Rätselraten um Vergewaltigung in Neutraubling: Mutmaßliches Opfer schwänzt Prozess

Von Philip Hell · 9. Januar 2024 um 15:00

Ein 39-Jähriger aus Regensburg steht seit gestern vor dem Landgericht Regensburg, weil er im Sommer vergangenes Jahr eine Frau aus Neutraubling (Landkreis Regensburg) vergewaltigt haben soll. Am ersten Prozesstag hätte die Geschädigte gehört werden sollen – die Frau tauchte jedoch nicht auf.

Die Vorwürfe der Anklage: Der 39-Jährige soll sich an einem Juli-Abend mit dem Lebensgefährten der Neutraublingerin betrunken haben. Kurz nach Mitternacht gab er laut Staatsanwaltschaft vor, auf die Toilette zu müssen. Stattdessen soll er sich in das Schlafzimmer geschlichen haben, in dem die Frau schlief. Der 39-Jährige, so der Vorwurf, hielt die Frau an den Armen fest und vergewaltigte sie.

Die Neutraublingerin soll erwacht sein, ihr sei es gelungen, den Mann wegzustoßen. Der Angeklagte soll in der Folge „fluchtartig“ das Haus verlassen haben. Er sei in sein Auto gestiegen und zu seiner Wohnung in Regensburg gefahren, so der Vorwurf. Dabei soll er den Ermittlern zufolge rund 1,4 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Das ergab eine Untersuchung nur Stunden nach der Tat.

Vergewaltigung in Neutraubling? Gericht erreicht Opfer nicht

Richter Alexander Guth berichtete zum Prozessauftakt davon, dass es schwierig sei, die Geschädigte zu erreichen. Diese befinde sich im Ausland und sei für das Gericht bislang nicht greifbar gewesen. Eigentlich hätte die Frau gestern aussagen sollen – sie erschien jedoch nicht. Auch ihr Lebensgefährte trat nicht wie geplant in den Zeugenstand. Über einen Mittelsmann hätten die beiden den Behörden mitteilen lassen, dass sie im Mai wieder in Deutschland seien. Richter Guth betonte: „Wir hätten diverse Fragen an die Zeugin.“ Das angebliche Vergewaltigungs-Opfer habe sich bei der Polizei in Widersprüche verstrickt.

Der 39-jährige Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Demnach habe er das Paar im Sommer vergangenes Jahr kennengelernt. Er sei bei ihnen in der Wohnung gewesen, um den Fernseher einzurichten. Das Dreiergespann habe getrunken, es lief Musik. Die Frau habe sich nach einiger Zeit dazu entschieden, ins Bett zu gehen.

Zum Abschied habe er sie umarmt, sagte der Angeklagte. Wenig später habe er auf die Toilette gemusst. Auf dem Weg dorthin sei er am Schlafzimmer vorbeigekommen, in dem die Frau lag. „Die Tür war offen. Sie sagte zu mir, ich soll herkommen.“ Er habe das Zimmer betreten, woraufhin sie die Decke lüftete und ihren nackten Körper entblößte. Es sei zum Geschlechtsverkehr gekommen – allerdings nur kurz.

„Das geht doch nicht“: Angeklagter schildert Geschlechtsverkehr

Ihn hätten Gewissensbisse geplagt. „Ich habe ihr gesagt, dass das doch nicht geht. Du hast Familie, ich habe Familie.“ Sie habe ihm nicht geantwortet. Er sei nach dem Vorfall zügig nach Hause gefahren, noch im Auto habe ihn der Lebensgefährte der Neutraublingerin angerufen. Dieser habe ihm vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Er habe vorgeschlagen, die Angelegenheit anderntags nüchtern zu besprechen. Zu Hause habe er noch etwas Whiskey getrunken und habe sich schlafen gelegt – bis die Polizei kam.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob es dem Gericht gelingt, die Frau bis dahin ausfindig zu machen.