Nur 20 Minuten pro Tag: Expertin aus Freystadt gibt Tipps für ein ordentliches Zuhause

Na, auch den Vorsatz gefasst, es heuer mit der Ordnung besser hinzubekommen? Die gute Nachricht: Damit sind Sie nicht allein. Die noch bessere: Es gibt Hilfe. Karina Killinger aus Freystadt ist Aufräum- und Ordnungscoach – und verrät ein paar ganz einfache Tricks, wie man sein Zuhause in Ordnung bringt und hält.
„Ich krieg meine Sachen alleine nicht hin“: Wie viele Menschen schämen sich, Hilfe beim Aufräumen in Anspruch zu nehmen?
Karina Killinger: Viele Menschen, denen ich davon erzähle, sagen: Da könntest du gleich bei mir vorbeikommen. Tatsächlich ist man in Bayern aber bei diesem Thema noch zurückhaltender. Gerade weil es darum geht, dass man jemanden in seine Privatsphäre hereinlässt, ins eigene Haus. Ich sage aber immer: Auch ich hatte immer eine Unterstützung in Form einer Haushaltsfee. Und man muss klar sagen: Wenn man berufstätig ist: Wann soll man das alles schaffen?
Wer kommt zu Ihnen?
Karina Killinger: Das ist ganz unterschiedlich. Leute, die sagen, ich habe in meinem Büroschrank seit zweieinhalb Jahren nichts mehr abgeheftet. Oder jemand, der von einem Haus in eine Wohnung zieht und total erdrückt ist von allem. Ich habe auch einer älteren Frau geholfen, die sich nicht von den Sachen ihres verstorbenen Manns trennen konnte.
Sich von Dingen zu trennen fällt oft schwer
Wie gehen Sie vor?
Karina Killinger: Wir schauen uns die Sachen an und gehen sie durch. Wir ordnen: Was kann gleich weg? Was spenden oder verkaufen wir? Und was überlegen wir uns nochmal? Wenn wir erstmal angefangen haben, fällt es den meisten Menschen leichter, sich zu trennen. Auch hilft vielen der externe Blick. Dann kann man auch sagen: Jetzt haben wir es hier so schön, da passen die Hummel-Figuren auch nicht mehr unbedingt hin. Leichter ist es natürlich, zusammengewürfelte Gläser auszusortieren, schwerer bei Dingen, an denen Emotionen hängen. Oft hilft es, ein Foto von Sachen zu machen, ehe man sie weggibt – gerade wenn es darum geht, das Elternhaus auszuräumen. Oft ist es sehr belastend für die Angehörigen, sich dem Hausstand widmen zu müssen, daher wäre es wichtig, dass sich Senioren rechtzeitig kümmern und ihren Angehörigen das mitgeben, was ihnen wichtig ist.
Ordnung in der Küche ist für viele auch so ein Thema.
Karina Killinger: Manche Coaches sagen, dass man am besten alles schön in Behälter füllen oder labeln sollte. Mir geht es nicht um das i-Tüpfelchen oder dass es nach außen schön aussieht. Die größten Fehler in der Küche sind: Die Wege sind zu kompliziert und es steht zu viel herum. Außerdem kommt es oft vor, dass abgelaufene Sachen nach hinten geschoben werden – daher sollte man regelmäßig alles durchschauen und sortieren. Sinn macht es auch, Geschirr in der Nähe des Geschirrspülers aufzubewahren, um möglichst kurze Wege zu haben. Und wenn jemand fünf Suppenschöpfer und jede Menge Teigschaber hat, kann man da auch viel aussortieren. Im Kühlschrank gilt es, die Klimazonen richtig zu nutzen und alle ein, zwei Monate mit Essig- oder Zitronenwasser auszuwischen, denn gerade im Kühlschrank tummeln sich die Bakterien.
Keller alle drei Monate durchforsten
Was sorgt für mehr Ordnung im Keller?
Karina Killinger: Am besten keinen bauen. Ansonsten alle Vierteljahr durchschauen: Was kann weg? Zum Beispiel Kinderklamotten, die nicht mehr passen und in den Keller gewandert sind.
Wie ist Ihr Kleiderschrank sortiert?
Karina Killinger: Nicht nach Farben. Mir reicht es, wenn alle Pullis, alle Shirts, alle Hemden an einem Ort sind. Mir geht es gerade bei Kleidern auch darum, ein Umdenken mit den Kunden anzustreben. Mehr Qualität, vielleicht sogar regional, weniger Fast Fashion. Es ist auch eine Befreiung, wenn man merkt, dass mehr Luft im Schrank ist. Generell gilt: Bevor etwas Neues reinkommt etwas Altes aussortieren.
