Eltern-Kind-Gruppe aus Steinberg am See sucht neues Domizil: Wer kann helfen?

Seit 33 Jahren gibt es in Steinberg am See Eltern-Kind-Gruppen (EKG). Das ist rekordverdächtig im Landkreis Schwandorf. Doch jetzt steht die Institution vor einer ungewissen Zukunft. „Wenn wir keinen neuen Raum finden, ist die Ära der Eltern-Kind-Gruppe vorbei“, bringt es die Leiterin Anneliese Weber auf den Punkt.
Ende März muss das jetzige Domizil im Erdgeschoss der Grundschule geräumt sein. Eine Nachfolgelösung ist bislang nicht gefunden. Deshalb wenden sich die Eltern und die Leiterin mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit.
Immer montags von 15 bis 17Uhr kommen aktuell zehn Mütter mit ihren Kindern unter Leitung von Anneliese Weber im liebevoll gestalteten Gruppenraum in der Grundschule zusammen. Die gelernte Kinderkrankenschwester hat vor 33 Jahren, nachdem sie eine Ausbildung zur Eltern-Kind-Gruppenleiterin absolviert hatte, die Treffen ins Leben gerufen. Zu Hoch-Zeiten gab es vier Gruppen gleichzeitig. Aktuell nur noch eine – aber eine lange Warteliste. Das Interesse der vielen jungen Eltern in Steinberg am See und darüber hinaus ist groß.
Stunden bieten Gelegenheit zum Austausch für die Eltern von kleinen Kindern
Von Anfang an war Anneliese Weber vom Konzept der Eltern-Kind-Gruppen überzeugt. Sie sind – in der Trägerschaft der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) ein Treffpunkt für Mütter und Väter mit Kindern bis etwa drei Jahren bzw. bis sie in die Krippe oder den Kindergarten kommen. Die regelmäßigen Stunden bieten Gelegenheit zum Gespräch und zum Austausch für die Eltern, gemeinsames Spiel von Kindern und Eltern sowie freies Spiel für die Kinder. Die Selbstständigkeit wird ebenso gefördert wie Sprachentwicklung, Feinmotorik oder Freude an der Bewegung, der Übergang in eine Kita erleichtert, Groß und Klein können soziale Kontakte knüpfen.
Wie wertvoll die Treffen der Eltern-Kind-Gruppen sind, unterstreichen Jana Kimmerl und Christina Kammerl. Die jungen Mütter betonen im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung – stellvertretend für die übrigen Eltern – wie sehr man hoffe, eine Lösung zu finden. „Die Eltern-Kind-Gruppe ist ein Mehrwert für Eltern und Kinder“, sagt Jana Kimmerl.
Dabei mussten die EKG schon mehrmals umziehen. Zunächst war ihr Domizil im Pfarrheim. Als es dort Platzprobleme gab, sprang die Gemeinde in die Bresche und stellte einen Raum im Keller der Schule zur Verfügung. Von dort ging es nach einem Wasserschaden zunächst in die Aula einen Stock höher, ehe man in einem ehemaligen Klassenzimmer eine Heimat fand. Dieses haben die Eltern selbst gestaltet. Es ist ein heller, freundlicher, bunter Raum. Es gibt kleine Stühle in Blau und Rot an einem kleinen Tisch. Außerdem ein Bällebad, bunte Hüpfpferde oder Rutschfahrzeuge aus Holz. Die Ausstattung ist vielfältig und hochwertig.
Ab dem Schuljahr 2024/25 gibt es wieder vier Klassen – und damit fällt der Platz für die Eltern-Kind-Gruppe weg
Dass auch das Klassenzimmer der Grundschule – je nach Entwicklung der Schülerzahlen – keine Lösung auf Dauer sein könnte, war von Anfang an klar. Und ab September 2024 tritt der Fall ein, dass der Raum als Klassenzimmer genutzt wird. „Ab dem Schuljahr 2024/25 gibt es wieder vier Klassen in Steinberg“, erklärt Bürgermeister Harald Bemmerl (SPD). Die Grundschule verfüge insgesamt über sechs Räume, aktuell werden drei als Klassenzimmer, einer als Werkraum, einer für die Offene Ganztagsschule und eben einer durch die Eltern-Kind-Gruppen genutzt.
