DLRG gibt Tipps: Vorsicht vor dem trügerischen Eis auf Gewässern in Neumarkt

Auf dem Schlossweiher in Neumarkt ist Eis zu sehen. Alois Frank beobachtet es genau. Es könnte schließlich sein, dass er hier zu Hilfe gerufen wird. Frank ist Einsatzleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Er warnt davor, aktuell Eis auf Gewässern in Neumarkt und dem Landkreis zu betreten. Und hat Tipps für den Ernstfall, die mitunter das Gegenteil raten, was man denken würde.
Auf rund vier Zentimeter schätzt er beispielsweise am Donnerstag die Dicke des Eises an manchen Stellen auf dem Schlossweiher. „Dafür hat es gut eine Woche gebraucht, obwohl es knackig kalt war“, sagt Frank. Er schätzt, dass es nochmals eine Woche bräuchte, bis das Eis eine Stärke hätte, um mehrere Menschen sicher zu tragen. 15 Zentimeter ist eine Richtmarke. Ob diese Dicke erreicht wird? Kommende Woche sollen die Temperaturen tagsüber ins Plus klettern.
Grundsätzlich ist es nicht einfach, einzuschätzen, ob das Eis trägt oder nicht. Dessen Dicke zu messen, ist nicht einfach und meist gibt es auch keine Behörde, die das für einen macht. Für den Spaß auf dem Eis braucht es Umsicht und mehr Wissen als man denkt.
15 Zentimeter sollte das Eis dick sein
Wenn man sich schon aufs Eis wagt, dann sollte man die Sinne offenhalten, rät Frank. Knistern und Risse deuten an, dass das Eis brechen kann. Dann gilt es nicht zurückzurennen. Das erhöht nur den Druck auf das Eis und beschleunigt, dass es bricht. Stattdessen geht es darum, sein Gewicht möglichst zu verteilen und damit den Druck aufs Eis. Hinlegen und robben, lautet der Ratschlag des DLRG-Retters.
Auch gilt es zu beachten, dass Eis nicht überall gleich dick ist. Deshalb sollte man Stellen meiden, an denen Wasser fließt oder Pflanzen wachsen. Hier ist das Eis dünner. Das Eis auf fließenden Gewässer sollte man gar nicht betreten. Beim Einbrechen kann man unter das Eis gezogen werden.
Und so bleibt vor allem eines: Vorsicht. Im Zweifel lieber den Fuß nicht aufs Eis setzen – und schon gar nicht ohne, dass andere Menschen einen im Blick haben. Andernfalls kann das schnell böse enden. Erstaunlich schnell sogar. „So ab drei Minuten wird es schwierig“, sagt Alois Frank. Dann führt die Kälte dazu, dass die Muskeln zunehmend starr werden.
Wer ins Eis bricht, sollte es wie die Robben machen
Es geht um Minuten. Idealerweise rettet man sich daher selbst aus dem Wasser. Doch das kann nicht so einfach sein: Wer tief im Wasser steckt, sollte nicht versuchen, sich mit den beiden Händen abstützend die Eiskante hoch zu wuchten, erklärt Frank. Es gilt wie generell, möglichst den Druck zu verteilen. „Man sollte es wie die Robben machen“, sagt der Retter. Sich also seitwärts mit Beinen und Armen aus dem Wasser rollen. Gelingt dies, gilt es auch danach möglichst flach über das Eis zu robben. Nicht laufen!
Übers Eis laufen sollten auch jene nicht, die einen Eingebrochenen retten wollen. Erste Maßnahme: 112 rufen. Anschließend sich nicht selbst in Gefahr bringen. Idealerweise nutzt man eine Leiter oder anderes flächiges Hilfsmaterial, um den Druck zu verteilen. Zur Not tut es auch eine Menschenkette, bei der man sich gegenseitig sichert. Dem zu Rettenden sollte man auf dem letzten Meter ein Seil, eine Jacke oder einen Schal zuwerfen. Die Bruchkante sollten die Retter meiden, da sie brüchig ist.
Aus Eis Gerettete nicht warmreiben
Ist der Gerettete an Land gilt es weiter aufmerksam zu bleiben: Man kann als Retter einiges falsch machen. Der unterkühlte Mensch sollte sich möglichst nicht zu viel selbst bewegen. Auch das heftige Reiben, um Wärme zu erzeugen, ist aus dem gleichen Grund schlecht.
Der Körper schützt lebenswichtige Organe vor zu schnell fließendem kalten Blut aus den Gliedmaßen. Wird dieser Mechanismus aufgehoben drohen dem Herzen Rhythmusstörungen oder gar der Stillstand. Deshalb auch keinen Alkohol oder Kaffee geben, rät Frank. Stattdessen sollte man den Geretteten in eine Decke hüllen und im Warmen neu einkleiden. Wer kaum mehr ansprechbar ist, den bringt man bis zum Eintreffen der Rettungskräfte in eine stabile Seitenlage.
Fazit: Der beste Schutz ist, erst gar nicht einzubrechen.
