Spritzguss-Spezialist RKT investiert 30 Millionen Euro in Erweiterung: „Klares Bekenntnis zum Standort Roding“

600 Millionen Kunststoffbauteile für Insulinnadeln jährlich, 128 Teile alle sechs Sekunden pro Maschine, eine Investitionssumme von etwa 30 Millionen Euro: Mit beeindruckenden Zahlen wurde am Freitagvormittag der Erweiterungsbau der Rodinger Kunststofftechnik (RKT) GmbH im Industriegebiet beim Bahnhof vorgestellt.
Lob vom Landrat
„Es ist sensationell, was hier geleistet wird, und zeigt wieder einmal, dass Firmen aus dem Landkreis auch auf dem Weltmarkt mithalten können“, lobte unter anderem Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Entwicklung des Unternehmens.
Der Großauftrag eines bekannten weltweit tätigen Pharmaunternehmens für die Produktion der Einzelkomponenten für die Fixierung der Nadelspitze von Insulinpens, der trotz anderer auch internationaler Bewerber an den Spritzguss-Spezialisten in Roding ging, machte die Erweiterung möglich und nötig, wie RKT-Geschäftsführer Stephan Schulak erläuterte. Der größte Einzelauftrag in der Firmengeschichte sei ein Grund zu feiern und ebenso quasi ein „vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“, denn im Juli feiert RKT das 50-jährige Bestehen.
Der Bau der neuen Produktionshallen sei auch die größte Investition des Unternehmens bisher und „ein klares Bekenntnis zum Standort Roding.“ Er dankte allen, die beteiligt waren, unter anderem der Baufirma Dankerl, für den großen Einsatz.
128 Teile in sechs Sekunden
„Wir haben in einem kurzen Zeitraum sehr viel erreicht, was nur mit einem starken Team möglich war“, unterstrich der Geschäftsführer und lobte dabei auch die Mitarbeiter. Vom Bauantrag bis zum Spatenstich für den knapp 3000 Quadratmeter großen Neubau verging nicht viel Zeit, auch durch Unterstützung von Stadt und Landratsamt. Ab Ende Februar soll in der neuen Halle produziert werden. Dort werden im Endausbau sechs neue Spritzgussmaschinen stehen, die jeweils pro Vorgang in sechs Sekunden 128 Bauteile auf einmal produzieren können. Dies sei auch nötig, um auf die geforderte Stückzahl kommen zu können. Mit dem Auftrag werde der Jahresumsatz des Unternehmens, der momentan im mittleren siebenstelligen Bereich liege, fast verdoppelt.
Technischer Leiter Josef Hofmann erläuterte, dass es unter anderem aufgrund der Steigerung der Baukosten und des schwierigen Untergrunds nicht einfach gewesen sei, den Zeitplan einzuhalten. Umso mehr freue er sich, dass die Produktion nun bald wie geplant anlaufen könne.
Dem energieintensiven Unternehmen sei Nachhaltigkeit enorm wichtig, betonte Hofmann. Mit der neuen Produktionskapazität steigt der Stromverbrauch von 6,5 auf etwa 8,5 Millionen Kilowattstunden jährlich. Trotzdem werde RKT weiter ausschließlich auf „grünen Strom“ setzen.
Nachhaltigkeit sehr wichtig
Auch in vielen anderen Bereichen versuche die Firma, nachhaltig zu wirtschaften. So werden etwa mit der Abwärme, die über die Spritzgussmaschinen erzeugt wird, die Gebäude beheizt, der Ölverbrauch sank dadurch quasi auf null. Ebenso wird weniger Energie zur Abkühlung des Prozesswassers benötigt, da dieses in einem integrierten Wasserspeicher, der bereits für die Sprinkleranlage eingebaut werden musste, gekühlt wird. Der Behälter, der das Wasser für die Sprinkleranlage bereithält, wird im hinteren Teil des Gebäudes positioniert, so dass das Wasser dort als Kühlwasser für die Spritzgusswerkzeuge genutzt wird und dafür nicht mehr so stark vor der Nutzung heruntergekühlt werden muss.
Innerhalb des Neubauprojekts habe der Fokus von Beginn an auf Energieeffizienz gelegen: Eine hohe Investitionssumme fließe in Produktionsmaschinen, Kälte- und Drucklufttechnik, die in Sachen Energieeffizienz auf dem neuesten Stand der Technik seien. Neben der neuen Produktionshalle entstanden unter anderem auch zwei elf Meter hohe Silos, in denen das Rohmaterial gelagert wird. 50 Tonnen der Granulat-Körnchen finden pro Silo Platz. Auch dürfen sich Mitarbeiter über neue Büros freuen, ebenso gibt es noch weitere freie Kapazitäten, falls die Produktion noch einmal erweitert werden sollte.
„Sind auf einem guten Weg“
„Wir sind auf einem sehr guten Weg“, befand Gesellschafter Markus Gebhardt. Wichtig sei es, Probleme anzupacken und mit allen Beteiligten im Dialog zu bleiben, sagte er. Auch gelte es, sich nicht zurückzulehnen, betonte Hofmann: „Wir müssen performen und die Kunden weiter zufriedenstellen, wie es uns bisher auch gelungen ist.“
Franz Löffler, der wie unter anderem auch Bürgermeisterin Alexandra Riedl am Rundgang durch den Neubau teilnahm, zeigte sich beeindruckt: „Es ist sensationell, was in der Kürze der Zeit geschaffen wurde.“ RKT sei ein Beispiel dafür, dass Unternehmen aus dem Landkreis auf dem Weltmarkt bestehen könnten. Er versprach, der Landkreis werde die Firma auch weiter unterstützen, so gut er könne.
Über das Unternehmen
Module und Komponenten für Medizin und Life-Science: Die Rodinger Kunststoff-Technik GmbH hat sich auf den Formenbau, den Kunststoffspritzguss und die Abfüllung und Montage von Komponenten und Modulen für die Medizin- und Life-Science-Industrie spezialisiert.
Komplette Wertschöpfungskette: Das Unternehmen realisiert die vollständige Wertschöpfungskette des Kunden von der Entwicklungsarbeit über den Werkzeugbau und die Kunststoffverarbeitung bis hin zu Montage, Logistik sowie Versand – unter Reinraumbedingungen der Klassen ISO 8 und ISO 7.
Heuer wird das 50-jährige Bestehen gefeiert: Gegründet 1974 feiert RKT 2024 das 50-jährige Betriebsjubiläum.
230 Mitarbeiter in Roding: Am Standort Roding arbeiten derzeit etwa 230 Mitarbeiter, inklusive 17 Auszubildenden, darunter sind auch dual Studierende.
