Überraschung in Bad Kötzting: Altes Parkhaus fast gar nicht belastet

Von Stefan Weber · 22. Januar 2024 um 17:00

Anfang Dezember rückten die Spezialisten der IHM Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Geotechnik aus Hengersberg am Parkhaus in Bad Kötzting an – schon zum zweiten Mal, denn die Firma hatte auch schon ein erstes Bodengutachten erstellt. Dieses Mal ging es aber darum, wie hoch belastet das Bauwerk ist und wie teuer entsprechend der Abbruch werden würde. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Die sind alles andere als erwartet, sagt Christian Hartl von der IHM im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Parkhaus selbst ist überraschenderweise unbelastet“, sagt er. Dabei sei es rund um das Baujahr 1978 durchaus noch üblich gewesen, in Abdichtungsbahnen Asbest und polychlorierte Biphenyle (PCB) zu verwenden, was heute gesondert entsorgt werden müsste.

Was schlummert in Inneren?

Um herauszufinden, welche belasteten Materialen wirklich beim Bau des Parkhauses verwendet worden sind, wurde gebohrt, und zwar reichlich. Die Proben gingen anschließend in eine Labor, das nun die Ergebnisse vorgelegt hat. Anhand derer kann Hartl schon heute sagen, dass vom Parkhaus nach dem Abbruch „ungefähr ein Eimer Material“ übrigbleiben wird, der separat entsorgt werden müsse. Der Inhalt des Gefäßes werde wohl von einem Teil der Einfahrt ins Parkhaus stammen, der allerdings erst nachträglich mit Bitumen erneuert worden sei, also nicht aus der Zeit des damaligen Neubaues stamme.

Der sei eben auffallend wertig und ohne den Einsatz der zur damaligen Zeit wesentlich günstigeren Materialen gebaut worden. Das habe heute den Vorteil, dass sich die Wiederverwendung lohne. Heißt: Im besten Fall könne der Bauschutt vor Ort gebrochen und als Füllmaterial etwa für Baugruben und Fundamente genutzt werden.

So gut die Nachrichten aber auch im Bezug auf das Parkhaus seien, so erwartbar schlechter seien die mit Blick auf die beiden Nachbargebäude 9 und 9a. Das Wohn- und Geschäftshaus hatte die Stadt erworben, um mehr Platz für das Parkhaus und die umliegenden Flächen zur Gestaltung zu haben. Im Vergleich zu einem Parkhaus sei ein Wohnhaus immer wesentlich komplexer im Abbruch, was vor allem daran liege, dass sich in ihnen viel mehr Dämmmaterial befinde. Neben Asbest und PCB seien auch polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Eternit gefunden worden, sagt Hartl.

Alles Stoffe, wie sie typisch für die Bauzeit beziehungsweise die Jahre in den 1970ern seien, in denen umgebaut und erweitert worden sei. Belastete Stoffe seien aber nicht nur ein Phänomen dieser Jahre, sondern kämen auch in älteren Gebäuden vor. So etwa in Form von Schlacke, die als Abfallprodukt aus Hochöfen auch in früheren Jahrzehnten günstig zu haben gewesen sei und ihren Weg in Fehlböden zur Dämmung gefunden habe. Auch Die müsse heute aufwendig entsorgt werden.

Aufwendige Entsorgung

Aufwendig bedeute, dass die Räume vor dem Abbruch entkernt werden müssten, wofür die wiederum erst einmal abgedichtet werden müssten. Dazu brauche es besondere Schutzkleidung für die Mitarbeiter, die außerdem viel Arbeit von Hand würden erledigen müssen. Insgesamt bewegten sich die Ergebnisse der Untersuchungen im Rahmen dessen, was erwartet worden sei, sagt Stadtbauamtsleiter Christian Kopf – außer eben, dass das Parkhaus selbst auffallend unbelastet sei.

Was das für die Kosten des Abbruchs bedeutet, das steht im Moment noch nicht konkret fest. Wie Christian Hartl sagt, könne es Ende Februar an die Ausschreibung gehen, wonach Angebote eingeholt werden könnten. Wenn alles nach Plan laufe, dann könne er sich vorstellen, dass schon im April mit dem Abbruch begonnen werde und somit der „Startschuss“ für das 13-Millionen-Euro-Projekt neues Parkhaus mit Bibliothek in der Innenstadt von Bad Kötzting fallen könnte.

Die Untersuchung

Vorgehen: Um in das Innere von Wänden und Böden schauen zu können, wurde ein sogenanntes Nass-Kernbohrgerät eingesetzt. Der Bohrkern hat einen Durchmesser von 100 Millimetern und enthält, nachdem er etwa durch die Decke getrieben wurde, in sich alle Schichten des Bodens.

Aufwand: Eine Woche lang wurden etwa 150 solcher Löcher in die drei Gebäude Parkhaus und die Häuser 9 und 9a gebohrt.

Die Wohngebäude bargen Schadstoffe.