Zwei Dorfladenbetreiber im Landkreis Cham blicken auf ihr erstes Jahr zurück

Sie sorgen in Zeiten großer Einkaufszentren auf der grünen Wiese dafür, dass sich auch die Bewohner in den Dörfern mit Waren des täglichen Bedarfs versorgen können, ohne längere Fahrtwege in Kauf zu nehmen. Auch im Landkreis Cham sichern in einigen Gemeinden Dorfläden als letzte verbliebene Einkaufsmöglichkeit die Nahversorgung der Menschen.
In Rimbach hat Bettina Rotter vor gut einem Jahr den Weg in die Selbstständigkeit gewagt, nachdem die rund 1800 Einwohner zählende Gemeinde nach der Schließung des letzten Lebensmittelgeschäfts seit 2011 mit Unterbrechung ohne Einkaufsmöglichkeit auskommen musste. Im Dezember 2022 hat sie ihr Dorfladl an der vielbefahrenen Dorfstraße eröffnet. Bereut hat sie diesen Schritt bis heute nicht.
„Unser Dorf steht hinter dem Laden. Das ist das Wichtigste“, zeigt sie sich froh über den Rückhalt der Rimbacher, den sie bislang erfahren durfte. Dass sie mit ihrem Dorfladen für die Menschen in der Hohenbogen-Gemeinde viel mehr ist, als nur eine Einkaufsmöglichkeit, wird in ihren Erzählungen schnell deutlich.
Vereine als wichtige Abnehmer
Neben den täglichen Kunden zählen die Vereine aus dem Dorf zu ihren wichtigsten Abnehmern. Doch Rotter und ihr Team versorgen diese nicht nur bei Festen mit Brotzeiten. Sie helfen auch bei Einsätzen der Feuerwehr mit, indem sie Verstärkung beisteuern, so etwa beim Großbrand einer Scheune im Oktober. „Da haben wir die Einsatzkräfte mit Wurstsemmeln und Getränken versorgt“, erzählt die Ladeninhaberin. Auch beim Brand des Hotels Bayerischer Hof, das nur einen Steinwurf entfernt ist, habe sie mit Lebensmitteln ausgeholfen.
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Auch wenn sie mit ihrem Entschluss, sich mit einem Dorfladen selbstständig zu machen, zunächst in ungläubige Gesichter geblickt hat, so war doch die Freude gerade der älteren Bewohner im Ort überragend. Immerhin war die Gemeinde bis zu diesem Zeitpunkt ganz ohne Versorgung, sodass zum Einkaufen nach Bad Kötzting oder Furth im Wald gefahren werden musste. Für die Senioren wurde zeitweise sogar ein Einkaufsbus nach Bad Kötzting eingesetzt.
Wunschliste im Laden
Um den Rimbachern genau das zu bieten, was diese brauchen, habe Rotter die Kunden gleich in den ersten Wochen nach der Eröffnung in die Sortimentsauswahl miteinbezogen. „Wir hatten anfangs eine Wunschliste im Laden, in der jeder Kunde spezielle Waren eintragen konnte“, erzählt Rotters Tochter Magdalena, die ebenfalls im Lebensmitteleinzelhandel tätig ist. Dies sei bis heute beibehalten worden. Dank des neuen Dorfladen-Konzeptes des Edeka-Konzerns, von dem die Rotters zum Großteil ihre Waren beziehen, sei sie nicht an große Abnahmemengen gebunden. Dadurch sei es problemlos möglich, auch nur einzelne Produkte zu bestellen. Außerdem sei sie so in der Lage, bestimmte Waren zu den gleichen Angebotspreisen anzubieten, wie in den großen Supermärkten der Kette.
Herzstück des Ladens ist die Frischetheke, an der die Ladeninhaberin Fleisch, Wurst und Käse von regionalen Lieferanten anbietet. „Hätte ich die frischen Metzgerwaren nicht im Laden, würde es sich nicht rentieren“, ist Bettina Rotter überzeugt. Schätzungsweise gut 80 Prozent der Kunden, die das Geschäft betreten steuern die Frischetheke an. Besonders beliebt seien die Brotzeiten, für die Bettina Rotter bereits um 4 Uhr mit der Arbeit beginnt. „Die Leute wissen, dass sie schon ab halb sechs bei mir ihre Wurstsemmel bekommen“, sagt die gelernte Metzgereifachverkäuferin, die bereits auf viele Berufsjahre hinter der Theke zurückblickt. Ihre Ausbildung hat sie 1990 im Hotel Bayerischer Hof absolviert. Auf zwei Jahre bei einer Metzgerei in Miltach folgten 25 Jahre bei Edeka in Viechtach und später in Bad Kötzting.
