Richard Schwarzfischer aus Mitterdorf hat sich als Insolvenzberater spezialisiert

Bauunternehmen, Medienhäuser, Einzelhändler und zahlreiche andere Firmen: Das Spektrum an Branchen, in denen Richard Schwarzfischer und seine Mitarbeiter schon als Insolvenzberater tätig waren und sind, ist riesig. Voll ausgelastet seien sie, berichtet der Mitterdorfer, der sich seit Jahren auf diese zeitintensive Tätigkeit spezialisiert hat. Der stationäre Verkauf im Auktionshaus an der Bahnhofstraße, der sich bekanntlich durch die Konkurrenz im Internet ohnehin nicht mehr rechnete, endet deshalb am 3. Februar.
Leicht sei ihm der Schritt der Schließung nicht gefallen, erzählt Schwarzfischer, letztlich war sie aber alternativlos und stand schon länger fest. In der zweiten Generation hatte er das Geschäft, das sein Vater ursprünglich aus einem Schuhgeschäft heraus groß gemacht hatte, geführt. Im Laden in Mitterdorf und einer Filiale in Teisnach, die ebenfalls geschlossen wird, wurde Auktionsware angeboten.
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Dieses „Sonderpostengeschäft“ sei eigentlich ein Nebeneffekt des Berufes, erzählt Schwarzfischer. Man habe die Insolvenzware erworben und dann auf die Geschäfte in Roding und Teisnach verteilt, wo sie zu günstigen Preisen verkauft wurde. Die Blütezeit erlebte dieser Handel nach der Wiedervereinigung in den 90er-Jahren, als in der ehemaligen DDR viele Produktionsbetriebe schließen mussten, weil keine Interessenten für die meist maroden Fabriken gefunden wurden.
Ziel: Arbeitsplätze erhalten
Nach einer Lehre im Einzelhandelsbereich in Regensburg kam Schwarzfischer nach Mitterdorf zu seinem Vater zurück. Lange Zeit lief das Geschäft sehr gut, an manchen Tagen wurden die Kunden wegen des großen Andrangs nur im 30-Minuten-Rhythmus eingelassen erinnert er sich, doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Ursache sei das Internet: Nicht nur der Endverbraucher kaufe auf diesem Weg, auch die Warenbestände der insolventen Firmen würden über das weltweite Netz ab dem jeweiligen Firmen-Standort verwertet und nicht mehr in die Geschäftsstellen geliefert.
So habe sich der öffentlich bestellte und vereidigte Auktionator, von denen es in Bayern nur wenige gibt (auch weil die Ausbildung lange dauert und die Abschlussprüfung enorm schwierig ist), schon seit langem auf Insolvenzbetreuung spezialisiert.
Er erstellt Gutachten für den jeweiligen Insolvenzverwalter, der dann versucht, neue Investoren für die in finanzielle Schieflage geratene Firma zu finden. Es würden so viele Unternehmen betreut wie noch nie, erläutert er. Erstes Ziel sei es dabei, die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und einen Investor zu finden. Gelingt Letzteres nicht, muss das Unternehmen zerschlagen werden.
Mit etwa 80 Insolvenzverwaltern arbeiten Schwarzfischer und seine Mitarbeiter zusammen und profitieren dabei auch vom guten Ruf, den sie sich erworben haben. Die Arbeit müsse schnell und gewissenhaft erledigt werden. Und Arbeit gibt es viel: Jedes Teil, vom Stuhl über Elektrogeräte bis hin zu Fahrzeugen oder Textilien muss erfasst sowie fotografiert werden und bekommt später zwei Preise zugewiesen – einen, wenn der Betrieb weitergeführt wird und einen, wenn es zur Zerschlagung kommt und das Inventar verkauft werden muss. „Es braucht schon viel Expertise und Erfahrung, um die Werte korrekt zu schätzen“, sagt Schwarzfischer, zumal die Waren aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen.
Mit der Inventarliste, die bei größeren Unternehmen mit mehreren Standorten schon einige hundert Seiten umfassen kann, geht es dann zum Insolvenzverwalter. Dass die Zahlen stimmen, sei enorm wichtig: „Für mögliche Investoren oder die Gläubiger ist es entscheidend, zu wissen, was da ist und wie viel es wert ist.“
Sehr wichtige Gutachten
Es gelte trotzdem, die Expertisen so schnell wie möglich zu liefern, sagt Schwarzfischer: „Es hängen oft viele Arbeitsplätze daran. Da will man nicht schuld sein, wenn etwas nicht klappt, nur weil die Unterlagen zu spät eingegangen sind.“ Bei Großaufträgen seien daher Überstunden keine Seltenheit.
Einen Auftrag ablehnen, weil ohnehin schon die Kapazitäten erfüllt sind, kann Schwarzfischer übrigens nicht: „Wenn der Auftrag kommt, muss er auch angenommen werden.“ Deshalb arbeitet er aber auch nur noch in Ausnahmefällen mit neuen Insolvenzverwaltern zusammen und beschränkt sich auf Bayern und Hessen, „sonst bleibt zu viel Zeit auf der Straße“.
Wird ein Investor gefunden, ist der Fall für Schwarzfischer erledigt. Wenn nicht, geht es an die Zerschlagung, dann gilt es, für die Waren Käufer zu finden, die noch möglichst viel bezahlen, damit die Gläubiger des insolventen Unternehmens so gut es geht bedient werden können.
„Die Arbeit ist abwechslungsreich, und sie wird uns auch in Zukunft nicht ausgehen“, ist sich Schwarzfischer sicher: „Es geraten viel mehr Unternehmen in finanzielle Schieflagen, als man denkt.“