Cham plant wieder eine überparteiliche Demo gegen Rechts für den Landkreis

„Cham ist bunt, nicht braun!“ Unter diesem Motto hatte ein überparteiliches Bündnis am 6. Juni 2006 auf den Chamer Marktplatz gerufen. Rund 7000 Menschen kamen. Hauptorganisator war Stadtrat Günther Lommer. Nun zieht er erneut im Hintergrund die ersten Fäden, um demnächst Chamer aus dem ganzen Landkreis gegen die braunen Umtriebe auf die Straße zu bringen.
Der Termin dafür steht noch nicht fest. Aber im Hintergrund vernetzt man sich bereits. Der Kreistag will sich fraktionsübergreifend absprechen. Am Montag gibt es ein Fraktionsführertreffen im Chamer Rathaus. Bürgermeister Martin Stoiber will das Thema vor den Stadtrat bringen. „Weil es mir angesichts der Ereignisse ein echtes Anliegen ist“, sagt er.
Wie sähe unsere Heimat aus?
Claudia Zimmermann hat für ihre SPD und das Bündnis für Toleranz und Menschenrechte bereits angekündigt, dass man selbstverständlich dabei sein werde. Allerdings plane man derzeit selbst ein eigenes Format: „Wir wollen den Menschen vor Augen führen, wie unsere Heimat aussehen würde, wenn jemand wie die AfD sein Parteiprogramm durchzieht“, kündigt sie an.
„Ich organisiere das gern, weil ich es richtig finde. Aber überparteilich muss es sein – so wie damals“, sagt Günther Lommer. Der Chamer Stadtrat und Sprecher der CSU-Fraktion war 2006 verantwortlich für die Demo am Marktplatz: „Wir wollen unsere damalige Aussage bekräftigen: Wir wollen Euch nicht!“
Es ist beunruhigend, wie sich die Zeiten gleichen. Auch damals – 2006 – knüpfte die NPD Netzwerke mit den Rechten. Heute treffen sich AfD-Kader mit rechten Parteien und dem III. Weg und begrüßen sich mit „lieber Ewald“. Die Chamer haben 2006 nicht nur ein starkes Zeichen gesetzt. „Es hieß damals, das sei die größte Demo in der Republik gewesen“, erinnert sich Lommer.
Die Stadt Cham verhinderte zusätzlich durch Nutzung ihres Vorkaufsrechtes den Ankauf der Insolvenz-Immobilie eines Discounters in der Badstraße durch die NPD, die dort ihren Ostbayern-Stützpunkt errichten wollte. Kurz zuvor hatte Grafenwöhr ebenfalls für eine halbe Million Euro den Neonazis eine Halle weggekauft. In Cham war die Rede von rund 860 000 Euro.
Wie das aussehen sollte, davon bekamen die Chamer bereits in der Zeit zuvor einen Vorgeschmack. Die Neonazi-Truppe „Weiße Wölfe“ hatte sich in der Disko „Froschkönig“ eingemietet und organisierte dort Rechtsrock-Konzerte für ihre kahlköpfige Klientel.
Anfang April 2006 marschierten die Rechtsextremen im Demonstrationszug durch Cham. Duplizität der Ereignisse: Schon damals marschierte der „liebe Ewald“ mit. Zu dieser Zeit hatte die Stadt noch gehofft, man könne den braunen Spuk durch ignorieren beenden. Das erwies sich als Trugschluss. Letztlich entschloss man sich zur Demo.
Das Ende der Geschichte
Durch den glücklichen Umstand und die Vermittlung eines Chamer Anwalts, der die Schulden des Pleite-Discounters aufgekauft hatte, kam die Stadt in den Besitz der Immobilie. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Heute stehen dort der Campus und die Berufsschule. Statt einer Neonazi- Zentrale Herberge zu geben kann man heute auf das Ortsschild „Hochschulstadt“ schreiben.

