Was hat der Bauernprotest bislang gebracht? Landwirte ziehen Fazit am großen Feuer in Neumarkt

Das Feuer des Protests weiter am Lodern halten: So muss man das Bild verstehen, das sich am Sonntagabend am östlichen Ortsrand von Neumarkt zeigte. Auf einem Acker brannte ein großes Feuer. Außen herum parkte eine große Anzahl von Traktoren. Am Feuer wärmten sich die protestierenden Landwirte und nutzten die Gelegenheit, die Protestwoche zu resümieren und nach vorne zu blicken.
Unter dem Motto „Das Feuer, das verbindet“ hatte der Verein „Landwirtschaft verbindet Bayern“ eingeladen. Gekommen waren Landwirte, Sympathisanten und solche, die einfach das Feuer begeisterte. Es war ein wesentlich gemütlicherer Rahmen für den Protest als zuletzt bei den großen Demos auf dem Neumarkter Volksfestplatz oder in München und Nürnberg.
Für den kleinen Daniel waren es nur die Flammen, die ihn zu dieser später Stunde auf den Acker brachten. Landwirtschaftspolitik? Der Junge lächelt verlegen an der Hand des Vaters. Dieser hingegen erklärt, dass er durchaus mit der Sache der Bauern sympathisiere. „Ohne sie gibt es keine nachhaltige, regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln. Man muss ihre Sorgen ernst nehmen“, sagt der Neumarkter, der ansonsten zur Landwirtschaft keine Verbindung hat. Er plädiert dafür, dass die Regierung die geplanten Kürzungen komplett zurücknimmt.
Landwirte spüren Unterstützung aus der Bevölkerung
Viel Unterstützung aus der Bevölkerung habe er in den vergangenen Tagen gespürt, resümiert Landwirt Xaver Eichenseer eine ereignisreiche Woche. Der Milchviehhalter aus Dantersdorf (Gemeinde Velburg) war in München bei der großen Kundgebung. Der Rückhalt sei größer gewesen, als er es vermutet hätte. „Da waren Menschen, die gar nicht von den Kürzungen betroffen waren. Aber alle vereint die Stimmung: Es reicht.“ Die Belastungen stiegen für viele.
Die Ampelkoalition habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagt Josef, der selbst aus einer Landwirtschaft stammt, aber inzwischen als Handwerker sein Brot verdient. Aber, Josef wie Xaver Eichenseer sind sich auch in einem einig: Das Fass ist bereits in den vergangenen Jahrzehnten voll gelaufen. Sprich, frühere Regierungen haben ihren Teil zur heutigen Lage beigetragen − davon viele Jahre solche mit der Union an der Spitze. Dass diese nun den Schwarzen Peter allein bei der Ampelkoalition sieht, kommentiert Josef: „Politiker...“
Es geht Landwirten um Wertschätzung
Die geplanten Kürzungen mögen der Anlass für den Protest gewesen sein, der tiefere Grund sind sie nicht. Das ist immer wieder zu hören. „Kürzungen weg und alles ist gut? Das wäre mir zu wenig“, sagt Xaver Eichenseer. Die Problemlage ist komplex. Es geht natürlich ums Geld. „Deutschland hat kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem“, sagt Eichenseer und fordert von der Politik, die finanziellen Mittel auf die wichtigen Dinge zu fokussieren.
Aber neben dem Finanziellen geht es auch um den enormen Strukturwandel in der Landwirtschaft und damit verbundene Ängste, es geht um die überbordende Bürokratie und es geht vor allem um mangelnde Wertschätzung, so lassen sich die Gespräche mit Eichenseer, Josef und anderen zusammenfassen.
„Wir sind die Tierquäler und Umweltverschmutzer für viele“, sagt ein junger Landwirt und meint damit verkürzt jene Menschen, die eine seiner Ansicht nach verklärte Sicht haben, wie Landwirtschaft zu sein habe. Zehn Kühe auf der Weide, die Milch mit der Hand gemolken: So funktioniere Landwirtschaft schon seit den 1950er Jahren nicht mehr, spitzt der junge Bauer zu.
Wie geht es mit Bauernprotesten weiter?
Mit modernen Mitteln hätte sich eine Mehrheit der Landwirte nicht nur der Nahrungsmittelproduktion verschrieben, sondern auch der Landschaftpflege und dem Umweltschutz. Aber das werde oftmals nicht gesehen, weil es dazu Kenntnis der Zusammenhänge brauche, sagt der junge Mann.
Eine Woche Proteste wird an den Problemen und Sorgen der Landwirte nichts auf die Schnelle ändern. Ein Erfolg waren die vergangenen Tage aus Sicht von Xaver Eichenseer aber dennoch: Die Landwirte und ihre Anliegen seien jetzt sichtbarer.
Was kommt noch? Am Montag stand zunächst die größte Protestkundgebung bisher in Berlin an. Danach müsse man sehen, sagt Eichenseer. Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner hatte zuletzt das Szenario skizziert, die Landwirte könnten Infrastruktur wie etwa die Lebensmittelversorgung blockieren. „Da muss man erstmal sehen, was damit genau gemeint ist“, sagt der junge Landwirt zurückhaltend. Und Eichenseer gibt zu bedenken: Man müsse aufpassen, dass die Stimmung sich nicht gegen die Bauern wende.
Josef glaubt, dass die Proteste weitergehen und fügt lachend an: „Eines ist klar: Man merkt, dass da kein Landwirt in der Regierung sitzt. Sonst hätten die gewusst, dass es jetzt gerade für Bauern nicht so viel zu tun gibt wie im Sommer.“ Es bleibt Zeit für Protest.