Kinderzimmer oftmals die größten Problemräume
Welches ist der größte Problemraum in einem Haus?
Karina Killinger: Oft sind die Kinderzimmer ein Problem, weil Kinder nicht wieder aufräumen. Was hilft, sind größere Kisten und einen Platz für alles zu suchen. Einmal pro Woche wird dann alles dorthin zurückgelegt. Wir gehen mit unserer Tochter alle zwei Monate das Zimmer zusammen durch, denn Kinder sollen das ja auch für später mitnehmen. Wenn keine Zeit ist, sollte alles in eine Kiste – am besten eine transparente – gepackt und dann bei Gelegenheit aussortiert werden.
Gerade wenn es um Bilder von Kindern geht, die sie tonnenweise aus dem Kindergarten mitbringen: Was tun damit?
Karina Killinger: Ich hebe nicht jeden gemalten Tiger auf. Ich nehme das und werfe es direkt weg. Oder es wird kurz aufgehängt und kommt dann weg. Natürlich: Manche besondere Sachen hebe ich auf, aber vieles kommt weg. Manchmal hilft auch etwas zeitlicher Abstand.
Wie hält man grundsätzlich im Alltag am leichtesten Ordnung?
Karina Killinger: Man nimmt sich jeden Tag etwas Zeit. Jeden Tag 20 Minuten, das ist nicht viel, hilft aber viel. Außerdem sollte man Sachen gleich an ihren Platz räumen, sonst muss man sie zweimal in die Hand nehmen. Und nie ohne leere Hände einen Weg gehen. Natürlich braucht man Disziplin, aber wenn man Kinder und eine Familie zu organisieren hat, braucht man die ohnehin. Bei mir ist übrigens Feierabend auch wirklich Feierabend. Ich lasse abends die Decke auf der Couch liegen und das Glas stehen, aber in der Früh wird alles aufgeräumt. Ich bin immer ein bisschen dran, denn ich will am Samstag nicht das ganze Haus aufräumen, sondern Zeit mit der Familie verbringen. Wer Ordnung hält, braucht weniger Zeit zum Aufräumen und Putzen.
Apropos Familie – oft bleibt das mit der Ordnung ja an den Frauen hängen.
Karina Killinger: Trotzdem wir in einer modernen Gesellschaft leben, managen Frauen noch hauptsächlich alles zu Hause. Aber natürlich darf die Arbeit nicht an einer Person hängen bleiben, jeder sollte seine Aufgaben haben, alle in der Familie zusammenhelfen.
Wann fängt man mit dem Ausmisten am besten an?
Karina Killinger: An einem Tag, an dem das Bauchgefühl sagt: Heute bin ich entscheidungsfreudig. Und man sollte dort anfangen, wo es am meisten weh tut – dann aber nur auf diesen einen Raum konzentrieren, der einem am wichtigsten ist. Man sollte sich nicht überfordern und die Ziele nicht zu hoch stecken. Oft kann man nicht alles auf einmal schaffen.
Warum sind aufgeräumte Räume wichtig?
Karina Killinger: Sie bewirken eine positive Veränderung im Leben, können Stress reduzieren und eine entspannte und produktive Umgebung schaffen.
Zur Person:
Ausbildung: Karina Killinger ist eigentlich gelernte Bürokauffrau – das reichte ihr aber nicht und sie machte zusätzlich eine Ausbildung zur geprüften Hauswirtschaftsmeisterin. Das liegt womöglich in der Familie: Auch ihre Mutter – die Eltern betreiben eine Landwirtschaft – ist Hauswirtschaftsmeisterin.
Agentur: In ihrer Elternzeit machte sie sich im Jahr 2021 nebenberuflich selbstständig und gründete die Agentur „Aufwind – Ordnung und Struktur in deinen vier Wänden“. Als Aufräum- und Ordnungscoach ist Killinger im Raum Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt und München unterwegs.
Kosten: Eine individuelle Einzelstunde kostet 70 Euro, bei drei Stunden sind es 195 Euro. Sechs Stunden, verteilt auf zwei Tage, kosten 390 Euro. Bei neun Stunden, verteilt auf drei Termine, sind es 585 Euro.
Kontakt: karina@aufwind-killinger.de, (0151) 40175243.