Neumarkter Expertin erklärt: So gelingt es, Kinder liebevoll zu erziehen – trotz Stress im Alltag

Liebevoll erziehen – das klingt so schön, das wollen alle Eltern. Die Neumarkterin Claudia von Stromberg erklärt in ihrem neuen Buch, warum dafür ein Blick in die eigene Kindheit so wichtig ist.
Wenn man in eine Buchhandlung geht, findet man dort unzählige Ratgeber – auch für Eltern. Warum noch eines?
Es gibt unzählige Ratgeber, die man durchlesen kann. Das Problem ist dann aber die Umsetzung, die Frage: Passt das zu mir? Jeder tickt anders, jeder braucht etwas anderes. Wir müssen mehr auf auf unser eigenes Gefühl hören, weniger fremdgesteuert sein. Wenn mein Kind sich auf bestimmte Weise verhält und ich sage „Sei leise“, dann fragt das Kind: Warum? Oft ist die Antwort dann: „Weil man es nicht macht“. Dabei sollte man in sich hineinspüren, warum einen das Verhaltungen wirklich stört. Manchmal wird man feststellen, dass man eigentlich gar keinen Grund hat. Das Buch will ein Impulsgeber für Eltern sein.
Im ersten Teil geht es zurück in die eigene Kindheit. Warum ist es wichtig, auf die eigene Kindheit zurückzublicken?
Eltern erwarten von Kindern oft, dass sie verstehen müssen, dass sie sich auf bestimmte Art verhalten sollen. Dabei vergessen sie: Da steht ein kleines Kind. Wenn wir uns an unsere eigene Kindheit erinnern, stellen wir fest: Da habe ich auch nicht gleich so reagiert. Darum ist es unfassbar wichtig, auf die eigene Kindheit zu blicken. Da geht es zum Beispiel auch darum: Wie wichtig waren die Großeltern für mich? Dass man sich selbst erinnert: Wie cool war das, dass man bei den Großeltern zwei Stunden vorm Fernseher sitzen durfte. Das ist fast wie eine Therapie.
Was löst der Rückblick aus?
Du löst einen Prozess aus in dir, du hinterfragst. Und so kommt man dann so auf seine eigene Lösung. Das Buch ist nichts zum Durcharbeiten, man nimmt es immer mal wieder in die Hand und findet dort, was man in dem Moment braucht. Es werden immer die Themen auftauchen, die gerade präsent sind und einen bewegen.
Im zweiten Teil geht es um die Reise mit dem eigenen Kind.
Es geht darum, seinem Kind zu zeigen, dass es einzigartig und wertvoll ist. Wir sehen immer wieder Eltern, die vor allem die negativen Sachen sehen. Uns geht es darum, die Glücksmomente mit seinem Kind hervorzuheben. Wir wollen Impulse für positive Formulierungen geben. Etwa statt „nicht rennen“ zu sagen „Geh bitte langsam“.
Viele Eltern klagen über Erschöpfung und zu wenig Zeit für sich.
Ja, darum widmen wir den dritten Teil des Buchs der Zeit für Erholung und Regeneration – denn jeder braucht mal Ruhepausen. Hier geht es darum, wie man sich im Alltag erden und Kraft schöpfen kann. Das sind alles Sachen, die in drei bis fünf Minuten funktionieren – zum Beispiel Atem- und Bewusstseinsübungen, etwa ganz bewusst eine Tasse Tee zu trinken.
Ratschläge zur Erziehung und zur Entwicklung ihrer Kinder hören Eltern überall, ob sie wollen oder nicht – gerade auch online oder in Apps.
Ja, und das macht unsicher und sorgt für Druck – ein Beispiel ist das Thema Schlafen bei Kindern. Da wird solch ein Druck aufgebaut, den wiederum dann auch die Kinder spüren. Uns ist wichtig: Wir müssen wieder zurück zur Intuition.
Bedürfnisorientierte Erziehung ist für viele Eltern heute eine beliebte Form der Erziehung.