Anneliese Weber und die Eltern gingen zunächst davon aus, dass sie den jetzigen Raum noch bis zum Sommer nutzen können. Das hätte ihnen der Bürgermeister zugesagt. Jetzt sollen sie mit Verweis auf notwendige Renovierungsarbeiten schon Ende März ausziehen. Und sie hofften, wieder in das frühere Zimmer im Keller der Schule ziehen zu können. Doch zu dieser Überlegung gab es eine Absage von Bemmerl. Der Kellerraum sei „sehr feucht“ und seiner Meinung nach nicht geeignet, so der Bürgermeister auf Nachfrage.
Das können die Mütter und Anneliese Weber nicht nachvollziehen. Ihres Wissens werde der Raum im Keller auch gelegentlich für andere Treffen oder Angebote genutzt. Sie seien auch bereit, ihr Mobiliar und die Spielzeuge dafür beiseite zu räumen. Der Raum habe einen eigenen Zugang und man würde den Schulbetrieb nicht stören.
Bemmerl bedauerte, dass es aktuell keinen Platz für die Eltern-Kind-Gruppen gebe, einen solchen zur Verfügung zu stellen, sei aber nicht Aufgabe der Kommune. Er habe auch Rücksprache mit dem Träger KEB genommen. Die meisten Eltern-Kind-Gruppen seien in Pfarrheimen untergebracht, deshalb habe er Anneliese Weber darauf hingewiesen, mit der Pfarrei Kontakt aufzunehmen. Das hat sie auch getan. Aber das Pfarrheim, das dringend saniert werden müsse, sei nicht geeignet, sind sich die Mütter und die Leiterin einig. Das Pfarrhaus stehe zwar aktuell leer, sei aber wohl auch keine Alternative.
Eltern haben einen Brief an Bürgermeister Bemmerl geschrieben
Im November 2023 haben sich die Eltern mit einem Schreiben an Bürgermeister Bemmerl gewandt. „Betreff: Zukunft der Eltern-Kind-Gruppe“. Darin heißt es unter anderem: „Die Gemeinde Steinberg wirbt damit, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein und sprach in der Vergangenheit und auch jetzt insbesondere junge Familien an, sich in Steinberg niederzulassen. Dass nun die Eltern-Kind-Gruppe bei ihrem Anliegen nicht mehr unterstützt wird, obwohl ein hoher Bedarf (lange Warteliste) besteht, ist vor diesem Hintergrund nicht zu verstehen. Sie bietet als Ergänzung zum Kindergarten und der Kita den Eltern eine bessere Möglichkeit, sich kennenzulernen.“
„Wir verstehen nicht, warum wir keine Hilfe von der Gemeinde erhalten“, sagt Christina Kammerl. Man habe schon selbst hin und her überlegt und nach Alternativen gesucht. In der Nachbargemeinde Wackersdorf könnte man wohl einen Raum im Mehrgenerationenhaus für die Treffen nutzen, aber es gebe keine Möglichkeit, Mobiliar und Spielzeug dort zu lagern.
„Am schönsten wäre es, wenn wir in Steinberg am See noch etwas finden, auf das wir selbst noch nicht gekommen sind“, so die Hoffnung von Christina Kammerl. Die Eltern und Anneliese Weber hoffen, dass jemand einen Raum unentgeltlich zur Verfügung stellen kann. Idealerweise können Mobiliar und Spielsachen dort stehen bleiben, möglich wäre es aber auch, sie bis zum nächsten Treffen in einem Nebenraum zu verstauen. „Wir sind bereit, Einbußen in Kauf zu nehmen, Spielzeug und Ausstattung zu reduzieren. Aber wir sind doch alle Steinberger, wir wollen am liebsten hier am Ort bleiben.“
Wer kann helfen?
Suche: Die Eltern-Kind-Gruppe Steinberg am See braucht dringend einen Raum, wo sich ab April die zehn Mütter mit ihren Kindern und der Leiterin wöchentlich treffen können.
Kontakt: Wer helfen kann, soll sich bei Leiterin Anneliese Weber, Telefonnummer (09431) 51442, melden.
