Braumeister Sebastian Jakob lüftet bei Brauereifest das Geheimnis der Nittenauer Biere

Von Renate Ahrens · 24. April 2023 um 11:00

Als probierfreudig und innovativ ist der Nittenauer Diplom-Braumeister Sebastian Jakob bekannt – seine „Kreativbiere“ gelten als etwas Besonderes. Aber auch traditionelle Braukunst ist ihm wichtig. Das konnte man am Wochenende im Brauhaus erleben.

Ein blau-weißer Himmel zeigte sich wie bestellt über den im Freien aufgestellten Biertischen beim Brauhaus Nittenau, wo nach dem Jahr 2018 erstmals wieder ein Brauereifest stattfand. Bei Führungen mit dem Braumeister konnte man erleben, wie aus wenigen Zutaten frisches Bier entsteht. Genau darin liegt das Geheimnis: Zwar dürfen laut bayerischem Reinheitsgebot vom Jahr 1516 – eine der ältesten lebensmittelrechtlichen Vorschriften der Welt – nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Dennoch kommt es aufs Detail an. Zum Beispiel experimentiert der Braumeister gerne mit verschiedenen Hopfensorten aus der ganzen Welt und natürlich aus Bayern. So entstehen neben herkömmlichen Biersorten Spezialitäten mit schokoladigen, fruchtigen, karamelligen oder blumigen Aromen.

Wasser beeinflusst den Geschmack

Kein Brauvorgang und kein Bier gleicht dem anderen, da nur natürliche Zutaten verwendet werden. „Der Geschmack des Hopfens liegt oft an den klimatischen Verhältnissen“, erklärt Biersommelier Jakob. Der meiste Hopfen stamme allerdings nach wie vor aus der Hallertau. „Traditionen sind mir sehr wichtig“, betont Sebastian Jakob. Das Malz sei die „Seele des Bieres“, und sogar das verwendete Wasser mache sich im Geschmack bemerkbar.

Testen konnte man am Wochenende alle Biersorten. Um Preissteigerungen ist allerdings auch das Brauhaus Nittenau nicht herumgekommen. Rohstoffe, Energie oder auch Flaschenglas würden immer teurer . „Wir haben im Februar erhöht“, sagt SebastianJakobund befürchtet, etliche kleine Brauereien könnten diesen Preiskampf „nicht überleben“. Dennoch sei der Bierpreis in Deutschland noch immer zu günstig, sagt der Braumeister, der auch schon ein Jahr in Brauereien in Argentinien gearbeitet hat. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir den Bierpreis nächstes Jahr erneut erhöhen müssen.“ Zwölf Mitarbeiter hat das Brauhaus Nittenau derzeit, das jährlich etwa 8000 bis 9000 Hektoliter braut.

Gäste der Rehaklinik waren begeistert

Umso wichtiger war es Jakob, beim Fest den Besuchern die handwerkliche Kunst des Bierbrauens zu zeigen. Den Gästen gefiel es. Eine ganze Gruppe war aus der Rehaklinik Nittenau gekommen, probierte etliche Sorten und genoss die Stimmung. Erwin Ahle aus Augsburg scherzt, in der Klinik „nur Tee und Wasser“ zu bekommen. Das stimmt natürlich nicht, aber es gehe doch nichts über ein frisches Bier bei einem bayerischen Fest. „Das ist das erste Highlight seit Wochen“, sagte Petra Groß aus Dingolfing. „Wegen uns könnte das Fest alle zwei Wochen stattfinden.“

Musikalisch umrahmt wurde das Fest am Freitag vom Musikverein Bruck und am Samstag von der Stadtkapelle Nittenau. Die Nittenauer City Girls begeisterten abends mit Auftritten und die Bierbar war gut besucht. Bei der Führung erfuhr man auch Interessantes über das neueste Experiment des Braumeisters: vier Sorten fassgereiftes Bier aus schottischen Whiskeyfässern sowie aus Rotweinfässern. Es sei streng limitiert, nur sechs Fässer gebe es insgesamt. Ein Jahr lang reife das Bier darin, dann werde es in Flaschen gefüllt und enthalte rund zehn Prozent Alkohol.

Erste Erwähnung der Brauerei im Jahr 1762

Jakob ist die Vorfreude auf das fertige Bier anzumerken. Seit dem Jahr 2011 arbeitet er im heimischen Betrieb, der auf eine lange Brautradition zurückblickt. Erstmals erwähnt wurde er als Kommunbrauhaus im Jahr 1762. Es befand sich also in Besitz bürgerlicher Anteilseigner. Im Jahr 1923, vor genau 100 Jahren, ging es, inklusive zweier Eiskeller, in den Besitz von Sigmund Pirzer und Hans Jakob über. Heute übernehmen moderne Anlagen die Lagerung und Reifung. Dennoch wird auf Traditionen Wert gelegt. Denn Brauen, so spürt man im Gespräch mit dem Braumeister, ist viel mehr als ein Handwerk – es ist eine Philosophie.

Seniorchef Josef Jakob (2. v. l.) führte die Besucher in Gruppen durch die Brauerei.