Nittenaus Amazon-Chef Dominik Ackermann sortiert selbst noch gern Pakete

Mit einer Lehre zum Industriekaufmann beim Fensterhersteller Höhbauer in Luhe begann Dominik Ackermanns Karriere in der Logistik. Mittlerweile hat er einen Arbeitgeber, der weltweit 1,5 Millionen Menschen beschäftigt: Der 36-Jährige leitet den Amazon-Standort in Nittenau – und sortiert hier auch selbst noch gern Pakete.
Im Sommer 2022 nahm das Verteilzentrum an der Brucker Straße – eines von rund 60 in Deutschland – seinen Betrieb auf. Bis zu 30000 Pakete sollen hier auf gut 5000 Quadratmetern Hallenfläche täglich sortiert, in Liefergebiete eingeteilt und dann zugestellt werden. Rund 100 Mitarbeiter, davon gut 80 in Festanstellung, kümmern sich im Drei-Schicht-Betrieb um einen reibungslosen Ablauf, damit das Heer von Paketboten ab dem späten Vormittag ausschwärmen kann.
80 Kilometer Anfahrt nach Nittenau
Bevor Ackermann morgens das Amazon-Gelände betritt, hat er schon 80 Kilometer Anfahrt hinter sich: Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Eschenbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. In der Region ist er auch aufgewachsen. Nach seiner Lehre und einer Fortbildung zum Industriefachwirt wechselte Ackermann zum Elektronikhändler Conrad in Wernberg, wo er als Logistik-Teamleiter einstieg. Es folgte noch ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Logistik. Nach einer weiteren Station bei ATP Autoteile in Pressath wechselte Ackermann schließlich vor dreieinhalb Jahren zu Amazon, und zwar als Lager-Bereichsleiter am Standort Bayreuth, der dort gerade neu geschaffen wurde. „Es hat mich fasziniert, das Lager in Betrieb zu nehmen“, sagt Ackermann.
Logistik gefiel ihm schon immer
Als die Planungen für den Neubau des Amazon-Verteilzentrums in Nittenau anliefen, wurde ihm der Posten des Standortleiters angeboten. Er habe nicht lang überlegen müssen. „In Franken war es schön, aber noch schöner ist es in der Oberpfalz. Und Logistik ist das, was mir schon immer gefallen hat“, sagt Ackermann.
Sein Arbeitgeber Amazon beschäftigt deutschlandweit mittlerweile rund 36.000 Mitarbeiter – und steht aus vielen Gründen immer wieder in der Kritik, zum Beispiel, wenn es um Arbeitsbedingungen und Löhne geht. Doch Ackermann nimmt negative Kommentare sportlich. Er habe das Gefühl, dass sich die öffentliche Wahrnehmung in letzter Zeit wandle – Ressentiments gegenüber Amazon hätten abgenommen, findet er.
Belegschaft ist „divers aufgestellt“
Ein Zeichen dafür ist aus seiner Sicht auch, dass er keine Probleme hat, Arbeitsplätze in Nittenau zu besetzen. „Wir tun uns leicht, gute Leute zu finden“, sagt er. Mittlerweile würden freie Stellen durch Mund-zu-Mund-Propaganda der Angestellten neu besetzt. Auch bei Studenten sei der Amazon-Standort Nittenau sehr beliebt. Menschen aus 16 Nationen gehörten zur Belegschaft, die meisten von ihnen seien zwischen 30 und 40 Jahre alt, doch es gebe inzwischen auch schon einige ältere Kollegen um die 60. Der Frauenanteil liege bei rund 40 Prozent. „Wir sind bei Amazon sehr divers aufgestellt. Das ist auch eine unserer Stärken, und nur mit respektvoller Zusammenarbeit ist es möglich, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Ackermann.
Mit allen Kollegen per Du
Mit seinen Mitarbeitern ist der 36-Jährige per Du – so wie das bei Amazon üblich sei. Das „Sie“ gegenüber dem Chef wegzulassen, sei für manche neue Kollegen anfangs ziemlich schwierig, doch er erinnere sie jedes Mal aufs Neue ans Du, sagt Ackermann schmunzelnd. Dass Kritik offen geäußert werden könne, sei ihm wichtig. „Ich will keine Ja-Sager. Ich will es erfahren, wenn etwas im Argen liegt und auf Augenhöhe miteinander sprechen“, sagt er.
Wenn er frühmorgens seinen Dienst Antritt, verschafft er sich zuerst einmal einen Überblick über die Situation im Lager, nimmt Termine wahr, prüft Kennzahlen – und springt im Notfall auch selbst beim Sortieren der Paket ein, wenn die Kollegen Unterstützung brauchen. „Ich arbeite gern im Lager mit. Acht Stunden am Tag nur vor dem Rechner zu sitzen, das wäre nichts für mich“, sagt Ackermann.
Deshalb macht es ihm auch Spaß, Besuchergruppen durch den Standort zu führen und ihnen die Abläufe zu erklären. Überhaupt: Kontakte vor Ort zu pflegen, ist Ackermann wichtig, zum Beispiel zu den Rathauschefs in Nittenau und Bruck oder zur örtlichen Feuerwehr – oder zu Bürgern, die Probleme haben.
Wenn sich jemand zum Beispiel über Amazon-Fahrer ärgere, nehme er solche Hinweise ernst und versuche, Probleme im Gespräch zu lösen. „Eine gute Nachbarschaft ist mir sehr wichtig“, sagt er.