Nicht für Großeinkauf ausgerichtet
Sorgen, dass der Umsatz einbrechen könnte, sobald mit der Eröffnung des geplanten Edeka-Marktes im nur fünf Kilometer entfernten Grafenwiesen eine große Einkaufsmöglichkeit für die Rimbacher in greifbare Nähe rückt, hat sie momentan noch nicht. Denn auch wenn das Geschäft seit einem Jahr gut laufe, komme schon jetzt niemand zu ihr, um seinen Großeinkauf zu erledigen. Dafür sei sie gar nicht ausgerichtet.
Was nicht nur Bettina Rotters Kunden sondern auch sie selbst an ihrem Laden schätzt, sind die täglichen Begegnungen mit Menschen. Umso glücklicher ist sie darüber, mit ihrem Geschäft den Rimbachern auch einen sozialen Treffpunkt bieten zu können. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr personallose 24-Stunden-Automaten im Landkreis Aufwind erfahren, wie bislang in Chamerau, Blaibach und zuletzt Rötz, ist es Rotter, wichtig als Gesprächspartner für die Menschen vor Ort da zu sein.
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Für die Menschen vor Ort da sein, möchten auch die Betreiber des Dorfladens in Treffelstein, der ebenfalls seit etwas mehr als einem Jahr besteht. Mitte November 2022 hat das genossenschaftlich geführte Geschäft mit Bürgerbeteiligung an der Hauptstraße eröffnet, nachdem mit der Schließung des Edeka Babl ein jahrzehntelanger Nahversorger in der Gemeinde weggebrochen ist. Ganz nach dem Motto „Von Bürgern für Bürger“ stehen mehrere Anteilseigner hinter dem Projekt.
Für Ladenleiterin Sabine Schneider fällt das Fazit eher durchwachsen aus. Zwar habe man noch vor der offiziellen Eröffnung einen Probebetrieb mit Erfolg durchlaufen, doch momentan sei von der anfänglichen Euphorie nicht mehr viel zu spüren. „Es kommen mittlerweile einfach zu wenig Kunden in den Laden“, bringt sie es auf den Punkt.
Regionale Erzeugnisse
Ihre Beobachtung: Häufig kommen Kunden in den Laden, um Dinge zu kaufen, die sie woanders vergessen haben. Das reiche allerdings nicht aus. „So können wir uns nicht über Wasser halten“, sagt Schneider und verweist auf das ohnehin große Angebot des Dorfladens an Waren des täglichen Bedarfs.
Wie Bettina Rotter in ihrem Geschäft sei man auch in Treffelstein bemüht, individuellen Kundenwünschen so weit möglich nachzukommen. Weiterhin biete man mit Obst, Gemüse und Erzeugnissen regionaler Anbieter den Kunden eine Auswahl fernab des Standards.
Verlosung für Vieleinkäufer
Und trotzdem: Alles anbieten ist schlicht und ergreifend nicht machbar, so Schneider, die indes hofft, dass sich das Geschäft am Ort halten lässt. Ihr Appell an die Bürger: Darüber nachdenken, was ist, wenn es den Dorfladen nicht mehr gibt. Unterstützung erfahren die Treffelsteiner Dorfladenanteilseigner durch Bürgermeister Helmut Heumann.
Dieser hat im Dezember privat eine Verlosung für Vieleinkäufer ins Leben gerufen. Pro Einkauf erhielt jeder Kunde einen Stempel. Kunden mit voller Stempelkarte konnten an einer Verlosung teilnehmen, deren Gewinner kürzlich gezogen wurden. Auch Heumann appelliert an die Bevölkerung, schon alleine aus Rücksicht auf die ältere Bevölkerung zum Fortbestand des Dorfladens durch regelmäßige Einkäufe beizutragen.
