Asklepios-Klinik Burglengenfeld: Schlaganfall-Einheit bleibt zertifizierte Stroke-Unit

Von Thomas Rieke · 31. Dezember 2023 um 15:00

Da freuten sich alle wie ein Christkind: Der Asklepios-Klinik im Städtedreieck wurde jetzt bestätigt, dass sie nach wie vor die Standards der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erfüllt. Ihre Spezialstation bleibt damit zertifizierte Stroke-Unit – und die Verdrängung aus dem Telemedizinischen Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region (Tempis) scheint vorerst verhindert zu sein.

Wie berichtet, gehört das örtliche Krankenhaus bereits seit 20 Jahren, also von der ersten Stunde an, diesem Netzwerk an. Doch im Frühjahr 2023 mehrten sich die Anzeichen, dass das Ende der Mitgliedschaft bedroht sein könnte. Der Grund: Seit Anfang des nun zu Ende gehenden Jahres gibt es mit dem Krankenhaus St. Barbara der Barmherzigen Brüder im Landkreis ein zweites Tempis-Mitglied. Das Konzept sieht aber nur eines je Kreisgebiet vor.

Als die Bürgermeister aus dem Städtedreieck davon erfuhren, wandten sie sich besorgt an Abgeordnete und verschiedene Ministerien. Eindringlich warben sie dafür, für die Region eine Ausnahme von der Regel zu erlauben, also neben dem Krankenhaus in der Großen Kreisstadt auch die Burglengenfelder Klinik im Verbund zu belassen.

Minister Holetschek dämpfte die Hoffnung

Die Antwort des damaligen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) fiel eher ernüchternd aus. Holetschek bestätigte in einem längeren Brief, dass sich der Krankenhausplanungsausschuss (KPA) mit Blick auf Einwohnerzahl und Größe der Landkreise sowie die Schlaganfall-Inzidenz dafür ausgesprochen habe, grundsätzlich nur ein Krankenhaus pro Landkreis als Kooperationspartner in Tempis aufzunehmen.

Die Bürgermeister des Städtedreiecks sorgten sich, das Burglengenfelder Krankenhaus könnte aus dem Netzwerk Tempis geworfen werden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zwar sei es korrekt, dass im Kreis Schwandorf ursprünglich die Burglengenfelder Klinik dafür ausgewählt worden sei. Doch dem Krankenhaus St.Barbara sei es mittlerweile ebenfalls gelungen, eine leistungsfähige Schlaganfalleinheit aufzubauen – trotz fehlender Netzwerkanbindung. Seine Fallzahlen seien kontinuierlich gestiegen und hätten zuletzt die der Asklepios-Klinik „deutlich übertroffen“. Vor diesem Hintergrund, so Holetschek weiter, habe der KPA zwar der temporären Ausweisung von zwei Kooperationskliniken zugestimmt. Im Ergebnis spreche allerdings „vieles für eine Zentrierung der Schlaganfallversorgung“ – und zwar in Schwandorf. Ein Vorteil des Barbara-Krankenhauses sei die Lage. Insbesondere für die Bevölkerung aus der nördlichen Hälfte des Kreisgebiets sei es „deutlich schneller“ zu erreichen als Burglengenfeld.

Selbstbewusst um Bestätigung des Niveaus gekämpft

Die Leitung der Klinik Burglengenfeld sah sich seinerzeit in ihrer Befürchtung bestätigt, dass die Meinungsbildung im Ministerium „offensichtlich bereits abgeschlossen ist“. Dann aber besannen sich Geschäftsführerin Kathrin Hofstetter und Ärztlicher Direktor Zäch auf ihre Stärken und nahmen den Kampf an. Als Gründungsmitglied des Telemedizinischen Netzwerks verfüge man nicht nur über entsprechende medizinische, pflegerische und therapeutische Erfahrung und Qualität, sondern auch über hochwertige Ausstattung, betonten sie selbstbewusst.

In das Krankenhaus Burglengenfeld wird aktuell viel investiert. Im April 2023 war Spatenstich für einen weiteren Bauabschnitt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Dass man die Kriterien für eine Spezialstation zur Versorgung von Schlaganfallpatienten erfülle, wollte man sich unbedingt erneut durch eine Überprüfung bestätigen lassen. Sich einer Zertifizierung zu unterziehen, sei eine freiwillige Entscheidung, heißt es in einer Pressemitteilung. Vor sieben Jahren habe sich die Asklepios-Klinik erstmals die Qualitätskriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft bescheinigen lassen. Nach wie vor sei ihre spezialisierte Station die einzig zertifizierte Stroke-Unit im Kreisgebiet.

Notfalls wird ein Arzt nach Burglengenfeld eingeflogen

Die Re-Zertifizierung, die für drei Jahre gilt, gebe zuallererst den Schlaganfall-Patienten der Region die Sicherheit, in Burglengenfeld die schnellst- und bestmögliche Versorgung zu erhalten, wird Geschäftsführerin Hofstetter zitiert. Es sei aber auch „eine Top-Bestätigung für unser eingespieltes Team aus Ärzten, Pflege- und Funktionsdienst, Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie, dass es tagtäglich ausgezeichnete Arbeit leistet“.

Zusammengefasst: Seit 2003 ist die Asklepios-Klinik im Städtedreieck im Rahmen von Tempis mit den Schlaganfallzentren in München Harlaching und am Universitätsklinikum Regensburg via Telemedizin verbunden. Die Klinik-Pressestelle skizziert ein Notfall-Szenario: Wird ein Patient mit auffälligen Symptomen eingeliefert, wird sofort eine Computertomographie (CT) erstellt. Parallel dazu wird eine Verbindung zum Schlaganfallzentrum hergestellt, wo ein Neurologe ohne Zeitverlust die CT-Aufnahmen sieht. Der Patient wird vor einen Computer mit Videokamera gebracht, so dass ihn Paula Loibl (oder der diensthabende Arzt) mit dem Spezialisten in München oder Regensburg untersuchen kann. Gemeinsam entscheiden sie, was die wirksamste Therapie ist. Entweder wird das Gerinnsel mit einem Medikament aufgelöst oder operativ entfernt. Bei Letzterem wird der Patient nach Regensburg gebracht – oder es wird ein dafür eigens ausgebildeter Facharzt aus München mit dem Helikopter nach Burglengenfeld geflogen.