Kurs im MGH in Waldmünchen: Aus Lilienblättern Körbchen flechten

Von Martin Hladik · 11. Januar 2024 um 11:00

Der Blick von Altenschneeberg auf Hügelwelten um den Cerchov ist fantastisch. Unter anderem die landschaftliche Schönheit hat die 64-jährige Anna Braun und ihren Mann 2009 bewogen, von Hamburg in ein Häuschen in der Dorfmitte von Altenschneeberg zu ziehen. Dort baute sich Braun eine Töpferwerkstatt auf und gibt dort auch Kurse.

Doch um die Töpferei geht es diesmal gar nicht. Während unseres Gespräches am Küchentisch dreht Anna Braun immer wieder einen Grashalm zusammen. Langsam wird daraus eine kräftige Kordel. Fast unterbewusst macht sie das, während sie mit dem Reporter redet.

Tassen mit Holzgriff sind ihr Markenzeichen

Darauf angesprochen, erzählt sie, dass sie sich das angewöhnt habe. Sie mache das auch, wenn sie ihre Keramikprodukte verkauft, zum Zeitvertreib. Zuletzt war sie beispielsweise auf den Weihnachtsmärkten auf Schloss Guteneck, aber auch auf den Märkten in Cham, Waldmünchen und Tiefenbach. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Frau mit den charakteristischen Keramiktassen mit Holzgriff, für die sie bekannt ist.

Die Kordeln die Braun da wie nebenbei dreht, sind ihre neue Leidenschaft mit der sie sich seit 2023 beschäftigt. „Wahrscheinlich haben sich die Nachbarn im Frühjahr gewundert, warum ich überall Löwenzahnstängel gesammelt habe“, sagt Braun. Die Stengel könne man trockenen. Wieder angefeuchtet, ließe sich damit wunderbar flechten. Die Kordeln seien die Grundlage dafür.

Infoabend im Mehrgenerationenhaus

Das gehe mit verschiedensten Naturmaterialien und sei eine uralte Kulturtechnik. Was man nutzen kann und was daraus entsteht, das will Braun allen Interessierten zeigen. Deswegen bietet sie am Freitag von 17 bis 18 Uhr einen Infoabend im Mehrgenerationenhaus in Waldmünchen an. Hier will sie Interessenten für einen Kurs gewinnen, in dem man kleine Körbchen aus Taglilien herstellt. Taglilien sind eine Gartenpflanze mit roten und gelben Blüten, deren getrocknete Blätter sich gut eigenen um damit zu flechten. „Ich hab den ganzen Boden voll!“, sagt Braun.

Die kleinen Täschchen und Körbe sind zum Beispiel eine hübsche Verpackung für kleine Geschenke oder eignen sich, um damit eine kleine Vase einzuflechten, um sie beispielsweise an der Wand aufzuhängen.

In ihrem Arbeitsraum zeigt Anna Braun eines der netten, kleinen Körbchen an einer langen Schnur. Das Körbchen bestehe aus verschiedenen Materialien , erklärt sie. Das Grundgerüst sei aus getrockneter Weidenrinde. In dieses Gerüst hat sie wie bei einem großen Korb Taglilienblätter eingeflochten. Das Band wiederum ist aus Bast, weil der am stabilisten sei. Ein kleines Rädchen aus Rotholz dient zur Verzierung und der Knopf zum Verschließen des Körbchen ist aus Holunder. Da beide Holzarten innen hohl seien, müsse man dafür nicht einmal bohren, sagt Braun mit einem Schmunzeln.

Sie habe mit vielen Materialien experimentiert, wie sie sich zum Flechten eignen, berichtet sie. „Angefangen habe ich mit Brennnesseln!“ An einem Fenster ihres Arbeitsraumes hängen weitere Materialien. Entdornte Brombeerranken eigneten sich gut für die Körbchen und die beim Herbstputz im Garten angefallenen Haselnussästchen. In Bündeln hängen aber auch Taglilienblätter, Gladiolenblätter, die Blätter der Sumpfiris und getrocknete Löwenzahnstängel an der Wand. Auch verschiedene Gräser könnten genutzt werden, allerdings müsse man da aufpassen, manche würden im getrockneten Zustand zu leicht brechen. Die Jelängerjelieber-Pflanze, das Geißblatt mit seinen Ranken, eigne sich ebenfalls hervorragend.

Das Material gibt es überall umsonst

Ein neues Geschäftsfeld will die Töpferin allerdings nicht aus dem Flechten mit Naturmaterialien machen. Dafür kosteten die kleine n Deko-Objekte zu viel Arbeit. Das würde keiner bezahlen. Und genau das sei der Reiz an diesen Dingen. Die Materialien gebe es überall kostenlos, man müsse sich nur die Mühe machen und etwas Schönes daraus herstellen. Das Wissen, dass sie sich dazu angeeignet hat, will Braun gerne weitergeben.

In ihrer Töpferwerkstatt sei sie gut im Geschäft. Sie habe Aufträge bis März. Zudem gibt sie auch hier Kurse. Wer Interesse hat, sollte sich die Internetseite Keramikundholz.de ansehen.

Verschiedene getrocknete Pflanzen hängen vor dem Fenster.