Bitte einsteigen: Waldmünchen hat das erste kommunale Seniorenmobil der Oberpfalz

Von Petra Schoplocher · 16. Januar 2024 um 15:15

WÜM-ST 121. Der weiße Renault Kangoo, der dieses Kennzeichen trägt, wird noch von sich reden machen – und eine Menge bewirken. Seit Montag ist der flotte Flitzer das offizielle Seniorenmobil der Stadt. Ein Lichtblick, im doppelten Sinn.

Denn erst ein gemeinnütziger Verein mit diesem Namen macht das neue Angebot möglich. Die Lichtblick Seniorenhilfe mit Sitz in München hat sich zum Ziel gesetzt, Altersarmut zu bekämpfen. Wichtiger Bestandteil: Mobilität.

Die gehört auch für den Waldmünchner Seniorenbeiratsvorsitzenden Arnold Lindner zu den Hilfen im Alltag, für die er und sein Team eintreten. Fahrten zum Arzt, zum Einkaufen, zur Bank, für Behördengänge, aber auch zu Beerdigungen oder Gottesdiensten.

„Raus aus der Stube!“

Folglich sieht Lindner in dem Auto gleichwohl mehr als „nur“ eine Transportmöglichkeit. Denkbar wären (Sammel)Fahrten zu kulturellen Veranstaltungen oder denen des Seniorentreffs. „Wir können im wahrsten Sinne die mobilisieren, die im stillen Kämmerchen hinter dem Ofen sitzen“, schwärmt der Chef des Seniorenbeirats. All jenen, die sich angesprochen fühlen könnten, macht er eine klare Ansage. „Nutzen Sie die Chancen der Stadt!“

Nicht der Notnagel

Allerdings gäbe es auch klare Grenzen, „wofür wir nicht da sind“: Etwa, wenn es die Tochter leid sei, die Mutter ans Grab des Vaters zu fahren. Wenn sich jemand das Benzin für den eigenen Wagen sparen will oder sich ein Taxi leisten kann. Aus organisatorischen Gründen nicht angenommen können zudem Anfragen von Rollstuhlfahrern und Krankentransporte.

Drei Zugangsvoraussetzungen

65 Jahre plus, hilfsbedürftig und in der Mobilität eingeschränkt, bringt Lindner im Umkehrschluss die Kriterien auf den Punkt. Der Seniorenbeauftragte ist zu lange im (ehrenamtlichen) Geschäft, um nicht zu wissen, dass Vieles einem Prozess unterliegt und man nicht alles gleichzeitig und -wertig auf dem Schirm habe. Sein Appell daher: „Rückmeldungen und Ideen sind wertvoll, bitte zögern Sie nicht.“

Ergänzung zur Nachbarschaftshilfe

Lindner bemüht sich, eine vermeintlich Konkurrenz zur Nachbarschaftshilfe auszuschließen. Als die im Frühjahr 2023 eine Finanzierungs-Zusicherung erfuhr, war das Vorhaben Seniorenmobil noch in der Schwebe. „Wir wussten nicht, wohin die Reise geht.“ Umso deutlicher sein Wunsch um ein Miteinander („Wir können uns gut ergänzen.“) – zum Wohle möglichst vieler Waldmünchner.

Ein Aufruf, fünf freiwillige Meldungen

Vollauf begeistert ist Arnold Lindner von der Fahrer-Akquise. „Ein Anruf, fünf Interessenten“, berichtet er stolz. „Das gibt uns einen Schub.“ Mittlerweile ist der Pool auf acht Köpfe angewachsen. Zusammengespannt werden sie und die Klienten im Bürgerbüro, in dem die Ehrenamtlichen hinterlegt haben, wer wann zur Verfügung steht. „Die schauen dann, dass beides gut zusammen passt.“

Nicht nur mit der Anlaufstelle unterstützt die Stadt das Vorhaben. Sie trägt zudem sämtliche Unterhaltskosten. „Ein echtes Gemeinschaftsprojekt“, loben sich Lindner und Bürgermeister Markus Ackermann gegenseitig.

