Bayern-Fans aus Berching und Dietfurt halfen bei der Trauerfeier für den Kaiser mit

Von Bernhard Neumayer · 19. Januar 2024 um 19:00

Diese siebenköpfige Gruppe der Bayern-Fanclubs aus Berching und Dietfurt um Reinhard Buchberger (l.) nahm an der Trauerfeier in München statt. Foto: Buchberger

Als elf Wegbegleiter von Franz Beckenbauer Rosen um den Mittelkreis in der Allianz Arena niederlegen, ist Reinhard Buchberger nicht nur ergriffen. Der Berchinger ist in diesem Moment den Fußball-Legenden um Bastian Schweinsteiger und Paul Breitner so nah wie kaum ein anderer.

„Für mich war es der bewegendste Moment der Trauerfeier, als die Rosen niedergelegt wurden“, sagt Reinhard Buchberger. Gemeinsam mit sechs weiteren Mitgliedern der Bayern-Fanclubs Dietfurt und Berching war der Schriftführer der Roten Hechten einer von geschätzt rund 35000 Trauergästen, die dem verstorbenen Kaiser in der Arena in München am Freitagnachmittag die letzte Ehre erwiesen.

Trauerfeier für Franz Beckenbauer in der Allianz Arena

„Natürlich ist man ergriffen und immer noch traurig“, sagt Buchberger. Doch für ihn sei fast die Anspannung größer als die Trauer gewesen. Denn Buchberger und ein Teil seiner Bayern-Freunde waren nicht nur als Zuschauer vor Ort, sondern aktiv in die für ihn „sehr angemessene“ Trauerfeier eingebunden.

Buchberger ist Teil der Gruppe, die in der Arena die großen Bayern-Fahnen schwenken. Dem traurigen Anlass entsprechend neigten die Schwenker ihre Fahnen dieses Mal statt sie hin und her zu bewegen.

Nicht nur wegen dieser Aufgabe wollte Buchberger am Freitag live in der Arena sein. Es sei ihm einfach ein Bedürfnis gewesen, an der Trauerfeier teilzunehmen, sagt Buchberger, den der Kaiser schon als kleiner Bub begeistert hat. „Als Fußball- und Bayern-Fan hat mich der Kaiser mein ganzes Leben lang begleitet“, sagt der Geschäftsleiter der Stadt Berching. Ob als Spieler, Trainer oder Präsident: Der Kaiser war für Buchberger allgegenwärtig.

Franz Beckenbauer als Vorbild

Buchbergers Onkel habe ihm immer erzählt, dass er schon als kleiner Junge als Berufswunsch angegeben habe, „Becke-Bauer“ zu werden. Auch wenn der kleine Reinhard den Namen des Kaisers damals noch nicht exakt aussprechen konnte – die fußballerische Eleganz Beckenbauers beeindruckte ihn offensichtlich schon als kleinen Bub.

Als es nun in den vergangenen Monaten um Beckenbauer ruhiger geworden war, hat natürlich auch Buchberger mitbekommen, dass es dem Kaiser nicht gut geht. Beckenbauers Tod am 7. Januar sei daher für Buchberger nicht aus heiterem Himmel gekommen. „Dennoch erschrickt man und ist traurig, wenn es dann soweit ist“, sagt Buchberger, den vor allem das erste Heimspiel der Bayern gegen Hoffenheim nach Beckenbauers Tod emotional mitgenommen habe.

Das Bundesliga-Match am 12. Januar stand ganz im Zeichen des Kaisers: Trauerflor, Schweigeminute, Schriftzug an der Arena-Fassade, Aufwärmtrikots mit Beckenbauers Rückennummer fünf und geänderte Einlauf- und Tormusik.

Es sei sehr bewegend gewesen, als die Spieler zu Beckenbauers Lied „Gute Freunde kann niemand trennen“ das Spielfeld betreten haben. Nach dem Einlaufen habe Buchberger noch nie so eine Stille in einem Stadion gefühlt wie an jenem Freitagabend bei der Schweigeminute vor dem Bundesliga-Spiel. „Oft brummelt noch irgendeiner im Stadion während der Schweigeminute. Aber da war es extrem ruhig.“

Persönlich hat Buchberger den Kaiser nie kennengelernt – im Gegensatz zu Franz Auer aus Deining. Anfang der 1970er-Jahre besichtigte der Hobbyfußballer mit seiner Jugendmannschaft des 1. FC Deining die Sportschule Grünwald. Nachdem die Jugendlichen Einblicke in die Räume, Bäder und den Saunabereich bekommen haben, durften sie gemeinsam mit den Stars des FC Bayern zu Mittag essen.

Mann aus Deining erhielt ein Autogramm des Kaisers

Das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen, sagt Auer. Vor über 50 Jahren war es aber für die Jugendlichen aus Deining noch möglich, so nah an Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller zu kommen. „Es war fantastisch, mit diesen Spielern zu sprechen und Autogramme zu sammeln“, sagt Auer. Insbesondere Sepp Maier und Franz Beckenbauer haben sich mit den 15-, und 16-Jährigen unterhalten. Ganz ohne Starallüren, erinnert sich Auer.

Und auch wenn der Kaiser nun im Fußball-Himmel weilt: Die Erinnerungen an die Lichtgestalt bleiben für immer – nicht nur für Reinhard Buchberger und Franz Auer.

Als elf Legenden Rosen niederlegten, hisste unter anderem Reinhard Buchberger aus Berching die Bayern-Fahne. Foto: imago