Das kann aber in die Hose gehen. Kinder brauchen Orientierung. Wir geben den Kindern natürlich Werte und Normen vor – sobald Eltern das nicht machen, übernehmen die Kinder diese Rolle. Das ist ein gruppendynamischer Prozess und das kann nicht funktionieren, da entsteht Chaos. Abgesehen davon geht es da ganz oft darum: Was ist das Bedürfnis des Kindes? Dabei sollte es auch darum gehen: Was ist das Bedürfnis der Mutter oder des Vaters? Eine Familie ist wie eine WG, in der jeder seinen Platz hat.
Ob Schreikrampf im Supermarkt oder das Kind, das heimlich an der Konsole zockt – nicht immer verhalten sich Kinder so, wie Eltern das gerne hätten.
Kinder testen ihre Grenzen, das ist normal, das ist Entwicklung. Bedenklich wäre es, wenn ein Kind das nicht tut, dann stimmt etwas nicht. Mit jedem Entwicklungsschritt überprüfen Kinder ihre Grenzen – dann müssen wir Eltern wieder Haltung annehmen. Diese Haltung ist die Orientierung für Kinder. Gerade in der Pubertät brauchen Kinder diese Orientierung, die gleichsam bedeutet: Die Eltern sind der Fels in der Brandung, ich kann mich auf sie verlassen, sie sind nicht wankelmütig. Wenn Eltern sich in ihrer Haltung sicher sind, halten sie auch Konflikte mit ihren Kindern aus. Wenn sie schon vorsichtshalber auf eine bestimmte Art handeln, weil das Kind sonst zum Beispiel schreien oder wütend sein könnte, geht das Kind die nächste Stufe und immer weiter.
Je älter Kinder werden, desto mehr werden Medien und Smartphones ein Thema.
Hier ist unser Tipp: Interessiere dich dafür, was dein Kind macht. Ob es Youtube-Videos oder Minecraft ist – man muss es selbst nicht gut finden, aber man ist im Gespräch mit dem Kind.
Wie ist es mit der Zeitbegrenzung?
Man vereinbart das gemeinsam, man geht in die Verhandlung mit seinem Kind – aber immer mit der Maßgabe: Ich weiß nicht, ob das so bleibt. Man sollte das Handy nicht als Belohnungssystem benutzen. Gut ist, dem Kind Verantwortung zu übertragen – etwa, dass es pro Woche so und so viel Zeit zur Verfügung bekommt und es egal ist, ob es diese Zeit auf einmal oder verteilt auf sieben Tage nimmt.
Eltern hören gerade aus der Großeltern-Generation durchaus, dass es früher doch auch ohne diese ganzen Ratgeber geklappt hat.
Früher lag der Fokus vor allem auf dem „Funktionieren“ der Kinder. Aber es geht nicht nur ums Funktionieren, wir brauchen kreative Köpfe und sollten daher die Kinder mit ins Boot nehmen. Wenn sich Großeltern mit dem Buch auseinandersetzen, werden sie auch darauf kommen, dass früher eben nicht alles geklappt hat, dass nicht alles richtig war, manches sogar richtig schlecht. Zum Beispiel, wenn einen der Vater übers Knie gelegt hat. Bestrafungen waren früher sehr präsent. Es geht nicht darum, jetzt alles in Watte zu packen,es geht um Wertschätzung und Verständnis. Dadurch werden Kinder selbstbewusst und sicher in dem Glauben, das bewerkstelligen zu können, was auf sie zukommt.
Das Buch:
Teamarbeit: Claudia und Max von Stromberg haben das Buch gemeinsam erarbeitet – die gelernte Erzieherin war für den Text zuständig, ihr Mann als Inhaber einer Filmproduktionsfirma für die Optik. Claudia von Stromberg war 30 Jahre lang Erzieherin und betreibt in Neumarkt die „Erziehungsbox plus“ für die Beratung bei Lern- und Verhaltensblockaden. Außerdem bietet sie Familiencoaching an.
Buch: Das Buch „Abenteuer Eltern – Deine Reise zur liebevollen Erziehung“ ist im Dezember erschienen, kostet 25,95 Euro und ist online bei gängigen Anbietern oder per Mail an info@erziehungsbox.de erhältlich. Es ist kein klassischer Ratgeber, sondern will Eltern dazu bewegen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nach „Gemo das Gefühlsmonsterchen und seine Freunde“ ist es das zweite Buch.