu einem nationalen Spitzenzentrum im Bereich Pneumologie, Thoraxradiologie und Psychosomatik entwickelt. Jetzt bestehe die Gefahr, dass diese Einrichtung aus voller Fahrt auf Null abgebremst wird. „Das Leben nicht weniger Patienten hängt an dieser Klinik“, so der Appell. Auch zahlreiche Unterzeichner äußerten sich mit einem Kommentar. Die Klinik habe ihm „das Leben gerettet“, schreibt ein Unterstützer beispielsweise. Die Klinik müsse erhalten bleiben, weil er selbst „zum Pneumologen ausgebildet wurde und acht Jahre dort, zuletzt in als Oberarzt tätig war und dieses Haus für die spezielle Versorgung in der Pneumologie in Ostbayern unverzichtbar ist“, schrieb ein Arzt auf der Petitions-Seite.
Gegenüber der MZ äußerte sich jetzt auch der frühere Chefarzt der Klinik, Professor Gerhard Siemon. „Seit Jahren will die Rentenversicherung dieses Haus los werden“, sagte der Pneumologe, der das Haus zwischen 1977 und 2001 leitete. „Dabei haben wir weit über die Region hinaus beispielsweise mit dem Schlaflabor eine Anlaufstelle für viele Patienten geschaffen, die ihresgleichen sucht.“ Siemon plädierte „dringend für den Erhalt des Klinikums“. Einer Übernahme durch das Josefskrankenhaus stehe er „sehr positiv gegenüber. Das Josefskrankenhaus ist überaus renommiert und das Donaustaufer Krankenhaus würde sehr gut dazu passen“, schloss Siemon.
Einzigartig in Ostbayern
Am Freitag um 10 Uhr tritt die Vorstandschaft der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd zusammen. Auch die Chefärzte des Donaustaufer Klinikums werden gehört. Dann soll entschieden werden. Aus der Politik gibt es viel Unterstützung für die Klinik. Auch die Regensburger Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner (SPD) setzt sich für den Erhalt ein. „Die Mitarbeiter der Klinik leisten seit der Corona-Pandemie buchstäblich lebensnotwendiges für diese Republik“, schreibt sie. „Die Lungenklinik Donaustauf ist die einzige derartige Spezialklinik im gesamten ostbayerischen Raum und ist mit seiner herausgehobenen Bedeutung für die Versorgung von Post-Covid-Patienten und somit für dieses sehr spezielle Fachgebiet unbedingt erhaltenswert.“
Saskia Stingl möchte den Entscheidungsträgern vor allem eines mit auf den Weg geben: „Die Klinik Donaustauf hat für uns Patienten einen Wert, der sich nicht in Zahlen fassen lässt sondern sich in Lebensqualität, Lebenszeit und adäquater Versorgung zeigt. Hinter den Patientenzahlen stehen Menschen, dies sollten Sie bei ihrer Entscheidung mit bedenken.“