Brauhaus Nittenau gewinnt erneut „European Beer Star“ – mit alkoholfreiem Bier

Zum wiederholten Mal hat das Brauhaus Nittenau bei der Weltmeisterschaft der Biere, dem „European Beer Star“, einen Platz auf dem Treppchen ergattert. Das Kreativbier „Le Chauffeur“ konnte die Jury in der der Kategorie„New-Style Non-Alcoholic-Ale“ überzeugen.
Dafür gab’s die Silbermedaille. Braumeister und Geschäftsführer Sebastian Jakob freut sich über die Auszeichnung – und will weiterhin auch auf alkoholfreie Biere setzen.
Schon beim Betreten der Produktionsstätte des Nittenauer Brauhauses schlägt dem Besucher ein starker, süßlicher Geruch nach Hopfen und Malz entgegen. Unter ohrenbetäubendem Lärm laufen dort die modernen Maschinen. Auf einer digitalen Schaltfläche können alle Prozesse in Echtzeit nachvollzogen werden. Davor steht Sebastian Jakob und kontrolliert die Anzeige.
In den riesigen Behältern wird auch das Bier hergestellt, das erst kürzlich mit einem European Beer Star gekürt wurde. Le Chauffeur heißt der Trunk, der dem Brauhaus, nach der Goldmedaille im Jahr 2019, nun die zweite Auszeichnung ins Haus gebracht hat.
Fachjury verkostet die Biere
Seit 2004 zeichnet der European Beer Star die besten Biere der Welt aus und gilt in der Szene als die „Weltmeisterschaft“ unter den Brauereien. Jakob findet, dass es der einzige Wettbewerb mit Aussagekraft sei. Jede Brauerei aus Europa und der Welt kann teilnehmen. Die Bewertung erfolgt nach festgelegten Kriterien. Die Fachjury verkostet die Biere anonymisiert und vergibt in der jeweiligen Kategorie die Plätze 1 bis 3.
Das Gewinner-Getränk aus Nittenau ist ein alkoholfreies India Pale Ale (IPA). Typisch für diese Sorte sind seine Bernsteinfarbe und der fast cremige Schaum. Was den Geschmack des Le Chauffeur Jakob zufolge besonders macht, ist die Ausgewogenheit zwischen tropisch-fruchtigen Aromen und der hopfig-malzigen Note.
Viel lässt sich der Brauer über die Rezeptur und den geheimen Herstellungsprozess naturgemäß nicht entlocken. Allerdings spricht er in diesem Zusammenhang von besonderen Hefestämmen und einem eigens entwickelten Maischeverfahren, das schon seit 2016 immer weiter verfeinert werde. Außerdem werde das Pale Ale im Gegensatz zu anderen Biersorten besonders lange gelagert, was ebenfalls nochmal Einfluss auf die Intensität des Geschmacks habe.
Das Besondere: Das prämierte Nittenauer Kreativbier ist alkoholfrei. Einer der wenigen Bereiche, in dem in der Branche noch Wachstum verzeichnet werde, sagt Jakob. „Den deutschen Brauereien geht es schlecht.“
Marktlücken finden: Der einzige Markt, der noch wächst, ist der des alkoholfreien Biers
Angesichts der steigenden Lebensmittelpreise werde es immer schwerer, sich gut zu positionieren. „Deswegen sind wir stets auf der Suche nach Produkten, die auf dem Markt gefragt sind.“
Dazu gehören eben auch mehr und mehr alkoholfreie Biere. „Beim Le Chauffeur vermisst man den Alkohol nicht“, sagt Jakob. Die Bewertungen des Bieres auf der Webseite des Brauhauses geben ihm recht: „Einziges Alkoholfreies, das man trinken kann“ steht dort. Oder: „Eines der herausragenden alkoholfreien IPAs.“
Auch künftig will Jakob deswegen auf die Herstellung von alkoholfreiem Bier setzen. Gerade arbeitet er daran, ein „herkömmliches“ alkoholfreies Bier zu entwickeln. Allerdings bezeichnet er die Kreativbiere als seine „besondere Leidenschaft“. Im neuen Jahr will sich der Brauer allerdings nicht nur um flüssige Neuerungen kümmern. Um sich für die Zukunft noch besser aufzustellen, plant Jakob angesichts der ständig steigenden Kosten eine eigene Energieversorgung. „Für die Produktionsstätten, die das nicht machen, sehe ich keine Zukunft“, sagte er.
Unter anderem will der Brauhaus-Chef die bestehende Photovoltaikanlage erweitern und ein eigenes Managementsystem installieren. Dieses soll die hausintern erzeugte Energie umgehend verteilen und effizient verwerten.
Zum Brauhaus Nittenau
Auszeichnung: Seit 2004 zeichnet der European Beer Star die besten Biere der Welt aus. Brauereien und Verkoster aus Europa und der ganzen Welt kommen jährlich bei der Veranstaltung zusammen, um die Weltmeisterschaft der Biere auszutragen.
Geschichte: Erstmals wurde die Brauerei 1762 als Kommunbrauhaus erwähnt, in dem braunes Bier gebraut wurde. Seit 1996 firmiert das Brauhaus als „Brauhaus Nittenau Josef Jakob“. Seit 2011 arbeitet Sebastian Jakob nach seiner Lehre und dem Studium zum Diplombraumeister im heimischen Betrieb. Seit 2017 leitet er die Geschäfte der Brauerei.