Nach der Hiobsbotschaft 2019: Unternehmen geht nicht ganz – Stück von Conti bleibt Roding erhalten

Es war die Schockbotschaft des Jahres 2019 für die Stadt Roding und den gesamten Landkreis Cham: Das Filialwerk der Weltfirma Continental am Eisenhart schließt komplett bis 2024 die Tore – über 500 Arbeitsplätze fallen weg! Die Schockwelle lief noch durchs ganze Folgejahr 2020 – viele Versuche, den Konzern umzustimmen, scheiterten. Heute ist klar: So ganz geht Conti auch 2024 nicht.
Denn die Tochter des Hannoverschen Konzerns, die 2021 per Spin-Off abgespalten wurde, bleibt mit 80 Arbeitskräften in Roding, wie jetzt Vitesco-Sprecherin Simone Geldhäuser auf Nachfrage bestätigte. In der Sparte Vitesco Technologies wurde die gesamte Antriebssparte von Continental zusammengefasst und auf eigene Füße gestellt, wobei der Konzern weiterhin per Aktienpaket beteiligt ist.
Zudem hält das Unternehmen Schäffler bereits große Teile der Vitesco-Aktien und kauft weitere dazu, um die selbstständige Conti-Tochter mit etwa 38000 Beschäftigten komplett zu übernehmen. Die Familie Schäffler wiederum hält bereits fast 50 Prozent der Conti-Aktien.
„Bleiben langfristig“
Wie Simone Geldhäuser weiter erläuterte, bleibe Vitesco Technologies (VT) mit dem Bereich VT Agile Engineering mit etwa 80 Mitarbeitenden „langfristig“ auf etwa 800 bis 900 Quadratmeter Bürofläche im Verwaltungsgebäude in Roding sowie auf etwa 2000 Quadratmetern mit Test- und Laborflächen vertreten. Somit bleibt ein Teil von Continental am Standort bestehen, der als Immobilie mit der Ausgliederung der Antriebssparte und der Neugründung von Vitesco in den Besitz des neuen Unternehmens übergegangen ist.
Somit bleibt mehr Leben am Eisenhart, als erwartet – und Vitesco macht seinem Namen, der vom lateinischen Vita für Leben abgeleitet ist, alle Ehre. Roding bleibt also einer von gut 50 Vitesco-Standorten mit Hauptsitz in Regensburg. Ziel des Unternehmens ist es, eine international führende Rolle in der Elektrifizierung von Fahrzeugen zu spielen.
Der Standort in Roding hat sich laut Vitesco-Sprecherin mittlerweile gut entwickelt. Vitesco Technologies habe sich seit der Bekanntgabe, dass das Werk in Roding geschlossen wird, stets offen gegenüber potenziellen Partnerschaften für eine weitere Auslastung des Standortes gezeigt – „mit Erfolg“, so Geldhäuser. Von den rund 18000 Quadratmetern Fläche am Standort konnten – „Stand heute“ – bereits wieder 70 Prozent an fünf unterschiedliche Nutzer vermietet werden, teilte sie vor kurzem mit.
„Erster Mieter war bereits im Jahr 2020 die Firma AVL Software and Functions GmbH, welche dort auf Teilflächen ein Mobilitäts- und Sensorzentrum einrichtete.“ Ein weiterer Mieter sei die Rodinger Fima PCI GmbH, der Firma, die zuletzt mit dem Schimmelschock bei der VOX-Sendung „Höhle der Löwen“ Schlagzeilen machte. „Durch die aktive Vermietung von Flächen fördert Vitesco Technologies die Entstehung neuer Arbeitsplätze am Standort Roding“, so Geldhäuser.
Auch viele Vitesco Technologies-Mitarbeitende – und damit ehemalige Conti-Beschäftigte – hätten vor Ort eine neue Beschäftigung gefunden, sagt die Unternehmensvertreterin.
Keine Reaktion in Hannover
Mit Vitesco und der Neuansiedlung von AVL ist das 2019 angekündigte Aus zwar nicht ausgeglichen, doch zumindest sind ein Teil der Arbeitsplätze geblieben. Das Werk stellte bis 2019 hydraulische Komponenten und Pumpen für Benzin- und Dieselmotoren her.
AVL, das wie Conti erhebliche Fördergelder für die Ansiedlung am Rodinger Standort bekam, will hier langfristig 100 Arbeitsplätze ansiedeln. Das Unternehmen hat sich auf die Erprobung von autonomem Fahren spezialisiert und zuletzt das AVL Mobilitäts- und Sensorzentrum in Roding eröffnet. 2019 hatte der Autozulieferer Continental angekündigte Sparmaßnahmen mit Standortschließungen und Entlassungen umgesetzt.
Das Unternehmen werde die Produktion mit seinen derzeit 540 Beschäftigten im Jahr 2024 einstellen, bestätigten Conti-Konzernvertreter im Oktober 2019 bei einer Betriebsversammlung in Roding an. Dabei waren davor bereits Stellen abgebaut worden – in Spitzenzeiten hatte Conti über 800 Arbeitnehmer.
Die Conti-Pläne hatten zu weitreichenden Protesten im Landkreis und darüber hinaus geführt. So waren rund 150 Mitarbeiter aus den bayerischen Continentalwerken nach Hannover gereist, um ihrem Unmut Luft zu machen. Zusammen mit Hunderten Kollegen anderer deutscher Standorte protestierten sie damals vor der Konzernzentrale gegen Werksschließungen und Stellenabbau.
Gewerkschaft wie Politik hatte einhellig den Weiterbetrieb von Roding gefordert. „Wir kämpfen weiter für den Erhalt des Standorts Roding und erwarten konkrete Antworten auf unser Konzept für eine Weiterführung“, kommentierte die damalige Regensburger IG-Metall-Bevollmächtigte Olga Redda die Beschlüsse.
Roding sei bestens geeignet für die Produktion von Elektromotoren und Komponenten für Hybrid- und Elektroantriebe. Bayerns damaliger wie heutiger Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte für März 2020 einen Runden Tisch angesetzt, bei dem Alternativen zur Stilllegung erörtert werden sollten. „Der Entschluss ist vor allem für die Mitarbeiter und ihre Familien wie für die gesamte Region ein schwerer Schlag. Ich bin enttäuscht von dieser Entscheidung, nachdem wir für Frühjahr 2020 weitere Gespräche zur Sicherung des Standortes vereinbart hatten", hieß es dann seitens des Wirtschaftsministers.
Doch, wie zu hören war, kamen die Chamer oder auch Münchener Anrufer nicht einmal übers Chefsekretariat von Conti in Hannover hinaus. Die Konzernleitung blieb hart – der Schließungsplan bestehen.
