Mord in Parsberg: Dramatischer Zufall – auch vor 30 Jahren wurde hier eine Frau erstochen

Von Katrin Böhm · 15. Januar 2024 um 19:00

Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun, doch ist es ein besonders dramatischer Zufall: Vor 30 Jahren hat schon einmal ein Bulgare in Parsberg (Landkreis Neumarkt) eine Frau getötet – und zwar seine eigene.

Zur Erinnerung: Im Dezember vergangenen Jahres hat mutmaßlich ein 47-jähriger Bulgare in einer Parsberger Siedlung eine 48-jährige Bulgarin erstochen, der mutmaßliche Täter wurde wenig später tot im Wald gefunden. Ein weiterer Mann wurde bei der Attacke auf die Frau schwer verletzt.

Bulgare tötete seine Ehefrau

Eine ähnlich tragisch Geschichte hat sich im Mai 1993 in Parsberg zugetragen: Ein 26-jähriger Bulgare stand damals unter dringendem Tatverdacht, seine 23-jährige Ehefrau mit einem Messer umgebracht zu haben. Das Familiendrama trug sich in einem Haus in einer ruhigen Gegend zu. Augenzeugen gab es nicht, aber der Vermieter und Nachbar der getöteten Frau saß zum Tatzeitpunkt vor dem Fernseher, als er einen heftigen Streit und lauten Krach aus dem Nachbarhaus hörte.

Dann sah er, wie der 26-Jährige mit dem gemeinsamen einjährigen Kind des Paars auf dem Arm Richtung Stadtmitte davonlief und machte sich zunächst auf die Suche nach dem 26-Jährigen, weil ihm die Sache komisch vorkam. Mit dem Auto fuhr er durch die Stadt, um den Mann zu finden – kehrte dann aber wieder zurück.

Dort wollte er nach dem Rechte im Nachbarhaus sehen und sperrte die Tür mit einem Zweitschlüssel auf – im Schlafzimmer fand er die 23-jährige Frau blutüberströmt auf dem Bett. Sie erlag wenig später in einem Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Unterschlupf bei Freunden gesucht

Der 26-Jährige hatte – so ergaben damals die Ermittlungen der Polizei – zunächst Unterschlupf bei einer befreundeten Familie gesucht und sich dann zum Grenzübergang nach Waidhaus fahren lassen. Von dort wollte er sich vermutlich ins Ausland absetzen.

Das gemeinsame Kind indes nahm er nicht mit – die Eltern der getöteten Frau waren nach der Nachricht vom tragischen Tod ihrer Tochter nach Parsberg gefahren und nahmen das Enkelkind zu sich.

Die getötete Frau war wohl vielen Einheimischen zumindest vom Sehen her bekannt. Die 23-Jährige war kurz nach dem Fall der Mauer in den Westen gekommen. Anfangs wohnte sie in Neumarkt, dann arbeitete sie in einem Café in Parsberg. Ihren Mann hatte sie noch zu DDR-Zeiten bei einem Urlaub in Bulgarien kennengelernt. Als dieser dann auch nach Deutschland gekommen war, trennte sie sich von ihrem damaligen Partner und heiratete den 26-Jährigen.

Doch in der Ehe kriselte es und es stand eine Trennung im Raum – darin vermutete die Polizei auch das Tatmotiv.

Die Serie „Spektakuläre Kriminalfälle“:

Verbrechen: Früher war alles besser? Von wegen. Ob Mord, Totschlag oder Trickbetrügereien: Verbrechen gab es in Neumarkt schon immer, mal markerschütternd, mal eher kurios.

Vergangenheit: Unser Medienhaus greift in einer losen Serie spektakuläre Kriminalfälle der Vergangenheit auf.

Im Mai 1993 wurde eine 23-jährige Frau in Parsberg getötet.