Gauner trickste reihenweise Neumarkter Geschäftsleute aus – eine Bank sogar doppelt

Von Katrin Böhm · 30. Mai 2023 um 18:45

Früher war alles besser? Von wegen. Mord und Totschlag erschütterten Neumarkt immer wieder. Unser Medienhaus greift in einer Serie spektakuläre Kriminalfälle aus der Vergangenheit auf. In dieser Folge geht es um einen dreisten, aber selbstbewussten Trickbetrüger, der jede Menge Geschäftsleute in Neumarkt um ihr Geld brachte.

Ob Tankstellenbetreiber oder Banker, Autohändler oder Klamottenverkäufer – alle fielen sie auf ihn herein: Innerhalb eines Jahres hat ein 38-jähriger Mann vor 30 Jahren in Stadt und Landkreis Neumarkt sowie in Beilngries und Nürnberg 125000 Mark ergaunert. Reihenweise brachte er damals Unternehmer um ihr Geld.

Seine Masche: Er gab sich als erfolgreichen Unternehmer aus. Und das äußert selbstbewusst. Genau daran lag es wohl, dass es dem 38-Jährige gelungen war, immer wieder an viel Geld zu gelangen. Sein Auftreten ließ offenbar keinen Zweifel daran, dass es sich bei ihm um einen echten Macher handeln müsse – darauf ließen auch die Aufträge schließen.

Autotelefon für 15000 Mark, teure Klamotten, Goldschmuck

So ließ er, der angeblich wichtige Geschäftsmann, sich in einem Mietauto, das er unterschlagen hatte, für 15000 Mark ein Autotelefon einbauen – vor 30 Jahren ein ungeheurer Luxus, den nur wenige Menschen besaßen. Auch Goldschmuck oder teure Kleidung kaufte er in großem Stil, ohne mit der Wimper zu zucken – die Schecks, mit denen er bezahlte, waren allerdings das Papier nicht das wert.

Großspurig lud er Bekannte zum Essen und Trinken ein – und zahlte dafür auch mal 650 Mark in einem Tanzcafé. Immer wieder überreichte er überhöhte Schecks und kam so auch noch zu Bargeld, weil er sich den Differenzbetrag auszahlen ließ.

70000 Mark Kredit bei Neumarkter Bank eingestrichen

Den Vogel schoss aber der Fall bei einer Neumarkter Bank ab. Dort ließ er sich einen Kredit über 40 000 Mark ausstellen, um damit seinen neuen Mercedes zu finanzieren – das zumindest erklärte er damals in dem Kreditinstitut. Die Rückzahlung des Darlehens versprach er innerhalb von vier Wochen, weil er dann eine größere Zahlung erwarte. Und was machte die Bank? Sie glaubte dem Mann, ohne seine Aussagen zu überprüfen – und händigte dem Mann das Bargeld in gewünschter Höhe aus.

Doch damit nicht genug: Der Mann besaß die Dreistigkeit, nach acht Wochen ganz selbstverständlich wieder in der Bank aufzutauchen.

Er erzählte den gutgläubigen Bankern, dass die Zahlung sich noch etwas verzögere – und ließ sich einen neuen Kredit über 30 000 Mark geben. Mit dem Geld in der Tasche verschwand er – danach waren weder er noch die 70000 Mark wieder gesehen.

Nach monatelanger Fahndung gelang es der Polizei schließlich, den Mann festzunehmen. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Nürnberg wurden dem Mann 45 Fälle von Betrug vorgeworfen verurteilt wurde er im Februar 1993 zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis.