Platte Reifen: Klimaaktivisten kündigen weitere Sabotagen in Regensburg an

Von Jonas Raab · 20. Januar 2024 um 10:00

Sie nennen sich „Tyre Extinguishers“ und haben es auf SUVs abgesehen. Nachts ziehen sie durch die Straßen, um Reifen platt zu machen. An den Windschutzscheiben hinterlassen sie Bekennerschreiben. Fälle gab es über den ganzen Globus verteilt. Kürzlich kam die neue Form des Klimaprotests in Regensburg an. Gegenüber der MZ kündigten die Aktivisten weitere Aktionen an.

An mehr als einem Dutzend Autos hatten sich Unbekannte in der Nacht auf Freitag, 12. Januar, im Stadtwesten zu schaffen gemacht. Immer wurden die Ventile manipuliert. Am Franz-von-Taxis-Ring, im Münzerweg und in der Württembergstraße standen Autobesitzer morgens vor platten Reifen.

„Sie werden keine Schwierigkeiten haben, sich ohne Ihren Spritfresser fortzubewegen, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, erklärten die Aktivisten den Betroffenen mit ihrem Flugblatt. Da die Politik nichts gegen die „zweitgrößte Ursache für den weltweiten Anstieg der Kohlendioxidemissionen der letzten zehn Jahre“ unternehme, ergreife man nun selbst Maßnahmen.

„Tyre Extinguishers“ stellen Regensburger Gruppe vor – und kündigen neue Aktionen an

Am Mittwoch hießen die „Tyre Extinguishers“ bei X (ehemals Twitter) eine „neue Gruppe“ aus Regensburg in ihrer internationalen Bewegung willkommen. „Mindestens“ 40 SUVs seien „sicher“ gemacht worden, schrieben die Aktivisten zu einem Foto, auf dem eine Frau mit roten Fingernägeln das Bekennerschreiben in der Hand hält. Aufgenommen wurde es in einem Auto.

Auf Anfrage der MZ erklärte ein anonymer Sprecher der losen Gruppierung auf Englisch, man stehe mit den Regensburger „Leuten“ nicht in direktem Kontakt. „Wir sind froh, dass es passiert ist – und hoffen, dass noch viel mehr passiert“, lässt der Sprecher wissen. Weitere Aktionen seien „ohne Zweifel“ geplant.

Staatsschutz ermittelt wegen platter Reifen in Regensburg

Bislang habe es keine weiteren Fälle gegeben, erklärte Polizeisprecher Matthias Gröger auf MZ-Nachfrage. Dass sich die Aktivisten bereits an mehr als 40 Autos vergangen haben wollen, konnte er nicht bestätigen. 14 Betroffene hätten sich bei der Polizei gemeldet. Hinweise auf die Täter habe man bislang keine.

Die weiteren Ermittlungen habe die „Abteilung Staatsschutz“ der Kriminalpolizei übernommen, da das Bekennerschreiben laut Gröger auf eine „politisch motivierte Tat“ schließen lasse. Im Raum stehe Sachbeschädigung – wobei das Luftablassen nicht in jedem Fall eine Straftat darstellen müsse.

Klimaaktivisten lassen in Regensburg Luft aus Autoreifen ab: Straftat oder nicht?

Thomas Rauscher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, erklärt, was damit gemeint ist: Sei das Wiederaufpumpen nur mit „minimalem Aufwand“ verbunden – beispielsweise, weil das Auto in unmittelbarer Nähe einer Tankstelle geparkt wurde –, liege keine Sachbeschädigung vor. Jedoch sei der Straftatbestand „regelmäßig“ erfüllt.

„Zwar kommt es durch das Ablassen der Luft nicht zu einer Schädigung der Substanz des Reifens, jedoch reicht für eine Sachbeschädigung bereits eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit der Sache aus“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Zudem bestehe die Gefahr, dass jemand mit dem Auto losfahre. Deshalb sei auch zu prüfen, ob ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr oder sogar ein versuchtes Tötungsdelikt vorliege.

Zum weiteren Vorgehen erklärt Rauscher: „Sobald die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind, werden die Fälle auf jeden Fall von den Referenten für politische Straftaten übernommen.“