19 Prozent Mehrwertsteuer: Das kostet der Restaurantbesuch im Landkreis Cham jetzt

Das neue Jahr begann für Restaurantleiter Simon Maurer mit Rechnen. Denn mit der angehobenen Mehrwertsteuer in der Gastronomie sollte auch die Speisekarte der Frey-Restaurants in Cham und Bad Kötzting aktualisiert werden. Zahlten Restaurants, Bars und Cafés während der Pandemie nur sieben Prozent Mehrwertsteuer, müssen Maurer und andere Gastronomen seit dem 1. Januar wieder die vollen 19 Prozent abgeben.
Das zeigt sich auch auf den Speisekarten im Landkreis Cham. Denn so wie Maurer geben viele Gastronomen die wieder angehobene Mehrwertsteuer an die Endverbraucher weiter. Aber nicht alle. Denn die Preiserhöhung ist für viele eine Abwägungssache.
„Wir wollen die Preise ja fair halten. Aber man muss ja auch was verdienen, deswegen mussten wir die Erhöhung weitergeben“, sagt Maurer. Die Differenz zwischen der gesenkten und der regulären Mehrwertsteuer wurde bei Frey in Cham und Bad Kötzting einfach aufgeschlagen: Rund zwölf Prozent höher sind die Preise seit Anfang des Jahres. Das Schnitzel Wiener Art mit Pommes und kleinem Beilagensalat kostet statt 12,90 Euro nun 14,50 Euro. Mit dem Zwiebelrostbraten von der Rinderlende mit Bratkartoffeln und kleinem Salat zahlt man in Cham nun zwei Euro mehr: 20,90 Euro.
Kraut statt Salat
Auch Ernst Hunger vom Gasthaus Am Ödenturm in Chammünster hat sich entschlossen, die Erhöhung eins zu eins weiterzugeben. Das Schnitzel Wiener Art kostet hier nun 16,90 Euro, zwei Euro mehr als zuvor. Der Zwiebelrostbraten kostet seitdem 26,60 statt 23,90 Euro. Dass es teurer wird, hat der Wirt bereits im vergangenen Herbst angekündigt. Reaktionen von Kunden habe er bisher kaum erhalten. „Die Leute nehmen es halt in Kauf“, sagt er.
Kollege Dominik Baumgartner, Junior-Chef des Gasthofs Bäckerwirt in Chamerau, hat seine Speisekarte dagegen nach Gefühl überarbeitet: „Wir haben ein paar Gerichte günstig gelassen und den Beilagensalat mit Sauerkraut ersetzt.“ Der Schweinebraten mit Knödel bleibt somit bei elf Euro – statt dem Salat wird er nun aber mit Kraut serviert. Bei anderen Gerichten gibt Baumgartner dagegen die Steuererhöhung weiter, wie zum Beispiel beim Zwiebelrostbraten. Der kostet nun mit 22 Euro drei Euro mehr als vergangenes Jahr. Bisher nehme die Kundschaft die aktualisierte Karte gut an. Aber: „Man merkt schon, dass die günstigeren Gerichte gerade eher der Renner sind“, sagt Baumgartner.
Lebensmittelpreise stark gestiegen
Alessandro Papaccino, Besitzer der Trattoria Al Gallo Nero in Cham, möchte bei den Erhöhungen vor allem darauf achten, dass die Getränke nicht zu teuer werden. Circa 20 Cent will er aufschlagen. Die Pizzen und seine anderen Gerichte sollen je einen Euro mehr kosten. Der ausschlaggebende Grund für die Erhöhung ist für ihn allerdings nicht die Mehrwertsteuer: „Die Lebensmittel sind sehr teuer geworden in den vergangenen Jahren. Der Einkauf kostet jetzt fast das Doppelte“. Die wieder angehobene Mehrwertsteuer ist für Papaccino der letzte Tropfen für eine Erhöhung, die schon länger nötig sei. Bis diese in seinem Restaurant gilt, kann es allerdings noch etwas dauern, denn die Karten müssen noch gedruckt werden.
In der Pizzeria Da Piero in Bad Kötzting wurde diese Entscheidung dagegen vertagt. Besitzerin Jolanda Lojko möchte erst mal abwarten, wie sich die Preise für die Lieferungen und die Besucherzahlen entwickeln. Dafür hat sie sich eine Frist bis Ende Januar gesetzt.
Thomas Schmidberger vom Berg-Gasthof Schönblick am Hohenbogen sagt: „Es ist eine schwierige Sache. Man will den Kunden ja nicht vergraulen. Aber wenn ich nichts draufschlage, dann gehen die zwölf Prozent vom Lohn weg“. Nicht alle Gerichte sind bei ihm teurer geworden. Die Preisaufschläge hat er nach Bauchgefühl gemacht. Beim Rostbraten für ursprünglich 19,90 Euro berechne er zwei Euro mehr. Bei den Brotzeiten für rund zehn Euro habe er einen höheren Preis aber nicht für angemessen gehalten. „Wenn ich sehe, was teilweise für ein Schnitzel verlangt wird, gibt‘s natürlich Reaktionen von Kunden“, findet Schmidberger.
Erhöhung bedeutet Aufwand
Einige Gastronomen verzichten dagegen ganz auf eine Erhöhung der Preise. Allerdings vor allem aus dem Grund, dass das Angebot erst kürzlich teurer geworden ist. So zum Beispiel beim Chamer Restaurant Morizz. Im Herbst 2023 hatte Besitzer Helmut Siebenhandl die Preise erhöht. Dieses Jahr hat seine Kundschaft daher keine Erhöhung zu erwarten, verspricht er.
Ähnlich ging es auch Mustafa Senyerli und Thi Quynh Nguyen von Miss Hoi An in Roding. Die Preise für die vietnamesischen Gerichte seien zuletzt Ende 2022 erhöht worden um knapp fünf Prozent pro Gericht, wie Senyerli berichtet. Auch an den Aufwand erinnert er sich: „Alles muss neu programmiert werden, man braucht neue Karten und es kostet unheimlich viel Geld“. Rund 10000 Euro habe sie die Erhöhung gekostet. Dieses Jahr sollen die Preise deswegen vermutlich unverändert bleiben. „Wir müssen das noch mal mit dem Steuerberater absprechen, aber ich denke, wir können damit im Moment leben“, sagt Senyerli.
Bei all den verschiedenen Herangehensweisen an die Rückkehr zur alten Mehrwertsteuer sind sich die Gastronomen in einer Sache doch ziemlich einig: Wie die veränderten Preise und Angebote bei den Kunden ankommen oder ob weniger Leute in Restaurants gehen, wird sich erst in einigen Wochen oder Monaten abzeichnen.
