Tomary - der 24-jährige Youtube-Millionär aus der Oberpfalz

Von Isolde Stöcker-Gietl · 14. Februar 2023 um 10:24

Mittags im Gasthaus Jakob in Nittenau (Landkreis Schwandorf). Im Gewusel fällt der junge Mann mit Vollbart nicht auf. Keiner fragt nach einem Selfie. Dabei ist Tomary ein bekanntes Gesicht. Seinen Videos folgen fast 900.000 Abonnenten.Dass er aus Nittenau stammt, ist aber kaum bekannt.

Hausaufgabenhilfe, Häkelanleitungen, Haustiere, Hanteltraining: Es gibt wohl keinen Lebensbereich, der nicht auf YouTube stattfindet. Gegründet wurde die Streaming-Plattform 2005 und hat inzwischen so manches bekannte Gesicht hervorgebracht. „Rezo“ (1,02 Millionen Abonnenten) etwa, der mit seinem CDU-Zerstörungsvideo Schlagzeilen machte oder die Wissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim (1,48 Millionen Abonnenten), die heute auch Wissenssendungen im ZDF moderiert. Youtube ist nach Facebook die zweitbeliebtes Social Media Plattform. Erwachsene verbringen dort täglich etwa 40 Minuten.

Start mit Selbstexperimenten

Mit mindestens 200.000 bis zu mehreren Millionen Aufrufen pro Video gehört auch Tomary zu den stark frequentierten Kanälen. Er selbst würde seine Aktivitäten als „Peter Lustig auf Youtube“ verorten, wie er sagt. „Ich sehe mich als Menschen mit Tatendrang, der verrückte Projekte macht.“ Angefangen hat er mit Selbstexperimenten – etwa ob man sich in einer Woche Klavierspielen oder Malen beibringen kann. Er hat ausprobiert, wie es sich anfühlt, blind zu sein und was mit dem Körper passiert, wenn man eine Woche ausschließlich Fleisch isst. Heute tüftelt er mit seinem Team an Ideen, die wissenschaftliche Aspekte und Handwerk kombinieren. Ein Katapult-Bett für Langschläfer oder ein Esstisch mit eingebauter Heizplatte sind dabei entstanden. Zusammen mit seinem Vater baute er während eines Besuches in Nittenau ein riesiges Hamsterrad. Das nächste Projekt wird eine Armbanduhr, verrät er.

Tomary testet auf Youtube: Berauf Ski fahren mit Jet-Antrieb?

Zielstrebig geplant hat der 24-Jährige die Youtube-Karriere nicht. „Ich wollte selbstständig als Cutter von Musikvideos oder Kurzfilmen arbeiten.“ Mit dem Handy seiner Mutter hatte Thomas, der sehr viel Wert auf seine Privatsphäre legt und deshalb seinen Nachnamen nicht nennen will, seine ersten Filmchen gedreht. Schule sei nicht so sein Ding gewesen, gibt er zu. „Ich war ein bisschen der Klassenclown.“ Wenige Monate vor dem Abitur schmiss er hin. „Ich bin nicht mehr hingegangen und es hat auch niemand nach mir gefragt“, sagt er und lacht.

Nach einer ersten Station in Berlin, wo er sich, wie er sagt, überhaupt nicht wohlfühlte, zog er nach Köln und arbeitete für den Youtuber Rewinside als Cutter, ehe er 2019 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Tomary spricht auf Youtube ganz offen über seine Finanzen:

Wenn Tomary über seine Entwicklung und seinen Erfolg spricht, dann klingt das sehr bodenständig. Er fühle sich nicht als Influencer sondern als Unternehmer, sagt er und lässt durchblicken, dass er sich seiner Verantwortung für sein Team, das mittlerweile aus acht Mitarbeitern besteht, bewusst sei. „Ich wollte nicht, dass ich als Person bekannt werde, sondern meine Arbeit.“ Er sei noch immer ein befremdliches Gefühl, in der Öffentlichkeit erkannt zu werden. „Wenn mich jemand cooler findet als ich mich selbst, dann ist das schon komisch.“

