Johanna Bösl spielt die Tuba in Heinrichskirchen und ist begeistert von Instrument und Kapelle

Musikalisch war Johanna Bösl (45) schon immer. „Das schönste ist das miteinander Musik machen“, sagt sie. Sie lernte als Kind Akkordeon und später Gitarre. Auch Singen gehört zu ihren Leidenschaften.
In ihrer Wohnküche hängen Porträts und Zeichnungen von wichtigen Rock- und Popsängerinnen der letzten Jahrzehnte. Janis Joplin, Tracy Chapman und Pink zieren die Wand hinter ihr. Ihren Freunden haben sie aber immer wieder gesagt: „Irgendwann lern ich auch ein Blasinstrument!“ Und es sollte nicht irgendein Blasinstrument sein, sondern das größte in der Blasmusik, die Tuba. Weil ihr Opa Tubaspieler war.
Dann kam Corona und der Lockdown und genügend Zeit ein neues Instrument zu erlernen. Jetzt lernt Johanna Bösl seit drei Jahren die Tuba. Dass sie noch nicht die perfekte Tubaspielerin ist, das erklärt sie immer wieder. Aber wir wollten von ihr wissen, wie das so ist, das „Instrument des Jahres 2024“ zu erlernen und zu spielen.
Weibliche Tubisten gibt es öfter
Schon beim Vorgespräch am Telefon klärt Johanna Bösl ein Reporterklischee auf. Der hatte nämlich gleich gemeint, eine Frau die Tuba spielt, dass sei doch die große Ausnahme. Ist es nicht, erfährt der Reporter, Etwa in Viertel der Tubisten in Blaskapellen seien Frauen, schätzt Bösl. Die große Ausnahme seien weibliche Tubisten also nicht, aber schon seltener als die Männer.
Das mag auch mit dem Instrument selbst zu tun haben. Die wunderbar goldglänzende Tuba von Johanna Bösl wiegt ordentlich. So neun bis zehn Kilo, schätzt sie. Allerdings sei das ein Anfängerinstrument. Ein Profiinstrument sei nochmals deutlich größer. Wenn sie da im Sommer mit der Kapelle marschiert und die Tuba bläst – womöglich noch bergauf – dann sei das schon schweißtreibend, erzählt sie. Aber es mache ihr Spaß.
Unterstützung von Kapelle
Ein Grund für den Spaß am Musizieren ist für Bösl die Gemeinschaft, in der sie spielt: Es ist die Blaskapelle St. Nikolaus in Heinrichskirchen. Dort sei sie von Beginn unterstützt worden. Über eine Freundin sei der Kontakt entstanden. Die Vorsitzende Maria Schmidt habe zu ihr gesagt: „Das musst du ausprobieren!“ Der Tubist und Co-Dirigent der Blaskapelle Stephan Pregler habe ihr eines seiner Instrumente gegeben und sie habe gleich beim ersten Mal einen „Ton herausgebracht“, was offensichtlich nicht jedem gelinge. Seit Frühjahr 2021 lerne sie jetzt die Tuba unter der Anleitung von Anton Meindl von der Landkreismusikschule. Weil sie ja schon andere Instrumente spielen konnte, ging das etwas schneller. Aber perfekt spielen, könne sie nicht. „Bei den schnellen Läufen brauche ich noch Unterstützung“, sagt sie. Zum Glück gebe es mit Stephan Pregler ja noch einen „echten“ Tubisten in der Kapelle, sagt Johanna Bösl.
Für Blaskapellen gebe es soetwas wie eine Marschmappe, darin seien die wichtigsten Stücke für Tubisten zusammengefasst. „Die Hälfte schaffe ich gut, die andere Hälfte geht so!“ Gut zurecht komme sie auch mit der kirchlichen Musik, die meistens getragener und etwas langsamer sei.
Die Tuba sei ein Mangelinstrument, erklärt Bösl. Es gebe wenige, die dieses Instrument spielten. Vielleicht sei es auch deswegen zum Instrument des Jahres gemacht worden. Tubabläser seien in allen Kapellen gesucht.
In Heinrichskirchen sei sie von Beginn an sehr gut aufgenommen worden. Dass sie von Beginn an bei den Proben dabei war, obwohl sie das Instrument noch nicht so beherrscht habe, „hat mir sehr geholfen!“ Das Spielen im Orchester und zusammen mit anderen habe sie weitergebracht und motiviert. „Das ist ein schönes Miteinander, auch jenseits der Musik!“
Das könnte Sie interessieren: Ungewöhnlicher Grund für ein Funkloch
Amüsiert erzählt sie, dass sie mit ihren 45 Jahren in der Nachwuchskapelle spiele, die deswegen wahrscheinlich nicht Jugendkapelle genannt werde. Aber das wisse sie jetzt auch, es sei nie zu spät, ein neues Instrument zu lernen. Ihr Ziel sei es, mit der Tuba so spielen zu können, wie sie es mit der Gitarre könne: Sich einfach zu einer Gruppe Musizierender setzen zu können und ohne Noten mitspielen zu können.
Sie stelle fest, dass sich viele junge Leute auch wieder für de Blasmusik interessierten. Die Kapelle in Heinrichskirchen sei jedenfalls jung. Vielleicht habe das auch mit einem anderen Traditionsbewusstsein der Jugend von heute zu tun. „Sie gehen ja auch in der Tracht zum Volksfest!“ In ihrer Jugend wäre man da eher aufgefallen.
Ohne Tuba fehlt was
„Ohne Tuba fehlt was“ in einer Kapelle, sagt Bösl. Das Instrument habe eine große Präsenz und mit dem richtigen Spieler auch ein großes Volumen. Ihr gefällt, dass die Tuba durch ihre tiefen Töne auch eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahle. Dass man mit diesem Instrument eher hinten in der Kapelle und nahe beim Schlagzeuge sitze, mache Sinn. Auch die Tuba gebe den Rhythmus eines Musikstückes vor.
Überrascht habe sie allerdings bei der Anschaffung des Instrumentes der Preis. Eine kleine Internetrecherche zeigt, Tubas starten um die 3000 Euro und werden dann schnell fünfstellig bis zum Preis eines Kleinwagens. „Aber es ist eine Anschaffung fürs Leben“, sagt Johanna Bösl.