Entscheidung über Fortbestand der Klinik Donaustauf: „Das ist doch menschlich kein Umgang“

Von Christian Eckl · 17. Januar 2024 um 12:42

Erst nachdem die Mittelbayerische online berichtete, wandte sich der Träger des Donaustaufer Krankenhauses an die Belegschaft. Am Freitag wird nun entschieden, ob man das Haus schließt oder an die Caritas übergibt. Die beiden Chefärzte werden in München vorsprechen, die Belegschaft protestiert derweil zu Hause. Alle sagen: So, wie die Deutsche Rentenversicherung mit dem Personal umgeht, sei das unterirdisch.

Die Entscheidung, ob das Klinikum in Donaustauf (Landkreis Regensburg) geschlossen wird oder an den Caritas-Diözesanverband übergeht, ist für etwa 240 Mitarbeiter dort von zentraler Bedeutung. Und dennoch wollte der Träger, die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd, zunächst erst nach einer Entscheidung am Freitag darüber sprechen. Es kam anders. „Man hat uns erst informiert, als schon darüber berichtet wurde“, sagt auch Chefarzt Maximilian Malfertheiner. Am Dienstag habe man eine Mitteilung per Mail erhalten, in der im Kern das wiedergegeben war, was auch in der Berichterstattung zu lesen war. „Das ist kein Umgang“, sagt Malfertheiner. „Es gab kein persönliches Wort, kein Anruf – ich finde das nicht besonders wertschätzend“, sagt Malfertheiner. Die beiden Chefärzte des Klinikums werden aber am kommenden Freitag nun doch vom zuständigen Gremium des Trägers gehört.

Chefärzte protestieren

Wie berichtet, soll die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd am Freitag entscheiden, ob und wie es mit dem Klinikum weitergeht. Man werde ein Banner mitnehmen am Freitag nach München, wenn man dem Gremium ans Herz legen wird, die Klinik an die Caritas zu übergeben. „Es gab die Überlegung, ob Teile der Belegschaft in München demonstrieren sollen, aber wir haben uns dazu entschieden, dass sich die Mitarbeiter lieber um die Patienten kümmern und vor Ort demonstrieren.“ Überhaupt wären die 240 Mitarbeiter überaus motiviert und würden sich mit dem Standort und der Klinik identifizieren. So blieben am Dienstag einige Schwestern und Pfleger in der Klinik, weil am Mittwoch Eis und Schnee auf den Straßen drohte. „Selbst verständlich ist das nicht“, so der Chefarzt.

Zwei Optionen gibt es noch für die Klinik: Entweder, die Caritas übernimmt das Klinikum – oder die Rentenversicherung schließt das Haus.

Wie aus politischen Kreisen zu erfahren war, wäre dann mit einer Schließung bis zum 30. Juni zu rechnen. Die Caritas ist nach Angaben der DRV der einzige Bieter, der noch im Rennen ist. Beworben hatten sich auch die Barmherzigen Brüder, allerdings äußerte deren Geschäftsführer, dass die zeitliche Vorstellung des Trägers aus Sicht der Barmherzigen schwer umsetzbar gewesen wäre.

Malfertheiner und sein Chefarzt-Kollege Thomas Loew von der Psychosomatik wollen am Freitag vor der Entscheidung für die Übernahme durch die Caritas werben. Dabei geht es aber auch um die Konditionen: Investitionen sind nötig. Gut unterrichtete Kreise gehen von einem negativen Kaufpreis aus, die DRV müsste also noch Geld dazugeben, damit die Caritas das Krankenhaus tatsächlich übernimmt. Bestätigt ist das nicht, aber doch eher wahrscheinlich.

Expertise bei TBC-Patienten

Malfertheiner machte auch klar, dass das Alleinstellungsmerkmal des Klinikums für den Weiterbetrieb spricht. So habe man jährlich 1200 Patienten, die durch die Expertise in Donaustauf mit einer Maske beatmet werden könnten und dabei auf der Normalstation verbleiben. „In einer anderen Klinik müssten diese Patienten auf der Intensivstation behandelt werden“, so der Lungenfacharzt. Auch in Sachen Behandlung von Tuberkulose-Patienten habe man überregionale Kompetenz, so der Chefarzt.

Bereits vor der Berichterstattung hatten sich im Hintergrund Politiker eingeschaltet. „Das Zukunftspotential der Klinik Donaustauf muss im Mittelpunkt stehen, nicht finanzielle Beweggründe“ schrieb der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU) an Vertreter der DRV Bayern Süd. Landtagsabgeordneter Patrick Grossmann (CSU) wandte sich an Sozialministerin Ulrike Scharf und Gesundheitsministerin Judith Gerlach und forderte ebenfalls den Erhalt der Klinik.

Das Gesundheitsministerium allerdings machte klar, dass man einen Träger nicht dazu zwingen könne, eine Klinik weiterzubetreiben. Man würde einen Fortbestand aber begrüßen.

„Wir haben 1200 Patienten, die mit einer Maske beatmet werden – in anderen Kliniken wären sie auf der Intensivstation“, sagt Maximilian Malfertheiner, Chefarzt der Pneumologie