Alessandro Papaccino betreibt seit 20 Jahren die Trattoria Al Gallo Nero in Cham

Es ist ein kleines Stück Italien, das sich am Spitalplatz in der Chamer Altstadt befindet. Seit mittlerweile genau 20 Jahren betreibt Alessandro Papaccino dort die Trattoria al Gallo Nero.
Schon beim Betreten des kleinen Lokals wird man vom Duft von Pizza, Pasta und Fisch empfangen, so dass man unweigerlich „la Dolce Vita“ – ein Begriff für das italienische Lebensgefühl – verspürt. Angekommen im Gastraum bleibt der Blick unvermeidlich an den vielfach bestückten Wänden hängen.
Dort reihen sich Spirituosen und Weine aus Alessandro Papaccinos Heimat Apulien. Zahlreiche Bilder zeigen das Leben, das sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten in dem kleinen Lokal unweit des Floßhafens abgespielt hat. Prominente Gäste wie Bayerns ehemaliger Staatsminister für Unterricht und Kultus, Michael Piazolo, Schlagersänger Andy Borg und Sängerin Leony lachen von der Wand.
Dass Alessandro Papaccino seine Gäste am Herzen liegen, wird schnell deutlich. „Die Menschen, die zu mir kommen, sind Freunde“, sagt er und beginnt von den vielen Begegnungen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten zu erzählen. Die meisten seiner Gäste kennt er seit Jahren, teilweise auch ihre Lebensgeschichten, denn seine Trattoria sei nicht nur ein Ort, an dem zu Mittag oder Abend gegessen wird. Hier treffen sich Menschen und ihre Geschichten. Einige seiner Stammkunden seien in den vergangenen Jahren gestorben, neue Gäste dafür hinzugekommen.
Soziales Engagement
Dass dem 51-jährigen Apulier auch die Menschen wichtig sind, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen, beweist sein soziales Engagement. So bekochte Papaccinos Küchenmannschaft schon die Kinder des Thomas-Wiser-Hauses oder bedürftige Familien, die sich unter normalen Umständen einen Besuch dort nicht leisten könnten. Hinzu kommen mehrere Spenden an Seniorenheime aus der Umgebung.
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Als leidenschaftlicher Fußballfan liegen dem Italiener, der selbst Mitglied des FC Chammünster ist, besonders die Sportvereine aus der Umgebung am Herzen. Deren Spieler begrüßt er nicht nur regelmäßig als Gäste in seinem Lokal, sondern sponsert diese auch. Seine Leidenschaft für den Fußball und die Vereine in und um Cham spiegeln sich außerdem im Gastraum wider. So finden sich zwischen traditionellen Keramiken und Pastasorten aus Apulien Bilder von Fußballspielern aus nah und fern, die in den 20 Jahren dem Al Gallo Nero einen Besuch abgestattet haben.
Dass die Trattoria Al Gallo Nero mehr ist als nur eine Pizzeria, davon ist auch Irmi Wagner, Besitzerin des ockerfarbenen Hauses an der Ecke Spitalplatz und Floßhafen, überzeugt. „Der Alessandro bringt hier einfach alle zusammen“, sagt sie. An den 3. Dezember 2003, der Tag, als die italienische Kultur in ihrem Gebäude Einzug hielt, erinnert sich Wagner noch heute genau. „Zu der Zeit war der Christkindlmarkt am Marktplatz“, erzählt sie. Noch am selben Tag seien die Menschen in Scharen in die neue Trattoria gekommen, so dass spontan auch sie selbst und ihr Ehemann hinter der Theke aushelfen mussten. Über die Jahre ist auch sie zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Pizzeria geworden.
Dass zwischen Eigentümerin und Pächter ein gutes Verhältnis besteht, merkt man den Erzählungen von Wagner schnell an. „Einen besseren Pächter kann ich mir gar nicht wünschen“, sagt die Hausbesitzerin, deren Eltern in dem Gebäude einst einen Weinhandel betrieben haben. So hat Wagner ihren Pächter immer unterstützt, vor allem als während der Corona-Pandemie plötzlich die Tische und Stühle im Lokal für längere Zeit leer bleiben mussten.
Von der Pandemie möchte Alessandro Papaccino heute nichts mehr wissen. Auf die Frage, wie er diese Zeit erlebt hat, winkt er ab und erzählt, dass sich die Lage nach Corona wieder schnell normalisiert hat. Heute habe er wieder genauso viele Gäste wie vor Corona. Das sei für ihn das Wichtigste. „Es muss immer irgendwie weitergehen“, gibt er sich pragmatisch. Während der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen habe er italienische Lebensmittel verkauft, um über die Runden zu kommen.
Ideenreich durch Pandemie
Weil Nichtstun für ihn nicht infrage kam, wie er selbst sagt, widmete er sich im Herbst 2022 gemeinsam mit dem ehemaligen CP-Fußballspieler Christian Eidenhardt einem besonderen Projekt: ein gemeinsamen Kochbuch mit Rezepten aus der apulischen Küche.
Eidenhardt und er sind seit Jahren miteinander befreundet. Sechs Monate hat es schließlich gedauert, bis sie ihr Kochbuch endlich in den Händen halten konnten. „Durch das Kochbuch können sich die Leute besser vorstellen, was sich hinter den Gerichten auf meiner Karte verbirgt“, sagt er.
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Ein Blick in die Speisekarte zeigt, dass Alessandro Papaccinos kulinarisches Repertoire weit mehr bietet als nur Pizza und Pasta. Darin finden sich etwa auch ausgefallenere Gerichte wie „Cavatelli con Polpette“ oder „Saltimbocca“. Dahinter verbergen sich spezielle Nudeln mit kleinen Hackfleischbällchen und Kalbsschnitzel mit Parmaschinken in flambiertem Weißwein, wie der Gastronom verrät. Am beliebtesten bei den Gästen seien aber nach wie vor die vielen Fischgerichte, die mittlerweile einen Schwerpunkt auf der Speisekarte bilden.
So resilient wie Alessandro Papaccino die harten Zeiten der Pandemie abgestreift hat, so positiv blickt er auch in die Zukunft. Was der Gastronom trotz arbeitsreicher Tage bis spät abends beibehalten möchte, ist der Sonntag als Ruhetag. Der gehört nämlich ganz seinen drei Kindern.
