Nach Unfall: Familie warnt vor Amazon-Boten und fordert mehr Sicherheit

Bis zu 30.000 Pakete wandern täglich durch das Amazon-Logistikgebäude in Nittenau (Landkreis Schwandorf). Rund 250 Fahrer verteilen sie in der Region – einige von ihnen offenbar mit rasantem Fahrstil, wie ein Unfallopfer berichtete. Jetzt arbeiten Stadt und Amazon an einer Lösung.
Recep Demirtas aus Bruck hat den Schock mittlerweile verdaut:Seine Tochter war kürzlich in Nittenau in einen Unfall mit einem Amazon-Lieferwagen verwickelt.Laut Polizei hatte ein 22-jähriger Paketbote, der aus Richtung Bruck den Amazon-Standort ansteuern wollte, beim Linksabbiegen den BMW der entgegenkommenden 20-Jährigen übersehen. Es kam zur Kollision, bei der die junge Frau glücklicherweise nur leichte Verletzungen davontrug.
Ihr Vater wird diesen Tag dennoch so schnell nicht vergessen: Als seine Tochter Derya ihn an jenem Samstagabend gegen 20.45 Uhr auf dem Heimweg von der Arbeit anrief und ihm sagte, sie habe gerade einen Unfall gehabt, rutschte ihm vor Schreck das Herz in die Hosentasche. Sofort setzte er sich ins Auto und fuhr zur Unfallstelle, um seiner Tochter beizustehen. Alle dreiAirbags in ihrem 1er BMWhätten ausgelöst gehabt und sie vor schlimmeren Verletzungen bewahrt, sagt er. Sie wurde zwar mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, konnte es aber nach ein paar Stunden wieder verlassen, benötige aber aufgrund eines HWS-Syndroms noch Physiotherapie.
Frage nach dem Unfall: War der Amazon-Fahrer viel zu schnell unterwegs?
Dass der Amazon-Fahrer nach dem Unfall persönlich bei ihnen zuhause vorbeikam, um sich zu entschuldigen, rechnen Vater und Tochter dem jungen Mann hoch an. So ein Unfall könne natürlich passieren, sagen die beiden. Doch Recep Demirtas macht sich große Sorgen, dass sich solche Vorfälle mit Amazon-Paketboten wiederholen könnten. Er habe in letzter Zeit häufig beobachtet, dass Fahrer in Nittenau und Bruck viel zu schnell unterwegs seien und sich nicht an Verkehrsregeln hielten. Das müsse sich so schnell wie möglich ändern, findet Demirtas.
Mit dieser Meinung steht der Familienvater nicht allein da. In den sozialen Medien kommentierten zahlreiche User den Unfall beim Amazon-Standort mit teils drastischen Worten. „Es musste ja so kommen, die Amazon-Fahrer fahren – Entschuldigung für den Ausdruck – wie die gesenkten Säue“, schrieb ein User. Ein anderer wies darauf hin, dass er aufgrund des riskanten Fahrverhaltens mancher Paketboten die Stadt Nittenau in der Pflicht sehe, etwas zu unternehmen.
Im Rathaus hat man sich des Themas bereits angenommen. „Uns fällt es schon teilweise auf, dass es leider ein paar schwarze Schafe unter den Amazon-Fahrern gibt“, kommentiert Bürgermeister Benjamin Boml (FW) auf Nachfrage. Er stehe deshalb mit dem Amazon-Standort in „regem und regelmäßigem Austausch“.
Stadt Nittenau ist mit dem Versandriesen Amazon schon im Gespräch
Erst vor ein paar Tagen habe ein gemeinsamer Termin stattgefunden – und das Unternehmen habe vorgeschlagen, dass die kommunale Verkehrsüberwachung regelmäßig an relevanten Straßen kontrollieren solle. „Es wird derzeit auch intern im Rathaus geprüft, wie und in welchem Maße das umgesetzt werden kann“, so Boml.
Gleichzeitig sei ihm von Amazon zugesichert worden, die Beschwerdepunkte gegenüber den Fahrern anzusprechen. „Ich hoffe deshalb auch sehr, dass dies eine Verbesserung bringt.“ Bei Amazon selbst betont man, sich um das Thema zu kümmern.
„Wir haben hohe Anforderungen an unsere Lieferpartner und daran, wie sie Pakete an unsere Kunden zustellen“, kommentiert ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. Fahrer, die für Amazon Pakete zustellten, erhielten zu Beginn Schulungen, unter anderem zur Sicherheit im Straßenverkehr. In der Fahrer-Lounge am Standort Nittenau seien darüber hinaus Monitore installiert, die mit konkreten Beispielen zu kritischen Verkehrssituationen und zum richtigen Verhalten zu mehr Verkehrssicherheit beitragen sollen. Man habe auch die Lieferpartner auf die Beschwerden hingewiesen.
Die Polizei registriert mehr Verkehr – sieht aber kein Problem, es gäbe kaum Beschwerden
Bei der Polizei Nittenau beobachte man die Entwicklungen ebenfalls, wie Stationsleiter Christian Allgeier bestätigt. Seit der Amazon-Eröffnung sei in Nittenau ein „erhöhtes Verkehrsaufkommen“ festzustellen. Dass manche Fahrer in 30er-Zonen zu schnell unterwegs seien, komme natürlich vor. „Von einem Problem kann man aber nicht sprechen“, betont Allgeier. Beschwerden aus der Bevölkerung kämen sehr selten vor. Grundsätzlich würde Allgeier es aber begrüßen, wenn sich die Kommunale Verkehrsüberwachung im Auftrag der Stadt mit den Amazon-Fahrern beschäftigen würde.