Kapazitäten erreicht: Chamer Tierheim nimmt derzeit keine neuen Hunde mehr auf

Von David Salimi · 18. Januar 2024 um 05:00

Aus Kapazitätsgründen nimmt das Chamer Tierheim derzeit keine neuen Hunde mehr auf und verweist auf eine Warteliste. Die Mitarbeiterinnen Evi Kraus und Christa Berlinger berichten indes davon, dass sich viele Menschen immer leichtfertiger einen Vierbeiner zulegen – oft mit traurigem Ende.

Lautes Gebell, wedelnde Schwänze und feuchte Nasen, die sich durch die Gitterstäbe des Hundegeheges zu drängen versuchen – schon am Eingang des Tierheims in Cham wird deutlich, dass hier einiges los ist. Das bestätigt auch Evi Kraus, eine er zwei fest angestellten Mitarbeiterinnen. Bei den Katzen habe sich die Lage entspannt. Dafür befindet sich das Tierheim mit den derzeit 22 Hunden, die es betreut, an seiner Schmerzgrenze. Mittlerweile habe der Zulauf ein Ausmaß erreicht, dass Kraus und ihre Kollegen mit einem Aufnahmestopp die Reißleine ziehen mussten. Acht Hunde befinden sich derzeit auf der Warteliste.

Bis der nächste Vierbeiner nachrücken kann, könnte jedoch einige Zeit ins Land ziehen. Immerhin haben die Mitarbeiter des Tierheims große Not, die Hunde aus dem momentanen Bestand zu vermitteln. Für ihre Schützlinge ein neues Zuhause zu finden ist nichts, was über das Bein gebrochen werden kann, wie Kraus sagt. Ihr ist es wichtig, die Tiere nachhaltig zu vermitteln. Immerhin wolle man sichergehen, dass ihr neues Zuhause auch ihr letztes bleibt.

Lesen Sie hier: Zwei Dorfladenbetreiber im Landkreis Cham blicken auf ihr erstes Jahr zurück

Eine große Rolle spiele dabei die Rasse. Ein Labrador benötige beispielsweise viel Bewegung und Zuspruch. Schäferhunde verlangen hingegen insbesondere eine klare Führung. Golden Retriever seien wiederum ausgezeichnete Familienhunde. „Das sind Eigenschaften, denen sich die Leute vorher nicht bewusst sind“, sagt Kraus.

Leichtfertige Entscheidung

Anstatt die Anschaffung eines Hundes genauestens abzuwägen, träfen viele ihre Entscheidung für ein Tier leichtfertig. Das Ergebnis: Überforderung, schwindendes Interesse oder veränderte Lebenspläne, in denen ein Vierbeiner plötzlich nicht mehr vorgesehen ist. Aber auch Beißvorfälle bewegen viele Besitzer dazu, ihr Tier abzugeben, wie Kraus Kollegin Christa Berlinger erzählt.

Beide Frauen appellieren daher an die Interessenten, sich die Anschaffung genau zu überlegen. Um ein Mofa zu fahren, brauche man eine Fahrerlaubnis. "Einen Hund aber kann sich jeder einfach so zulegen", sagt Berlinger. Sie plädiert für eine Art Hundeführerschein, der die Eignung des potenziellen Halters und seine Lebensumstände überprüft.

Lesen Sie hier: Unternehmen geht nicht ganz – Stück von Conti bleibt Roding erhalten

Beide Frauen beobachten, dass vor allem der Hund immer mehr zur Ware verkommt. Um Tiervermittlungen aus oberflächlichen Gründen entgegenzuwirken, vermittelt das Chamer Tierheim etwa in der Zeit um Weihnachten keine Tiere. „Tiere sind Lebewesen und als Weihnachtsgeschenk absolut ungeeignet“, sind sich beide einig.

Dass Hunde ausgesetzt werden komme hin und wieder zwar vor, sei aber im ländlichen Raum eher noch selten. Hingegen noch gut im Gedächtnis ist den Mitarbeitern des Tierheims eine Do-Khyi-Hündin, die vor einigen Wochen im Raum Waldmünchen aufgegriffen wurde.

Do-Khyi-Hündin ausgesetzt

Laut Kraus sei das Tier etwa drei Monate zwischen Waldmünchen und Ast herumgestreunt, ehe sie eingefangen werden konnte. Durch die Chipnummer konnte zumindest herausgefunden werden, dass das Tier von einer Züchterin stammt. Dennoch ist es bisher nicht gelungen diese ausfindig zu machen.

Ebenso wenig konnte der Besitzer ermittelt werden und das obwohl die Hündin mehrere tausend Mal bei Facebook geteilt und in der Tagespresse abgedruckt wurde. An den Besitzer gerichtet, weisen die Tierheim-Mitarbeiter darauf hin, dass das Aussetzen eines Tieres eine Straftat ist und appellieren an die Allgemeinheit, sich in jedem Fall mit dem Tierheim in Verbindung zu setzen.

Weitere zu vermittelnde Hunde sind auf der Homepage des Tierheims Cham zu finden.

Labrador-Border-Collie-Mix: Milo wurde im Dezember 2020 geboren. Er sucht ein neues Zuhause.
Do Khyi: Diese Hündin irrte wochenlang im Waldmünchener Raum verzweifelt umher. Auch sie sucht ein liebevolles Zuhause.
Cane Corso Italiano: Thor, wurde im Mai 2021 geboren und ist Kinder gewöhnt. Sein Besitzer sollte hundeerfahren sein.
American Staffordshire Terrier: Tyson, 5 Jahre, kam aus persönlichen Umständen ins Tierheim. Er liebt Menschen über alles und ist mit Kleinkindern aufgewachsen.