Geschäft hat sich ins Internet verlagert: Auktionshaus Schwarzfischer schließt

Das Auktionshaus Schwarzfischer an der Mitterdorfer Bahnhofstraße schließt bald seine Pforten. Das Geschäft laufe nur noch über das Internet, erläutert Inhaber und Geschäftsführer Richard Schwarzfischer den Grund.
Er habe sich schon seit einiger Zeit auf Insolvenzbetreuung spezialisiert, sagt Schwarzfischer weiter, dort habe er zur Zeit mehr Arbeit als je zuvor und sei voll ausgelastet.
Schon seit längerem wurde über eine Schließung des Auktionshauses in Mitterdorf und der Filiale in Teisnach (Landkreis Regen) nachgedacht, erklärt Schwarzfischer, es habe nun keinen Sinn mehr gemacht, weiter offen zu lassen.
Voraussichtlich bis Ende Januar läuft ein Ausverkauf, danach werden sich die Türen nicht mehr öffnen.
Das markante Gebäude will Schwarzfischer zum Teil selbst weiter nutzen, eine Vermietung von Teilbereichen sei aber denkbar: „Da muss man mal schauen, was sich ergibt“, sagt der Geschäftsführer.
Zeiten haben sich geändert
In den beiden Geschäften in Mitterdorf und Teisnach wurde Auktionsware angeboten, wenn nach der Insolvenz einer Firma kein neuer Investor gefunden werden konnte. Dieses „Sonderpostengeschäft“ sei eigentlich ein Nebeneffekt des Berufes, erzählt Schwarzfischer. Man habe die Insolvenzware erworben und dann auf die beiden Geschäfte in Roding und Teisnach verteilt, wo sie zu günstigen Preisen verkauft wurde.
Dazu gehörten vor allem Werkzeuge, Deko-Artikel, Textilien, Stoffe aller Art und Kurzwaren. Die Blütezeit erlebte dieser Handel nach der deutschen Wiedervereinigung in den 90er-Jahren, als in der ehemaligen DDR viele Produktionsbetriebe schließen mussten, weil keine Interessenten für die meist maroden Fabriken gefunden wurden.
Doch die Zeiten haben sich geändert. „Wir haben heute eine völlig andere Marktsituation, der stationäre Einzelhandel ist zum Scheitern verurteilt“, schildert Schwarzfischer. Ursache sei das Internet: Nicht nur der Endverbraucher kaufe auf diesem Weg, auch die Warenbestände der insolventen Firmen würden über das weltweite Netz ab dem jeweiligen Firmen-Standort verwertet und nicht mehr in die Geschäftsstellen geliefert.
Spezialisiert auf Insolvenzbetreuung
Früher sei es darum gegangen, die betroffenen Unternehmen möglichst schnell leer zu bekommen, die Waren wurden deshalb nach Roding und Teisnach gebracht. „Heute geht alles online, über das Internet kann ich jeden auf der Welt sofort erreichen“, erläutert Schwarzfischer.
So habe sich der öffentlich bestellte und vereidigte Auktionator schon seit langem auf Insolvenzbetreuung spezialisiert ist. Er erstellt Gutachten für den Insolvenzverwalter, der dann versucht, neue Investoren für die in Schieflage geratene Firma zu finden. Damit sei er derzeit voll ausgelastet, sagt Schwarzfischer, er betreue so viele Firmen wie noch nie.
Schon länger nachgedacht
Über die Aufgabe der Einzelhandelsgeschäfte an beiden Standorten habe man schon seit etwa zwei Jahren nachgedacht. Die aktuelle Entwicklung habe die Entscheidung beschleunigt: Sowohl Roding als auch Teisnach werden in den ersten Monaten des Jahres geschlossen. „Das ist einfach der Lauf der Zeit“, sagt Schwarzfischer.