„Die Arbeit wird uns nicht ausgehen“: Schwandorfs OB über die Herausforderungen 2024

Von Jan Lange · 3. Januar 2024 um 19:00

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter der Stadt Schwandorf und deren Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU). Im Interview blickt der Rathauschef, der 2024 ein Dienstjubiläum feiert, auf wichtige Geschehnisse des zurückliegenden Jahres und Aufgaben in den kommenden zwölf Monaten.

Herr Feller, 2023 war ein Jahr der Krisen. Wie hat die Stadt Schwandorf diese gemeistert?

Andreas Feller: Wir haben uns trotz der Krisen positiv entwickelt. Wobei es schon schwierig war... Stichwort Energiekrise. Die Stadt zahlt ein Vielfaches für Gas und Strom. Das macht uns überhaupt nicht glücklich. Oder ich denke an die Lieferschwierigkeiten: Wenn wir früher alles zum vernünftigen Preis in jedweder Menge bekommen konnten, ist das heute nicht mehr so. Das macht uns bei den Baustellen zu schaffen. Wenn man etwas bekommt, ist es meist teurer geworden. Manchmal wird gar kein Angebot abgegeben. Dieses Problem besteht auch bei Fahrzeugen. Auf ein Feuerwehr-Großfahrzeug haben wir sonst eineinhalb Jahre gewartet, jetzt sind es zweieinhalb. Genauso geht es uns beim Bauhof, der ein neues Kanalspülfahrzeug braucht. Da liegt bis jetzt kein vernünftiges Angebot vor. Das sind Erlebnisse, durch die man lernt, strategischer zu arbeiten. Dieses Umdenken hat schon stattgefunden.

Eine unerwartete Herausforderung war sicher die Suche nach neuem Personal...

Feller: Die Pensionierungen und Verrentungen waren abzusehen. Diese Stellen versuchen wir frühzeitig nachzubesetzen, damit ein geregelter Übergang stattfinden kann. Aber es gab auch den einen oder anderem Abgang, von dem ich überrascht war. Ich mache wirklich keinem einen Vorwurf, der sich beruflich verbessern will. Letztendlich haben wir alle Stellen, die ausgeschrieben wurden, nachbesetzen können. Aber das hat auch gedauert, oft muss man zwei- bis dreimal ausschreiben. Das Problem betrifft alle. Fluktuation gibt es überall. Allerdings ist in Zeiten der Hochkonjunktur das Interesse am öffentlichen Dienst immer etwas mäßig. Das ist aber schon immer so.

Das Bauprogramm im Vorjahr war beachtlich. Das hätte angesichts der Krisen auch anders sein können...

Feller: Es ist auf jeden Fall beeindruckend, was im Rathaus da gezaubert wird. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr Baustellen fertig werden – so der soziale Wohnungsbau an der Friedrich-Hebbel-Straße. Aber da macht uns der Winter einen Strich durch die Rechnung. Die Außenanlagen konnten nicht mehr fertiggestellt werden. Bei der einen oder anderen Maßnahme konnten wir erst später beginnen, weil die Preise nicht gepasst haben. Einige Ausschreibungen wurden deswegen sogar eingestampft – obwohl Druck auf dem Kessel ist. Aber wir müssen auch eine sparsame Haushaltsführung beachten. Am Geld ist es nicht gescheitert, der Haushalt ist solide. Rein von dem hätten wir noch mehr machen können, aber es ging bei unseren Mitarbeitern nicht mehr. Unsere Bürger und Gäste haben wir mit den Baustellen ganz schön gefordert – wenn ich zum Beispiel an Bahnhofstraße, Schlesierplatz und Schwaigerstraße denke. Da möchte ich mich für die Leidensfähigkeit bedanken.

Die Bauplanung für 2024 ist ebenfalls ambitioniert. Die Krisen sind aber nicht vorbei und die Finanzentscheidungen der Bundesregierung werden sich kaum positiv auswirken. Sind Sie guter Hoffnung, dass alles so umgesetzt wird wie geplant?

Feller: Das, was wir geplant haben, wollen wir auch umsetzen. Da wir immer mehr Einwohner haben, muss auch die soziale Infrastruktur mitwachsen. Die Kinder sind da. Deshalb müssen wir in ihre Betreuung investieren.

Diese Projekte können also nicht verschoben werden?

Feller: Nein, die sind nicht verhandelbar. Auch beim Bauhof muss dringend etwas passieren. Die Arbeit wird uns also nicht ausgehen. Wir haben alle Hände voll zu tun.

Das gilt ja auch für die neue Feuerwache...

Feller: Ich hoffe, dass wir bis Ende Januar die Grundstücke so weit sondiert haben, dass wir eine Entscheidung treffen können. Wenn wir sagen, sie kommt auf die grüne Wiese, müssen wir uns auch Gedanken über das derzeitige Gebäude machen. Wenn es zur Disposition steht, brauchen wir für die dortige Werkstatt des Bauhofs ebenfalls neue Räume. Darüber müssen wir genauso nachdenken. Es stellt sich natürlich die Frage, wann wir das angehen können. Denn wir müssen auch ein neues Mittelschulzentrum bauen, für das ich mit Kosten von 25 bis 30Millionen Euro rechne. Wir werden dann irgendwann in die Schuldenaufnahme komme. Aus dem laufenden Haushalt werden solche Projekte nicht mehr machbar sein.

Ende 2022 hat Schwandorf an der 30.000-Einwohner-Marke gekratzt, jetzt sind es mehr als 30.800. Hätten Sie mit einem solchen Zuwachs gerechnet?

Feller: Die starke Zunahme ist wahrscheinlich auch der Migration geschuldet. Wenn wir aber weiter in dieser Geschwindigkeit wachsen, wird es schwierig, weil der Druck auf dem Wohnungsmarkt noch zunehmen wird. Dadurch würden sicher auch die Mieten anziehen.

Sie sprechen die Wohnungsproblematik an. Die ist ja schon jetzt nicht unbedingt rosig...

Feller: Ich hoffe, dass einige neue Wohnungen heuer fertig werden und sich auch noch einiges tun wird. Wenn auf dem Maschek-Areal im Stadtsüden mit mehr als 100 Wohnungen ein ganzer Stadtteil entsteht, führt das sicher nicht nur zu Umzügen innerhalb der Stadt, sondern wir werden auch einen Zuzug von außen haben. Dem müssen wir dann mit der sozialen Infrastruktur wieder gerecht werden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Stadt in diesem Jahr?

Feller: Dass wir unser ambitioniertes Bauprogramm umsetzen können. Dass wir die soziale Infrastruktur stärken können. Und dass wir unseren kommunalen Pflichtaufgaben vollumfänglich nachkommen können.

Neben Schulen und Kitas ist ja auch die Gesundheitsversorgung eine Herausforderung...

Feller: Ja. Nur hat die Stadt im medizinischen Bereich wenig Einfluss. Wenn sich jemand meldet, wird er mit Handkuss empfangen – egal ob Facharzt oder Allgemeinmediziner. Wir unterstützen da, wo wir unterstützen können. Die Wirtschaftsförderung hilft zum Beispiel bei der Suche nach Praxisräumen.

Heuer sind Sie zehn Jahre im Amt. Was ist für Sie der größte Erfolg als OB gewesen?

Feller: Es sind so viele Sachen gewesen, dass ich jetzt so spontan keinen Punkt herausstellen möchte.