Gerade deshalb genießt er auch jeden Besuch in Nittenau. Dann trifft er sich mit seiner Clique aus Schultagen, mit der er immer noch Kontakt pflegt. „Für die bin ich einfach der Tommy.“ Sie gehen in Kneipen, treffen sich auf Volksfesten – „das liebe ich!“. So wie er überhaupt noch immer das Gefühl von Heimat spürt, wenn er in die Oberpfalz kommt. Nur den Dialekt hat er komplett abgelegt. „Das rollende R ist weg. Auch wegen meiner Freundin“, witzelt er.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der 24-Jährige inzwischen im Umland von München, wo er auch seine Werkstatt hat, in der viele der Videos entstehen. Alle zwei bis vier Wochen bestückt er seinen Hauptkanal mit neuem Material. Auf etwa 80 Stunden pro Woche beziffert er seine Arbeitszeit. „Ideen für Projekte zu finden, das ist das anstrengendste. Viel anstrengender als das Drehen.“

Konsum ist ihm nicht wichtig

Tomary veröffentlicht nur Filme, für die er vorab Sponsoren findet. Zudem verdient er an den Werbeeinnahmen von Youtube. In einem seiner Videos hat er über seine finanzielle Situation gesprochen. Und Zahlen offen gelegt. Sein Jahresumsatz beläuft sich mittlerweile auf rund eine Million Euro. Doch Konsum interessiert den 24-Jährigen wenig. „Ich lege keinen Wert auf Markenklamotten. Eine Hose, die 150 Euro kostet, hatte ich noch nie.“ Auch für Reisen – „am liebsten als Roadtrip mit Auto und Zelt“ – und Essen setzt er sich ein eher kleines Budget. „Dass ich mir heute das teuerste Gericht auf der Karte mit Vor- und Nachspeise leisten kann, das genieße ich. Aber ich mag vor allem das Gefühl und bestelle dann doch nicht das Teuerste.“ Da habe ihn seine Kindheit in einer Kleinstadt wie Nittenau schon geprägt, räumt er ein.

Sehen Sie hier das Dschungel-Experiment von Tomary, das er abbrechen musste:

Den größten Teil seines Geldes spart Tomary. Sein Ziel ist es, mit 30 in Rente gehen zu können. „Nicht, um nichts mehr zu arbeiten, sondern um die Freiheit zu haben, nur noch das zu machen, was mir Spaß macht.“

Auch wenn es für Tomary perfekt gelaufen ist: Dass sich mit Youtube leicht Geld verdienen lasse – diesen Traumvorstellungen von Teenagern muss der 24-Jährige nach fünf Jahren im Business ein paar unliebsame Wahrheiten entgegensetzen. „Wer Erfolg will, muss hart dafür arbeiten.“ Disziplin sei die Grundvoraussetzung. Kreativität ein Muss. Und dranbleiben und viel Zeit investieren die eigentliche Herausforderung.

Noch fünf, sechs Jahre Youtube – und was kommt dann? Bei einem Spaziergang sagt Tomary, dass er sich vorstellen könnte, eines Tages zurückzukehren. „Ich liebe Regensburg, aber vielleicht werde ich auch Bürgermeister von Nittenau“, sagt er und grinst. Ein Plan, der der Stadt auf jeden Fall bundesweite Publicity bringen würde.

So wurde aus Thomas Tomary

Anfänge: Bevor Tomary sich auf seinen eigenen Kanal auf Youtube fokussierte, arbeitete er als Cutter für den YouTuber Rewinside in Köln. 2019 wagte er sich dann in die Selbstständigkeit und begann mit Selbstexperimenten. Er erhält auch immer wieder Anfragen für Fernsehformate.

Lieblingsprojekt: Als sein persönliches Lieblingsprojekt bezeichnet er die Entwicklung eines Spielzeugs namens MagFlip, das demnächst auch auf den Markt kommen soll. Vorzeitig abbrechen musste er dagegen ein Dschungel- sowie ein VR-Experiment.