Darum ist der Bauernjahrtagsball so beliebt: „Wo kann man sonst noch tanzen?“

Einmal im Jahr, dann aber „mit Pomp und Gloria“ macht der größte Verein der Stadt auf sich aufmerksam. Jetzt ist es wieder soweit: Der Bauernjahrtag findet statt. Und der ist zugleich eine der wichtigsten Veranstaltungen im neuen Jahr.
Es ist ein altes Versprechen, dass sich mit der Bauernbruderschaft und dem Bauernjahrtag verbindet. „Jährlich wird am Sonntag vor Lichtmess ein Jahrtag und für verstorbene Mitglieder ein Amt gehalten“, heißt es in den alten Akten des Stadtarchivs über den Verein.
Ein weiteres Motiv war sozialer Natur: 1784 hatte Neustadt a.d. Donau ein verheerendes Hochwasser erlebt. Nahezu jeder Bürger war von der Überschwemmung betroffen, weshalb die Christliche Bauernbruderschaft auch als Hilfsverein für die Landwirtschaft gründete.
„Das war eine Zeit, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Staatliche Unterstützung gab es nicht, und man hatte nur das, was man selbst anbaute oder wenn man sich Tiere halten konnte“, erklärte einst Sebastian Geretshauser, der frühere Vorsitzende der Bauernbruderschaft gegenüber dieser Zeitung. „Wenn das Hochwasser die Felder und Wiesen überflutete, hatten die Menschen für ihre Tiere nichts zu fressen, und man musste sich untereinander aushelfen. Sonst hatte man selbst auch nichts auf dem Tisch.“
Lebendige Tradition
Am 18. April 1790 war es soweit, die Bauernbruderschaft wurde gegründet. Der Bauernjahrtag wurde zum festen Termin im Neustädter Veranstaltungskalender und der Verein selbst zum größten und ältesten in der Stadt.
Dabei ist der Bauernjahrtag mehr als ein stilles Gedenken. Er ist lebendige Tradition und dass trotz des Rückgangs an landwirtschaftlichen Betrieben. „In letzter Zeit sind viele junge Menschen Mitglied bei uns geworden“, sagt Birgit Reisinger von der Bauernbruderschaft. „Sie sind alle irgendwie mit der Landwirtschaft verbunden.“ Freunde von Landwirten gehören genauso dazu wie Leute, die beruflich in der Forstwirtschaft oder dem Agrarhandel zuhause sind. Damit bringt es der Verein derzeit auf 970 Mitglieder, wobei die Bauernbruderschaft zwar als traditionell bezeichnet werden kann, aber nicht „altbacken“ ist. Birgit Reisinger erklärt: „Wir wollen die Tradition hochleben lassen, aber es geht auch um den Zusammenhalt der Menschen untereinander.“
Der Bauernjahrtag ist eine Veranstaltung, die für viele Altersgruppen attraktiv ist. Dazu trägt insbesondere auch der Ball bei. „Wo kann man sonst noch – außer im Fasching – zum Tanzen gehen?“, erinnert Birgit Reisinger. Und so setzt der Jahrtag der Christlichen Bauernbruderschaft am 13. Januar mit dem Kirchenzug und dem Gottesdienst am Morgen und der anschließenden weltlichen Feier seit Generationen den Auftakt für die Feste in Neustadt a.d. Donau.
Hans Ostler, Vorsitzender der Bauernbruderschaft, verspricht wieder einen ereignisreichen Tag mit vielen Höhepunkten. „Um 9.30 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer des Kirchenzuges, um mit wehenden Fahnen, Pauken und Trompeten durch die Innenstadt zur Pfarrkirche zu ziehen. Unter Anführung der Blaskapelle ‘Ochsentreiber‘ werden auch dieses Jahr wieder viele Vereine der Großgemeinde und Größen aus Gesellschaft und Politik dabei sein“, verspricht Birgit Reisinger.
Stadtpfarrer Thomas Stummer wird den Festtag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst und dem Gedenken an alle verstorbenen Mitglieder beginnen. Der Neustädter Landfrauenchor wird den Gottesdienst musikalisch umrahmen und anschließend im Bürgersaal noch ein paar Lieder zum Besten geben.
Tanz und Akrobatik
Anschließend geht es mit Blasmusik in den Bürgersaal zum weltlichen Teil der Traditionsveranstaltung. Und nach ein paar Ansprachen sorgen die „Ochsentreiber“ für beste Unterhaltung, wobei besonders die Volkstanzliebhaber auf ihre Kosten kommen und ihr Tanzbein schwingen können. Auch in diesem Jahr wird Stefan Rothdauscher für die Bewirtung, ein leckeres Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie am Abend fürs leibliche Wohl sorgen. Zusätzlich wird am Nachmittag die Garde der Faschingsgesellschaft „Spumantia“ auftreten.
Am Abend steigt der Ball. Zum ersten Mal wird die Partyband „Onesee“ aus Abensberg ab 19.30 Uhr mit einer großen Auswahl an Hits aus Rock und Pop, Tanzklassikern und Schlagern zum Tanz aufspielen. Zwischendrin werden die „Marchinger Showgirls & Boys“ das Publikum mit einem akrobatischen Auftritt begeistern.
