Rentenversicherung will Krankenhaus loswerden: Schließung oder Übernahme in Donaustauf

Am Freitag will der Krankenhausbetreiber entscheiden, ob die Lungenfachklinik Donaustauf veräußert oder geschlossen wird. Die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd will sich jedenfalls zurückziehen – mehrere mögliche Betreiber haben sich in einem Bieterverfahren beworben. Dieser Klinikbetreiber ist noch im Rennen.
Seit Jahrzehnten thront das Klinikum Donaustauf über dem Ort, von weither sichtbar erinnert das Krankenhaus ein wenig an das weltberühmte Sanatorium aus Thomas Manns Zauberberg. Auch dort wurden Lungenkranke behandelt, allerdings hat sich der große Literat wohl aus dem Vorbild zweier Häuser im Schweizer Davos bedient. Ähnlich dramatisch wie für den Protagonisten Hans Castorp wird diese Woche für die Belegschaft: Am Freitag entscheidet nämlich die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd (DRV), ob sie die Klinik verkauft – oder ob sie geschlossen wird.
Zukunft ist ungewiss
„Die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd hat seit Juni 2023 ein strukturiertes Bieterverfahren mit dem Ziel eines Trägerwechsels für die Klinik Donaustauf durchgeführt“, sagte ein Sprecher der Rentenversicherung am Dienstag auf Anfrage. Der zuletzt verbliebene Interessent, der Caritasverband für die Diözese Regensburg, habe ein Angebot vorgelegt. Dieses gelte es nun unter anderem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bewerten, um entscheiden zu können, ob ein Verkauf möglich ist, so der Sprecher. Der Vorstand der DRV Bayern Süd habe zu diesem Zweck eine außerordentliche Sitzung für Freitag einberufen. „Sollte ein Verkauf nicht in Betracht kommen, muss entschieden werden, ob ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Klinik möglich erscheint“, heißt es abschließend.
Caritas-Krankenhaus bewirbt sich um Übernahme
Die Caritas-Bewerbung bestätigt auch deren Sprecher Harry Landauer auf Anfrage dieser Zeitung. „Es stimmt, dass der Caritasverband für die Diözese Regensburg sich am Bieterverfahren beteiligt und ein verbindliches Angebot abgegeben hat“, sagte Landauer. Und weiter: „Es fanden in diesem Zusammenhang auch Gespräche die Zukunft der Klinik in Donaustauf betreffend zwischen Caritasverband und der DRV statt. “ Die Klinik Donaustauf genieße einen hervorragenden Ruf als Zentrum für Pneumologie und psychosomatische Medizin weit über den Standort hinaus. „Dies ist die Grundlage für die künftigen Planungen“, sagte Landauer.
Das medizinische Spektrum solle in dieser Dimension auf jeden Fall erhalten bleiben. Keine Gefahr gebe es im Falle einer Übernahme durch die Caritas für die Mitarbeiter: „Die Mitarbeitenden sind das Herz jeder Klinik. Von daher würden alle Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Die Caritas war nicht der einzige Klinik-Betreiber aus der Region, der sich für das Klinikum hoch über Donaustauf interessiert hat.
Barmherzige Brüder hatten sich auch beworben
Auch die Barmherzigen Brüder haben sich das Klinikum angesehen. „Es gab ein grundsätzliches Interesse“, sagte der Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder in Regensburg, Andreas Kestler. Doch die Deutsche Rentenversicherung trat offenbar mit Zeitvorstellungen auf, die man bei den Barmherzigen nicht erfüllen wollte. Kestler: „Dieses haben wir wegen der vom externen Berater vorgegebenen zeitlichen Taktung des Verfahrens und betriebsinternen Überlegungen dann nicht weiter konkretisiert.“
Insider beklagen, dass es zu einem jahrelangen Investitionsstau gekommen ist. „Da streiten sich Bauabteilung und die Abteilung Beschaffung, wer für die Telefonanlage zuständig ist“, schimpft ein Insider. Das Klinikum betreibe eine ein Kilometer lange eigene Wasserleitung mit Pumpwerk, die erneuert werden müsse, das sei ein Anachronismus. Zudem haben führende Ärzte Informationen der MZ zufolge sogar eine Gefährdungsanzeige an die Geschäftsführung der Deutschen Rentenanstalt geschrieben – Hintergrund ist, dass angeblich keine Weiterbildungen mehr für Ärzte durchgeführt wurden. „Das ist unhaltbar“, sagt ein Arzt zur MZ.
Alleinstellungsmerkmal mit 25 Betten hat das Klinikum in der Psychosomatik. Die Besonderheit: Das Haus ist mit dieser Abteilung angeschlossen an das Universitätsklinikum, hat also Zugang zu wissenschaftlichen Ansätzen, die in diesem Bereich besonders wichtig sind. Auch die Behandlung von Long-Covid-Patienten im Haus ist für den möglichen neuen Betreiber interessant.
Konditionen sind unklar
Doch letztlich geht es auch um die Konditionen für eine Klinikübergabe. Die Rentenversicherung äußert sich dazu nicht. Dem Vernehmen nach gab es Überlegungen, die Klinik für einen Euro zu übergeben. Es heißt aber auch, dass ein Negativ-Kaufpreis aufgerufen werden könnte,die DRV also Geld hinzupacken müsste, damit ein anderer Träger einspringt. Genau das aber macht die Situation für die Mitarbeiter so heikel: Auch die Option einer Schließung steht demnach noch im Raum. Zwar heißt es, dass angesichts des großen Personalbedarfs am Medizinstandort in der Region Regensburg keiner auf der Straße stehen würde.
Das Bayerische Gesundheitsministerium erklärte, man würde die Schließung der Klinik bedauern. Man könne Krankenhausträger aber nicht dazu zwingen, eine Klinik zu betreiben. Sollte am Freitag beschlossen werden, die Klinik ganz zu schließen, „müssten die entsprechenden Behandlungen durch andere Krankenhäuser in der Region übernommen werden“, so ein Sprecher.
Info: Eine über 120-jährige Geschichte
Gründung: Am 14. Mai 1900 gründeten engagierte Bürger einen Verein zur Errichtung einer Heilstätte für Lungenkranke im Kreis Oberpfalz und Regensburg, wie es in einem Text zum damals 100-Jährigen der Klinik heißt. Die Bürger initiierten also eine Heilstätte für Lungenkranke.
Entwicklung: Am 20. September 1908 wurde die Lungenheilstätte eingeweiht. Damals gab es in Deutschland fast 380 solcher Häuser. Damals bedrohte die Tuberkulose als einer der häufigsten Todesursachen im Kaiserreich und später die Gesundheit der Bevölkerung.
Neubau: Seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts ist der Rententräger in die Klinik involviert. Der Abriss des wunderschönen Baus aus der Jahrhundertwende wurde in den 90er Jahren beschlossen. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 2003 und hat durchaus Sanierungsbedarf.
Zukunft: Am Freitag wird die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd eine Entscheidung darüber treffen, wie es nun weitergeht mit dem Standort der Klinik in Donaustauf.