Positiver Nebenffekt: Neue Kontakte

Ackermann mag die Bedeutung des Seniorenmobils gar nicht hoch genug einschätzen. Es sei nicht weniger als konkrete Hilfe und eine unglaubliche Erleichterung für viele Menschen, von A nach B zu kommen. Nicht zu vergessen die Kontakte, die zwischen Fahrer und Befördertem entstehen.

Ein echtes Gemeinschaftsprojekt

„Zahnräder und Stützsysteme greifen ineinander“, beschreibt der Rathauschef angetan das Zusammenspiel. Zumal er den Bedarf eindeutig ausmacht. Schließlich sei man eine leicht überalterte Kommune. Ackermann schließt sich folglich zudem gerne Lindners Dank an all jene an, die sich als Fahrer zur Verfügung stellen. „Es ist toll, zu sehen, dass viele bereit sind, sich in den Dienst der Allgemeinheit und für den Nächsten zur Verfügung zu stellen.“

Oberpfalzweit einmalig

Zugleich macht er deutlich, dass es ein kommunales Waldmünchner Seniorenmobil – das das erste seiner Art in der Oberpfalz ist – ohne das Engagement von Lichtblick nicht gäbe. „Wir sind dankbar, dass wir damit konkrete Hilfe bieten können.“

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Ausgerechnet der, der den Fisch an Land gezogen hatte, fehlte bei der Vorstellung: Hauptamtsleiter Rainer Wagner war vor rund einem Jahr auf die Aktion des Vereins Lichtblick aufmerksam geworden, betonte Bürgermeister Markus Ackermann. Ihm war die Freude über den gelungenen Coup deutlich anzumerken. „Wir haben ein Konzept erarbeitet, uns beworben und den Zuschlag bekommen.“ Zur Freude der Verantwortlichen und zum Wohle vieler Menschen.

DAS SENIORENMOBIL, SO FUNKTIONIERT`‘S

Berechtigung: In Anspruch nehmen können den Dienst alle Waldmünchner ab 65 Jahren, die im weitesten Sinne „hilfsbedürftig“ sind. Bedeutet: Ihre Mobilität ist eingeschränkt, weil sie etwa kein Auto haben oder fahren dürfen, alleinstehend sind oder nicht über die Mittel verfügen, sich laufend ein Taxi zu nehmen.

Vorlauf: Zwei, besser drei Tage vor dem anstehenden Termin sollte die Fahrt beim Bürgerbüro der Stadt gemeldet werden: Telefon (09972) 307-0, Mailadresse: buergerbuero@waldmuenchen. de. Für Wochenendtermine ist eine längere Vorlaufzeit nötig.

Dienstzeiten: Abgedeckt werden in der Regel Bedarfe von Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Service: Die Fahrgäste werden zuhause abgeholt und zurückgebracht, der Transport ist für die Bürger kostenlos.

Hintergrund: Die laufenden Unterhaltskosten von Benzin bis Versicherung und Kundendienst für das Seniorenmobil trägt die Stadt.

Finanzierung: Zur Verfügung gestellt wurde der Renault vom Verein Lichtblick.

Hintergedanke: Im Sinne eines sozialen Miteinanders sind Fahrten zu kulturellen Veranstaltungen angedacht.

„Ein Tag der Freude“ waren sich Bürgermeister Markus Ackermann (Vierter von rechts) und Seniorenbeiratsvorsitzender Arnold Lindner (neben ihm) bei der symbolischen Schlüsselübergabe für den flotten Flitzer einig. Gekommen waren auch einige Fahrer und weitere Vertreter des Seniorenbeirats.
Die Fahrer legen sich selbst bei Schnee voll ins Zeug und sorgen für die Sicherheit ihrer Klienten.