Neumarkter wollte die Geliebte eines berüchtigten Ausbrecherkönigs erpressen

Von Katrin Böhm · 12. September 2023 um 11:00

Er wollte das ganz große Geld machen – doch dann landete ein 40-jähriger Neumarkter vor gut 30 Jahren doch nur im Gefängnis. Die Geschichte dahinter ist aber spektakulär: Es geht um den Ausbrecherkönig „Al Capone vom Donaumoos“, eine geheime Liebesbeziehung und einen inszenierten Banküberfall.

Neumarkter wollte Musiklehrerin erpressen

Bei einem seiner vielen Knast-Aufenthalte hatte der Neumarkter den damals in die Schlagzeilen geratenen Berufsverbrecher und Ausbrecherkönig kennengelernt – der erzählte ihm nicht nur von Ausbrüchen, sondern auch von seiner intimen Beziehung zu einer Musiklehrerin. Spitze, dachte sich der Neumarkter, damit ließe sich womöglich Geld machen, sobald er wieder draußen war. Und so suchte er im Laufe des Jahrs 1991 die Lehrerin gemeinsam mit einem Kumpel auf – die beiden gaben sich in Baby-Schimmerlos-Manier als Reporter und Fotograf aus.

Doch sie wollten keine Klatschgeschichte veröffentlichen, sondern wollten von der Frau 70000 Mark dafür haben, dass sie niemandem von der Beziehung der Lehrerin zu dem Verbrecher erzählen würden – denn davon wusste wohl kaum jemand. Sollte sie nicht zahlen, würden sie die vollständigen Namen aller Beteiligten veröffentlichen. Als die beiden jedoch Wind davon bekamen, dass sich die zunächst eingeschüchterte Lehrerin an einen Polizisten – ausgerechnet einen Justizbeamten – gewandt hatte, ließen sie die Frau in Ruhe.

Pfarrer und Angestellten niedergeschlagen

Geld sollte aber trotzdem in die klamme Kasse kommen. Und so dachte sich der Neumarkter einen neuen, vermeintlich sicheren Coup aus. Mit einem anderen Bekannten überfiel er eine Bank im Landkreis Rottal-Inn. Mit Wollmütze maskiert und Faustfeuerwaffen bewaffnet stümrten die beiden die Bank, in der sich neben zwei Angestellten auch der Ortspfarrer befand, den die Räuber kurzerhand niederknüppelten. Auch einen anderen Angestellten, der während des Überfalls den Schalterraum betrat, schlugen die beiden zu Boden.

Während der Neumarkter die beiden Männer mit seiner Waffe in Schach hielt und damit drohte, sie bei der geringsten Bewegung zu erschießen, ließ sich sein Komplize von einer Angestellten aus dem Tresor das gebündelte Bargeld aushändigen. Elf Säcke wurden mit Hartgeld gefüllt, auch Dollar und Schilling nahmen die Täter mit – insgesamt lag der Wert der Beute bei 50000 Mark.

Nach dem Überfall flüchteten die beiden mit einem Mercedes, den sie zuvor in München mit einem weiteren Kumpanen gestohlen hatten und versteckten sich auf dessen gemieteten Anwesen in der Nähe des Tatorts. Doch die Polizei kam den Männern auf die Spur und fand in dem Haus außerdem eine Pumpgun, eine Remington 870 mit abgesägtem Schaft und Lauf.

Im April 1993 verurteilte das Landgericht Landshut den Neumarkter wegen versuchter Erpressung, schwerer räuberischer Erpressung und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Haftstrafe von neun Jahren. Damit verlängerte sich der Gefängnisaufenthalt des Neumarkters einfach weiterhin – zum Zeitpunkt des Urteils saß er bereits wegen Bestechung in der Justizvollzugsanstalt Kaisheim ein.