Landwirte demonstrierten ihre Bedeutung – Bauernjahrtag brachte die Bürger zusammen

Von Josef Kastl · 16. Januar 2024 um 11:00

Seit 134 Jahren feiert die Christliche Bauernbruderschaft Neustadt a.d. Donau ihren Zusammenhalt. In diesem Jahr wurde der Jahrtag wieder zu einer Demonstration des Zusammenhalts und der Bedeutung der Landwirtschaft.

Der „Bauernjahrtag“ am zweiten Samstag im Januar ist traditionell die erste gesellschaftliche Großveranstaltung in Neustadt a.d. Donau. Zahlreiche Vereine, Vertreter aus Politik und Wirtschaft bringen durch die Teilnahme ihren Zusammenhalt mit den Bauern zum Ausdruck. Die derzeitigen politischen Diskussionen zeigen, wie aktuell der Vereinszweck des mit rund 970 Mitglieder größten Neustädter Vereins ist.

Eisiger Wind wehte um 9.30 Uhr durch die Straße zwischen Bürgerhaus und Rathaus. Im Windschatten der Hauseingänge sammelten sich immer mehr Menschen mit ihren Fahnenabordnungen. Einige hatten sich bereits seit 8 Uhr beim Weißwurstfrühstück im Bürgersaal gestärkt.

Die Neustädter Feuerwehr stand mit zwei Einsatzfahrzeugen und blinkendem Blaulicht am Straßenrand. Mancher Passant dachte an die aktuellen Bauernproteste. Um 9.30 Uhr setzte sich tatsächlich ein Demonstrationszug, angeführt von der Kapelle Ochsentreiber, in Bewegung und querte die Herzog-Ludwig-Straße vom Rathaus in Richtung Albrecht-Rindsmaulstraße.

Mitglieder von 15 Vereinen aus Neustadt und den Ortsteilen, dazu Bürgermeister, Stadträte, Vertreter des Landkreises Kelheim, Handwerker und Dienstleister begannen die traditionsreiche „Demonstration ihres Zusammenhalts“. Ihr Weg führte über die Dr. Balster-Straße und Herzog-Ludwig-Straße zum südlichen Kirchenportal der Pfarrkirche St. Laurentius am Kirchplatz.

Zusammenhalt betont

Der Gedenkgottesdienst begann mit einem Lied der Ochsentreiber. Die weiteren Lieder stimmte der Landfrauenchor unter Anita Schemm an. „Mit der Feier des Gottesdienstes demonstrieren wir unseren Glauben. Er hält die wichtigen Dinge des Lebens zusammen und stellt sie erst an den richtigen Platz“, führte Stadtpfarrer Thomas Stummer an.

Frauen der Christlichen Bauernbruderschaft stellten in den Fürbitten die Landwirtschaft und die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln in den Mittelpunkt. Die Namen der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder aus allen Ortsteilen der Gemeinde zeugten von der gesellschaftlichen Größe des Vereins.

Der anschließende Festzug führte die rund 150 Frauen und Männer über den Stadtplatz zum Bürgersaal. Hans Ostler, der Vorsitzende der Bauernbruderschaft, ging nach Begrüßung der Ehrengäste auf die aktuellen Bauern-Proteste ein. „Unsere Bauernbruderschaft bedeutet Tradition. Tradition und Brauchtum sind nicht nur unsere Wurzeln, sondern steht auch für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Gerade in der derzeitigen politischen Lage dürfen wir diesen nicht verlieren“, betonte er. Denn jede Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktionskosten führe zu höheren Lebensmittelpreisen und damit zu Importen von billigen Lebensmitteln aus dem Ausland. „Ist das dann wirklich nachhaltig?“

Hartnäckigkeit gelobt

Erster Bürgermeister Thomas Memmel lobte die Bauern für „deren Hartnäckigkeit, Respekt und Disziplin. Denn die Wertschätzung für die Landwirtschaft ist abhandengekommen. Es geht darum, Grenzen aufzuzeigen, aber selbst nicht Grenzen zu verletzen.“

Stellvertretender Landrat Wolfgang Gural dankte der Bauernbruderschaft für die Pflege der Tradition und für deren Disziplin bei der Einhaltung der vorgegebenen Auflagen während der Blockaden und Demonstranten im Landkreis Kelheim.

Sodann leiteten die Ochsentreiber mit ihrer bodenständigen bayerischen Musi den gemütlichen Teil des Bauernjahrtags ein. Stadtheimatpfleger Edi Albrecht brachte dabei mit seinen Gstanzln so manche Anekdote aus dem Rathaus und der 750-Jahr-Feier im vergangenen Jahr ans Licht.

Und während viele Gäste bei Kaffee und Kuchen einen Ratsch „über Gott und die Welt“ führten, gab es für die Tänzer in Dirndl und Lederhosen kein Halt mehr. Zwiefache, Walzer, Dreher und Polka sorgten für einen vollen „Danzbodn“. Faschingsstimmung brachte Michaela Buchner, Präsidentin der Spumantia, mit der Mini- und der Jugendgarde sowie dem Kinderprinzenpaar Pia I. und Lukas I. in den Bürgersaal.

Die Organisatorinnen Birgit Reisinger und Walburga Necker mussten kurzfristig die Sitzplätze für den Ball am Abend erweitern. 200 Gäste, Landwirte und deren Freunde und Bekannte aus der Großgemeinde, sorgten in eleganter Abendkleidung den ganzen Abend zur Musik der Band Onesee für eine volle Tanzfläche. Eine Tanzpause mussten sie einlegen, als die „Marchinger Showgirls“ auftraten.

Die Ochsentreiber spielten zum Tanz auf. Foto: Kastl
Der Landfrauenchor unter Leitung von Angelika Schemm umrahmte den Gottesdienst. Foto: Kastl
Stadtheimatpfleger Edi Albrecht brachte mit Gstanzln die Gäste zum Schmunzeln. Foto: Kastl