150 „Löcher der Erkenntnis“ im alten Parkhaus in Bad Kötzting

Es sind spannende Tage, die vor dem Großprojekt neues Parkhaus in der Innenstadt liegen. Rund 13 Millionen Euro soll das kosten – wobei die Preise zwar gerade für den Neubau in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind – doch noch weiß die Stadt noch gar nicht, was der Abriss kosten wird.
Genau das ist die Frage, die Christian Hartl und seine Mitarbeiter von der IMH Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Geotechnik in Hengersberg seit Mittwoch lösen wollen. Die Firma war schon zweimal vor Ort, als es darum ging, die Beschaffenheit des Bodens zu bestimmen. Nun geht es an das – oder besser gesagt die – Gebäude. Denn neben dem eigentlichen Parkhaus, das abgerissen werden muss, ist die Stadt ja auch im Besitz eines an der Gehringstraße stehenden Wohnhauses, das an das Parkhaus anschließt.
Baujahr 1978/79
Das Parkhaus selbst wurde laut Bauplan in den Jahren 1978 und 1979 gebaut, wie Stadtbauamtsleiter anhand der Unterlagen im Rathaus ersehen kann. In den Unterlagen finden sich übrigens auch noch Pläne für eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes aus dem Jahr 1992, die aber nie realisiert wurden. Knackpunkt der aktuellen Untersuchung ist, herauszufinden, welche heute als bedenklich geltende Stoffe damals verbaut wurden.
Teer, PCB (Polychlorierte Biphenyle) und Asbest, das sind die teils giftigen und krebserregenden Stoffe, die nicht nur Kopf, sondern auch Hartl am Parkhaus vermuten. Alles Stoffe, die in ihrem aktuellen Zustand aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich seien, weiß Hartl: „Vorher ist alles gebunden, das Problem beginnt immer dann, wenn man etwas rausnimmt, dann werden zum Beispiel Fasern im Asbest lungengängig und sind dann schädlich.“ Im Parkhaus sei vor allem die Frage spannend, was als Isolierung zwischen Betondecke und Asphaltschicht eingebracht worden sei. Auch Fliesenfugen und der Putz könnten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit belastet sein und müssten somit gesondert auf einer Deponie entsorgt werden. Bevor die die Materialien überhaupt annehme, brauche es auch noch eine Untersuchung in einem Labor. Alles Dinge, die einen zügigen Bau bremsen könnten, sollten sie während des Abrisses auffallen.
Mit dem Bohrkern ins Labor
Um in das Innere von Wänden und Böden schauen zu können, kommt ein sogenanntes Nass-Kernbohrgerät zum Einsatz. Der Bohrkern hat einen Durchmesser von 100 Millimetern und enthält, nachdem er etwa durch die Decke getrieben wurde, in sich alle Schichten des Bodens. Nach der Untersuchung im Labor wissen die Fachleute also ganz genau, was sich darin befunden hat und wie viel die Entsorgung kosten wird. Rund 150 solcher Löcher wird die Firma in den kommenden Tagen bohren. Spannender als das Parkhaus sei aber wohl das Wohnhaus, schätzt Hartl. Das sei nicht nur älter, sondern es würden auch andere Stoffe, die etwa für eine Dämmung notwendig sind, verbaut, die es im Parkhaus gar nicht gebraucht habe. Noch einen Vorteil hat es, wenn alle Schadstoffe vom Schutt sauber getrennt werden können: Dann können Ziegel und Co. nämlich beim Neubau wieder Verwendung finden, was Ressourcen schone, so Hartl.
Der weitere Fahrplan
Bohrungen: Bis Montag sollen die Mitarbeiter der Firma IMH Hartl noch vor Ort sein, danach gehen die Ergebnisse ins Labor. Gleich zu Beginn des neuen Jahres könnten Ergebnisse vorliegen, damit bis zum geplanten Beginn der Abbrucharbeiten im April klar ist, welche belasteten Materialien verbaut wurden.
Abbruch: Wenn alles nach Plan läuft und ab Frühjahr das Parkhaus und das nebenstehende Wohnhaus, das ebenfalls durch die Stadt erworben wurde, abgebrochen werden können, wird es den ersten kurzen Baustopp an Pfingsten zum Pfingstritt geben – der ist übrigens auch im Jahr 2025 vorgesehen.


