Wann beendet die Stadt Regensburg den Riesen-Leerstand in der Daimlerstraße?

Im Regensburger Osten gehört der Stadt ein leerstehendes Ex-Bundeswehrgebäude mit sieben Etagen – das Sozialreferat könnte es gut brauchen für Menschen in Not. Ob und wann die Stadt es dafür nutzt, ist aber auch nach monatelanger Prüfung noch offen.
Sieben Stockwerke hoch ist das ehemalige Divisionsgebäude der Pionierkaserne im Osten, das der Stadt seit 2020 gehört – und das sie bislang nicht nutzt. Das Objekt in der Daimlerstraße ist der zweite große städtische Leerstand neben dem alten Rewag-Gebäude. Groß sind auch die Schwierigkeiten der Stadt, das Haus zügig mit Leben zu füllen. Seit etlichen Monaten prüft sie den Plan, dort ein Flexi-Heim für Menschen in Not einzurichten – und speckt diesen gerade aus Kostengründen wieder ab.
Das Flexi-Haus ist ein Element des Plans von Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein, Obdachlose dezentral unterzubringen. Es stünde aber auch anderen Menschen offen, „die aus Notlagen heraus kurzfristig untergebracht werden müssen“, so beschreibt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra die Zielgruppe. Doch die geschätzten Kosten für die Umsetzung des Konzepts in der Daimlerstraße beliefen sich zwischenzeitlich auf sieben Millionen Euro plus 3,75 Millionen Euro Index- und Risikokosten, mit denen unvorhersehbare Risiken und steigende Baupreise abgebildet werden. Die Sanierung ab 2025 hätte damit ein Vielfaches des Kaufpreises von circa 1,8 Millionen Euro gekostet. Inzwischen, so die Sprecherin, würden die Pläne „überarbeitet, um den finanziellen und baulichen Aufwand zu reduzieren“.
Stadt Regensburg bekam Rabatt beim Gebäudekauf
Die Stadt erwarb das Gebäude 2020 zum vergünstigten Preis von 1,43 Millionen Euro vom Bund, damals war eine Verwendung als Verwaltungsgebäude mit einer Nutzfläche von 2700 Quadratmetern angedacht. 2022 beschloss jedoch der Stadtrat die Rückzahlung des an eine Nutzung binnen fünf Jahren gekoppelten Rabatts von 350.000 Euro. Im Juli 2023 erklärte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) im Grundstücksausschuss des Stadtrats, für die Verwaltung sei das Ganze zu klein. Es sei die Strategie der Stadt, alle Bundeswehrliegenschaften zu erwerben, sagte sie.
Bereits seit März 2023 war bekannt, dass das Sozialreferat eine Nutzung als Flexi-Heim prüfen ließ. Zehn Monate später ist der Ausgang immer noch offen. „Sollte sich diese Möglichkeit zerschlagen, werden in einem nächsten Schritt weitere Nutzungsmöglichkeiten geprüft“, sagt Stadtsprecherin von Roenne-Styra, die gleichzeitig versichert, das Sozialreferat verfolge das Projekt „mit Nachdruck“. Derzeit gebe es Überlegungen, nur das Erdgeschoss, das erste Obergeschoss und eventuell das zweite Obergeschoss zu sanieren.
Sozial-Bürgermeisterin Freudenstein sagt im Hinblick darauf: „Ich nehme alles.“ Eine Sanierung für mehr als zehn Millionen Euro unter Anwendung hoher Klimaschutz-Standards hält sie nicht für angemessen. Schließlich blieben die Menschen nur für begrenzte Zeit im Flex-Haus. Das Sozialreferat benötige laufend Räume: ob als Schlafstätte für Obdachlose, für die andere Angebote nicht in Frage kommen, weil sie nur mit einem Einzelzimmer zurechtkommen, oder für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie kamen etwa im Winter vor einem Jahr in so großer Zahl nach Regensburg, dass die Stadt sie in einer Freizeitstätte am Stadtrand einquartierte. In der Regel bleiben sie ein paar Wochen.
CSU-Fraktionschef Michael Lehner sagt, zwar betrachte er die Strategie, alle ehemaligen Bundeswehrgebäude zu kaufen, kritisch, im Fall des Flexi-Heimes gelte allerdings: „Wir brauchen das Ding. Wir schauen, dass wir es möglichst schnell und kosteneffizient machen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Burger sieht das Sozialreferat federführend in der Verantwortung, „zeitnah zu einer gangbaren Lösung zu kommen“. „Das ist nach dem Chancenhaus für Familien die nächste Maßnahme, die man stringent verfolgen muss.“
Opposition kritisiert Umsetzung des Obdachlosen-Konzepts
Seitens der Opposition findet Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet den langen Leerstand „bitter“ und übt Grundsatzkritik an der Umsetzung des Obdachlosenkonzepts. „Das Konzept der Dezentralisierung stellt sich immer mehr als Luftnummer heraus.“ Mit Ausnahme des Chancenhauses gehe nichts voran, es fehle wohl an Geld und Immobilien. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs hält sowohl den Kauf des Gebäudes in der Daimlerstraße für sinnvoll als auch den Flexi-Heim-Plan. „Aber jetzt muss auch was passieren.“
Freudenstein sagt, bei der Umsetzung des Obdachlosenkonzepts – beschlossen wurde es im Mai 2022 – gebe es große Fortschritte. „Es geht sehr schnell vorwärts.“ Um das Haus im Osten habe sich ihr Referat aktiv bemüht.
Obdachlose in Regensburg
Zahlen: In den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt sind derzeit der Pressestelle zufolge circa 70 Obdachlose untergebracht, in der Aussiger Straße, wo viele Familien leben, gut 150 Personen. Rund 15 Menschen schliefen auch bei Kälte draußen.
Konzept: Die Stadt setzt künftig auf dezentrale Unterkünfte, etwa für Familien, für Frauen und für „nicht Integrierbare“, für die die Daimlerstraße eine Anlaufstelle sein könnte.
