Einzelhändler im Landkreis Cham äußern sich gegen reguläre Sonntagsöffnung

„Am siebten Tage sollst du ruhen“, heißt es schon im Alten Testament. An dieser scheinbaren Grundfeste rüttelte nun der MediaMarktSaturn-Geschäftsführer Karsten Wildberger. Der Chef der Ingolstädter Elektronikhandelskette wünschte sich in den Medien eine Aufweichung der gesetzlichen Sonntagsruhe. Die Einzelhändler im Landkreis Cham stehen diesem Vorschlag allerdings äußerst kritisch gegenüber.
Es gebe, wie Wildberger sagt, Kunden, die würden sehr gerne sonntags einkaufen gehen. „Ich würde mir in dieser Hinsicht mehr Freiheiten wünschen. Aber wir sollten das einfach mal ausprobieren und den Vorschlag nicht direkt wieder zerreden“, äußerte er sich in einem Bericht.
Im Landkreis Cham stößt die Idee vor allem auf Unverständnis. Helmut Hagner, Unternehmensleiter bei Frey, ist sich sicher: „Man löst damit keine Probleme, sondern schafft nur neue“.
Kunden verteilen sich
Damit meint er zum Beispiel den Fachkräftemangel. Ein zusätzlicher Arbeitstag wäre auch deswegen nicht leistbar. „Das können wir unseren Mitarbeitenden nicht zumuten“, sagt Hagner. Auch Franz Wanninger jun. von Möbel Wanninger kann die Idee nicht nachvollziehen. Denn eigentlich stehe ja gerade die Work-Life-Balance im Vordergrund. Und vor einiger Zeit habe man noch einen Green Monday diskutiert, an dem Geschäfte geschlossen bleiben, um Energie zu sparen. „Da stelle ich mir schon die Frage, woher so ein Vorschlag jetzt kommt“, sagt Wanninger. Er lehne die Idee deswegen kategorisch ab.
Dass der Einzelhandel und das Einkaufen damit belebt würden, daran glauben Unternehmer im Landkreis nicht. Josef Kappenberger von K+B Expert sagt: „Ich denke, das Geschäft würde sich nur verlaufen“. Der Umsatz verteile sich dann einfach auf sieben statt sechs Tage, ohne zu steigen, ist sich auch Katharina Gruber, Junior-Chefin beim Modehaus Gruber, sicher.
Verkaufsoffene Sonntage ausreichend
Für unrealistisch halten die Einzelhändler regelmäßige Sonntagsöffnungen vor allem aber wegen der Mitarbeiter. „Wir legen Wert auf Menschen, die Spaß am Verkaufen und Beraten haben. Würden wir sonntags öffnen, könnten wir Mitarbeiter in der Zahl gar nicht vorhalten und trotzdem unserem eigenen Anspruch gerecht werden“, sagt Hagner. Auch kosten- und emotionstechnisch sei das, wie Wanninger sagt, nicht leistbar.
Die verkaufsoffenen Sonntage, die von Stadtmarketingvereinen im Landkreis organisiert werden, sind für ihn und die anderen Einzelhändler ausreichend. „Wenn zu viele Sonntage verkaufsoffen sind, wird es uninteressant für die Kunden“, sagt Gruber. Anders als vom MediaMarktSaturn-Chef gefordert müssen an verkaufsoffenen Sonntagen die Ladenöffnungen einen bestimmten Anlass erfüllen – zum Beispiel ein Fest, ein Markt oder eine Messe.
Ansporn zur Kreativität
Gruber findet diese Pflicht, etwas bieten zu müssen, richtig: „Das spornt an, kreativ zu werden und sich was einfallen zu lassen“. In Cham fand vergangenes Jahr ein verkaufsoffener Sonntag beispielsweise unter dem Motto Blaulicht-Bande mit Fokus auf das Ehrenamt statt. Auch Kirtamärkte gaben in Cham oder Bad Kötzting Anlass zur Sonntagsöffnung. „Die verkaufsoffenen Sonntage sind immer sehr Event-getrieben, aber für uns auch sehr erfolgreich“, sagt Kappenberger. „Würden sie öfter stattfinden, würde auch ihr Charme verloren gehen“, ist sich Gruber sicher.
Wenn man etwas ändern wolle, würde Hagner beim Abbau bürokratischer Hürden ansetzen: „Eine Liberalisierung der Öffnungszeiten könnte ich mir vorstellen. Also, dass man hin und wieder abends länger geöffnet haben darf ohne großen Anlass“. Alles andere bleibt – zumindest für den Landkreis Cham – Wunschdenken.